Kino.to – Das Portal mit dem gewissen Extra

Kino.to war zweifelsfrei das beliebteste Raubkopie-Portal in Deutschland und seine Schließung ein deutliches Signal an die Millionen Nutzer. Aber auch an die Betreiber anderer illegaler Portale, die allerdings technisch deutlich schlechter organisiert sind.

Die Betreiber von kino.to haben nämlich nicht nur ein Raubkopie-Portal betrieben, sondern auch dafür gesorgt, dass dieses reichlich mit Inhalten versorgt wurde. Dazu gehörte neben der neuen Ware auch die dahinterliegende Infrastruktur. Diese war bei kino.to insoweit einmalig, als dass man mit Sharehostern verbunden war, die ein dauerhaftes Angebot sicherstellten.

In der Regel ist es so, dass ein Sharehoster Dateien löscht, wenn er darauf hingewiesen wird, dass diese illegal sind. Folglich läuft der Link des Portals zu dieser Datei ins Leere, der „Kunde“ erhält zumindest hier keine Raubkopie. Im Falle von kino.to lief dies anders. Auf den ersten Blick wurde zwar auch die Datei auf Aufforderung gelöscht, aber das Angebot bestand weiter. Wie dies geschah, hat OpSec Security in einer Studie für den Bundesverband audiovisuelle Medien und Web-Guard dargestellt: Sobald einem der fünf einschlägigen Hoster (archiv.to, bitload.com, quickload.to, tubeload.to und speedload.to) eine illegale Datei mitgeteilt wurde, entfernte man diese. Die Datei „XY“ war nicht mehr auffindbar. Gleichzeitig wurde aber eine neue Datei „XX“ mit dem gleichen Inhalt erstellt (faktisch wurde vermutlich nicht gelöscht sondern umbenannt). Damit diese neue Datei auch weiterhin auffindbar war, wurde der neue Dateiname direkt bei kino.to im Link vermerkt. Dort wurde dann nicht mehr zur Datei „XY“ sondern zur Datei „XX“ verlinkt. Der Kunde hat davon fast nichts gemerkt, in 99 % aller Fälle geschah dies binnen 5 Minuten.

Aus Internetreport II / 2011 – Juli 2011