jugendschutz.net berichtet über „Rechtextremismus online“

Mit „Rechtextremismus online“ hat jugendschutz.net gestern einen Bericht über Recherchen und Maßnahmen im Bereich Rechtsextremismus vorgelegt.

Verbreitung

  • Das Social Web ist für den modernen Rechtsextremismus das wichtigste Mittel, um Jugendliche anzusprechen und mit menschenverachtenden Ideologien zu beeinflussen. 2013 waren etwa 70 % aller durch jugendschutz.net gesichteten 5.507 Webangebote dort zu finden.
  • Teilen und Liken bringen zehntausende Zugriffe: Der Verbreitungsgrad der Propaganda im Social Web ist immens: Das Prinzip des Teilens und gegenseitigen Verknüpfens von Beiträgen führt häufig dazu, dass rechtsextreme Inhalte tausende Zugriffe oder „Gefällt-mir“-Bekundungen erhalten.
  • Der Verbreitungsgrad von Szeneartikeln im Netz wächst: jugend-schutz.net verzeichnete 185 Websites von Versandhändlern (2012: 145) sowie mehr Angebote von Merchandiseprodukten über das Social Web (63 Angebote, 2012: 14). Einige rechtsextreme Händler (z.B. Opos, PC-Records) haben ihr Marketing für Neuerscheinungen und die Bereitstellung von Hörproben von Facebook auf die russische Plattform VK verlagert.


Themen und Trends
Webaktivisten aus dem Umfeld neonazistischer Kameradschaften setzen weiterhin auf jugendaffines Auftreten und erlebnisorientierte Ansprache. Event- und Spaßfaktor stehen dabei im Mittelpunkt und dienen dazu, junge User niedrigschwellig für rechtsextremes Gedankengut zu ködern. Der rechtsextreme Kontext ist häufig verschleiert und für viele User nicht zu erkennen.

Rebellische Aktionsformen, harmlos wirkende Gestaltungselemente und aktuelle Kampagnenthemen sind charakteristisch für die rechtsextreme Agitation im Netz. Parallel nutzt die Szene immer häufiger drastische Bilder und grausame Inhalte, um junge User mit ihrer menschenverachtenden Propaganda zu beeinflussen.

Dabei ist man auch überaus kreativ und nutzt Splatterfilmszenen als vermeintlichen Beleg für Grausamkeit von Muslimen und verbreitet Hoaxes (engl.: Falschmeldungen), die vor vermeintlichen Bedrohungen durch „kinderklauende Zigeunerbanden“ warnten. Diese wurden häufig unkritisch geteilt. Guerillamarketing findet mit gekaperte Hashtags und QR-Codes statt, YouTube Szenevideos werden mit Namen von Hollywoodfilmen gelabelt.

Standorte
Während der Großteil der 1.628 rechtsextremen Websites 2013 weiter über inländische Server betrieben wurde (58 %), lagen fast alle der 3.879 gesichteten Social-Web-Beiträge im Ausland:

  • 86 % bei US-Diensten (meist Facebook, YouTube, Twitter, Tumblr)
  • 7 % bei anderen Diensten im Ausland (z.B. VK, Rutube, ask.fm)
  • 7 % auf deutschen Plattformen (z.B. MyVideo, Wer-kennt-wen)

Maßnahmen: Neue Dienste müssen mehr tun
In 66 % der 1.842 Verstoßfälle fand jugendschutz.net Ansatzpunkte für Löschaktivitäten und erreichte auf diese Weise die Entfernung von 808 rechtsextremen Webangeboten (Erfolgsquote: 67 %). Der direkte Kontakt zu Internetanbietern blieb das effektivste Mittel – 94 % der Erfolge wurden auf diesem Weg erzielt.

Während der direkte Draht zu den US-Diensten Facebook, YouTube und Twitter dazu führt, dass unzulässige Angebote von den Plattformen genommen oder für den Zugriff aus Deutschland gesperrt werden, sind die Handlungsmöglichkeiten bei russischen Diensten wie VK oder Rutube nach wie vor gering. Nur in Einzelfällen, meist bei besonders drastischen Gewaltdarstellungen, konnten hier bislang Löschungen erzielt werden.

Auch die Bloggingplattform Tumblr, die bei hiesigen Usern zunehmend an Bedeutung gewinnt, reagiert bei rassistischer Hetze unzureichend und entfernt weder strafbare Symbole noch volksverhetzende Beiträge. Da das Konfrontationsrisiko mit gefährdenden Inhalten bei Tumblr jedoch allgegenwärtig ist, müssen die Maßnahmen zum Jugendschutz dort dringend verbessert werden.
Es wird aber auch festgestellt, dass 15 % der Websites bei Szeneprovidern gehostet werden.

www.hass-im-netz.info/fileadmin/dateien/pk2014/bericht2013.pdf