„German Angst“ – Part 1

Ende Oktober 2018 hat YouTube Chefin Susan Wojcicki für den Fall, dass die geplante EU-Urheberrechtsrichtline verabschiedet wird, den Untergang vorhergesagt:
“This legislation poses a threat to both your livelihood and your ability to share your voice with the world. And, if implemented as proposed, Article 13 threatens hundreds of thousands of jobs, European creators, businesses, artists and everyone they employ.”

In Deutschland wurde dieses Szenario offenbar sehr ernst genommen. Viele deutsche YouTuber produzierten Protestvideos, schließlich sind Jobs und vieles mehr gefährdet.

Da die Richtlinie aber alle Länder der EU betrifft, haben wir einmal untersucht, was in unseren EU-Nachbarländern in Sachen Protestvideos gegen die EU Richtlinie passiert ist.

Folgt man Wojcickis Argumentation der gefährdeten Jobs, dann hätten die größten YouTube-Kanäle am meisten zu verlieren. Deshalb wurden je EU-Staat die 20 YouTube Kanäle mit den meisten Abonnenten auf die Schlagworte saveyourinternet und Artikel 13 (jeweils in der Landessprache) hin analysiert.

Das Ergebnis ist eindeutig: Letztendlich sprechen sich nur 3,75 % der wichtigsten YouTube-Kanäle in unseren Nachbarländern gegen die Reform aus.

In Luxemburg, Niederlande und Dänemark äußert sich kein einziger TOP 20 YouTube-Kanal zu dem Thema. In Polen, Belgien und Tschechien jeweils nur ein einziger; 2 davon eindeutig negativ und ein tschechischer YouTuber eher ausgewogen.

In Österreich sind es zwei Kanäle, die sich eindeutig gegen die Reform aussprechen und ein Kanal, der alles Mögliche in diverse Sprachen übersetzt, darunter auch Artikel 13. Da dieser Kanal aber auch zu den Kampagnen der Gegner verlinkt, wurde er als Gegner der Reform erfasst.

Auch in Frankreich wird das Thema nur von einem der TOP 20 – Kanäle angesprochen. CYRILmp4 erläutert unter dem Titel „LE DRAMA DE L’ANNÉE !“ die Vorteile der Richtlinie.

Insoweit darf wohl davon ausgegangen werden, dass die wichtigen YouTuber in unseren Nachbarländern kaum befürchten, dass die Reform wirklich die Existenz ihrer YouTube-Kanäle bedroht oder anderweitige Probleme aufkommen könnten.

Deutschland hingegen ist der HotSpot der YouTuber, die Gegner der Reform sind. Hier sprechen sich 6 der 20 größten Kanäle (30%) gegen die Reform aus. Der YouTuber Gronkh macht das aber nicht auf seinem YouTube-Kanal sondern lediglich auf Twitter; deshalb ist er auch in der obigen Grafik nicht enthalten. Hauptagitator LeFloid meldet sich mit 11 Videos zum Thema.

Zur Methodik:
Über channelcrawler.com wurden in der KW 11 je Nachbarstaat die 20 YouTuber mit den meisten Abonnenten erfasst. Dann wurde über die Suchfunktion des jeweiligen Kanals nach Videos mit saveyourinternet oder Artikel 13 in der jeweiligen Landessprache gesucht. Alle angezeigten Videos wurden dann einer Prüfung unterzogen, ob die Suchergebnisse überhaupt etwas mit dem Thema zu tun haben und es sich dabei nicht u. U. um 13 Artikel für den nächsten Einkauf handelt. Im Zweifel wurden Videos eher den Gegnern zugeschrieben.