GB: Erste Untersuchung zur Einführung von Jugendschutzfiltern

Die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hat Ende Juli einen umfangreichen Bericht zur Einführung der Jugendschutzfilter in Großbritannien vorgelegt:

  • Danach haben inzwischen vier Provider Netzwerkfilter eingeführt: TalkTalk im Mai 2011, BT und Sky im Dezember 2013 und Virgin Media ab Februar 2014.
  • Alle Provider präsentieren Ihren neuen Kunden eine „unvermeidbare Auswahl“ an. Dazu erscheint während des Installationsprozesses eine Seite zu den Filtern. Dort sind neben Informationen die Häkchen schon bei „Ein“ gesetzt.  Der Kunde kann sie vor der Bestätigung auf „Aus“ setzen. Erst nach der Bestätigung kann der Installationsprozess fortgesetzt werden (In der Studie sind die entsprechenden Prozeduren abgebildet). Bei Virgin Media gab es Einführungsprobleme, da Techniker, die in vielen Fällen die Einrichtung der neuen Anschlüsse übernommen haben, die Filter wohl häufig ausgestellt haben.
  • Die Filter wirken auf allen Geräten, die mit dem jeweiligen Hausanschluss verbunden sind, egal ob über Kabel oder Wifi. Einschränkungen gibt es teilweise bei nicht html-basierten Apps. Ergänzend gibt es ein Angebot an Sicherheitssoftware.
  • Alle vier ISPs bieten auch Filtersoftware für einzelne Geräte an.
  • Die Filter werden nicht selber erstellt sondern von Drittfirmen eingekauft.
  • Die Filter sind in verschiedene Kategorien eingeteilt, von denen viele Kategorien von allen Filtern genutzt werden. Ergänzend gibt es je nach Hersteller weitere Kategorien, die in der Studie detailliert dargestellt werden. Zwei Anbieter geben die Möglichkeit unterschiedliche Filterstärken einzustellen.
  • Nachträgliche Änderungen der Filtereinstellungen sind möglich und bedingen meist das Masterpasswort und werden teils mit Kontrollmails unterstützt.
  • Alle Anbieter haben Routinen installiert, über die Kunden und Seiteninhaber Filterfehler melden können. Es gibt dabei aber keinen Abgleich zwischen den Herstellern. Bezüglich eines möglichen Overblockings sind aber alle Provider Mitglied einer entsprechenden Arbeitsgruppe.

Ofcom legt zudem Nutzungszahlen zur Einführungsphase der Filter bei neuen Kunden vor. Danach haben 4 bis 36 % dieser neuen Kunden während der Installation die Voreinstellung „Filter Ein“ bestätigt. Im Einzelnen sind es 4 % bei Virgin Media, 5 % bei BT, 8 % bei Sky und 36 % bei TalkTalk. Die britische techweekeurope.co.uk sieht dies als „Sucessful Implementation“ an, heise.de macht daraus „Britische Internetnutzer zeigen Pornofiltern die kalte Schulter“.

Bei der Bewertung der Zahlen sind verschiedene Punkte zu berücksichtigen:

  • Jugendschutzfilter werden in Haushalten mit Kindern benötigt. Im statistischen Durchschnitt leben in 40 % der Haushalte Kinder, darunter sind aber auch Haushalte mit Kleinkindern, die nicht ins Netz gehen. Einzelne Anbieter schätzen den Anteil der Haushalte mit Kindern niedriger als 40 % ein, BT geht sogar nur von 25 % aus. So können aus 5 % Übernahmequote dann schnell 20 % aller Haushalte mit Kindern werden.
  • Es wurde nicht gefragt, ob bereits andere Filter vorhanden sind. 42 % der Haushalte mit Kindern nutzen Filtersysteme auf Gerätebasis. Diese benötigen dann erst einmal keine weiteren Filter.
  • Ebenfalls nicht untersucht, wurde, was nach der ersten Installation passiert. Hier berichten die Anbieter, dass mehr Personen den Filter nachträglich einstellen als während des Installationsprozesses.
  • TalkTalk berichtet, dass die Übernahme der Filter durch die Voreinstellung „Ein“ von 20 auf 36 % gestiegen ist. Der hohe Wert bei TalkTalk kann auch mit der deutlich früheren Einführung im Mai 2011 zusammenhängen.

http://stakeholders.ofcom.org.uk/internet/internet-safety-2

www.techweekeurope.co.uk/news/ofcom-reports-successful-implementation-porn-filter-149563

www.heise.de/newsticker/meldung/Britische-Internetnutzer-zeigen-Pornofiltern-die-kalte-Schulter-2265798.html

Nachtrag:

Siehe auch Artikel im JMS-Report:

Jugendschutz in Großbritannien:
Erfolgreiche Einführung von Netzanschlussfiltern
http://www.jms-report.nomos.de/fileadmin/jms/doc/Aufsatz_JMS-Report_14_05.pdf