„Zuschauen statt Sperren“ – Zum Jahresbericht 2019 der eco Beschwerdestelle

Als „effektiv und nachhaltig“ beschreibt eco im aktuellen Jahresbericht der Beschwerdestelle den Ansatz „Löschen statt Sperren“.
Ein genauer Blick in das gelieferte Zahlenwerk entlarvt dies als dreiste Behauptung, die durch die Zahlen nicht gedeckt wird. Mehr Fälle werden nämlich immer langsamer gelöscht. Mal wieder hat sich die Bilanz der Beschwerdestelle verschlechtert.

50 % mehr Beschwerden
Mit 4.654 Fällen hat die eco Beschwerdestelle im Jahr 2019 den höchsten Wert an berechtigten Beschwerden in ihrer Geschichte verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr (2018: 3.097 Fälle) ist die Anzahl der berechtigten Beschwerden um 50,3 % angestiegen (ausgenommen Beschwerden über E-Mail-Werbung).

Der Schwerpunkt der Beschwerden lag wieder im Bereich der Kinderpornographie:

Es dauert immer länger bis gelöscht wird
Die Erfolgsquote bei webbasierten Inhalten ist im Vergleich zum Vorjahr annähernd konstant geblieben: 95,5 % (Vorjahr 96,33 %).
Allerdings dauerte es, wie in den Vorjahren, immer länger, bis kinderpornographische Inhalte vom Netz genommen werden.
Während es bei in Deutschland gehosteten Webseiten mit Kinderpornografie mit durchschnittlich 2,58 Tagen bis zu Löschung etwas schneller ging als im Vorjahr mit 2,97 Tagen, stieg die Verweildauer weltweit massiv an. Weltweit dauerte es inzwischen durchschnittlich 14,3 Tage (Vorjahr 10,21 Tage) bis kinderpornographische Inhalte gelöscht werden.


Erschreckend bleibt, dass immer weniger überhaupt in annehmbaren Zeiten gelöscht wird. Bei über 20 % der Fälle wird nicht einmal binnen 4 Wochen gelöscht:

Das die Arbeit der Beschwerdestelle schwierig ist, will niemand bestreiten. Diesmal wird dies auch ganz offen zugegeben:
„Leider war bei zwei Anbietern mit deutschen Serverstandorten – entgegen der Norm – ein erhöhter Kommunikationsaufwand nötig, bis die gemeldeten Inhalte entfernt wurden. Darüber hinaus gab es einen ausländischen Hostprovider, der konsequent jeden Hinweis von eco (und anderen Beschwerdestellen) sowie die Aufforderungen zur Löschung ignorierte, ganz gleich um welchen Inhalt es sich handelte.“

Da hilft dann wohl doch nur „Sperren statt Zuschauen“.

Vgl. dazu auch den Bericht zu 2018 „Beschwerdestellen dokumentieren unerträgliche Löschverweigerung der Internetwirtschaft„, der auch Vergleichswerte zu Löschungen bei Urheberrechtsverstößen enthält.