Studie zu britischen Internetfiltern lässt viele Fragen offen

Nach einer Untersuchung der Open Rights Group blocken britische Jugendschutzfilter fast jede fünfte Internetseite. Wenn man in die Details schaut, bleiben leider mehr Fragen offen als geklärt wurden.


Das Untersuchungsdesign

Im ersten Schritt wurden die 100.000 wichtigsten Seiten laut dem Alexa-Ranking geprüft. Bei einigen der 9 getesteten Anbieter wurden Standardfilter getestet, bei anderen musste man sich für eine Einstellung entscheiden. Als Ergebnis wurde veröffentlicht, dass 19 % der Seiten bei zumindest einem Filter geblockt wurden.

Inzwischen wurde weiter getestet, teils auch durch Nutzer über ein Testtool. Insoweit ergänzt eine Übersicht vom heutigen Tag: Bei strengeren Einstellung werden 19 % aller untersuchten Seiten und bei Standardeinstellungen 10 % aller Seiten gefiltert.

 

Problem 1: Alles wird in einen Topf geworfen

Es bleibt unklar, ob ein Filter besonders streng war und andere deutlich lockerer.

Insoweit liegt das Ergebnis irgendwo zwischen „fast überall werden 19 % der Seiten geblockt“ oder „ein Filter blockt 19 % der Seiten und die anderen fast gar nichts“.

 

Problem 2: Fehlende inhaltliche Auseinandersetzung

Im Internet gibt es viele jugendgefährdende Inhalte. Insoweit ist es erst einmal nicht verwunderlich, dass auch viele Seiten gefiltert werden. Anders formuliert: Viel gefiltert bedeutet nicht unbedingt auch viel falsch gefiltert.

Problemfälle werden leider nicht quantifiziert:

Kategorie Anteil Erläuterung
Eindeutig falsch gefiltert < 0,1% Fallbeispiele
Filterung je nach Einstellung 9 % Eltern können die Filter konfigurieren und bspw. auch die Sozialen Netzwerke ausfiltern lassen (bei Apple seit Jahren üblich). Ob die Filterung den angebotenen Kategorien entspricht, wurde nicht untersucht.
Streitfälle ? Je nach gewünschtem Jugendschutzniveau ist eine Filterung manchmal auch Ermessenssache. Leider bleibt offen über wie viele Fälle man diskutieren könnte.
Zu Recht gefiltert, da Pornographie 4 % Angeblich sind nur 4 % der Seiten pornographisch. Ob darunter bspw. auch Piratebay mit einem Pornographieanteil von über 30 % ist, bleibt offen.
Zu Recht aus anderen Gründen gefiltert ? Weitere anerkannte Gründe wären Glücksspiel, Drogen, Selbstmordanregungen etc.

 

Die Gegenprobe, wie viele für Kinder- und Jugendliche ungeeignete Seiten nicht gefiltert wurden, erfolgte nicht.

www.blocked.org.uk/ und www.blocked.org.uk/faq

http://torrentfreak.com/uk-porn-filter-triggers-widespread-internet-censorship-140702/