EUIPO-Studie: Indiz für steigende Piraterie?

Eigentlich berichtet eine aktuelle Studie der EUIPO über sinkenden Pirateriezahlen. Allerdings werden dabei neue und beliebte Vertriebsformen von illegalen Inhalten nicht erfasst, nämlich Piraterie über Kodi-Boxen, Firesticks oder Apps.

Diese sind aber überaus beliebt. Fast 5 Millionen Briten nutzen diese Technologien. Auch in Deutschland nutzen 28 % derjenigen, die illegal angebotene lineare TV-Sender nutzen solche Technologien.

Offen bleibt ob die Nutzung von Filmen über Kodi-Boxen und Apps nur den angeblichen Rückgang der Piraterie erklärt oder sogar darauf hindeutet, dass die Piraterie im Filmbereich sogar gestiegen ist.

Neben der mangelnden Aussagekraft der Studie ist ihr größtes Manko, dass sie das Problem nicht selber erwähnt.

Bei einer Betrachtung der Zugriffsmethoden Streaming, Download, Torrents und Stream-Ripping ergibt sich, dass die digitale Piraterie rückläufig ist. Zwischen 2017 und 2018 sank der Zugang zu raubkopierten Inhalten insgesamt um 15 %, wobei der stärkste Rückgang bei der Musik (32 %), gefolgt von Film (19 %) und Fernsehen (8 %) zu verzeichnen war. Allerdings bleibt die Piraterie ein großes Problem. Durchschnittlich greift jeder EU-Bürger 9,7 mal im Monat auf raubkopierte Inhalte zu.

Die Piraterie in Deutschland liegt unter dem Durchschnitt. Internetnutzer in Lettland und Litauen greifen im Monat etwa 26mal auf raubkopierte Inhalte zu. Deutsche Nutzer liegen mit 6,8 Zugriffen unter dem EU-Durchschnitt von 9,7. Finnland hat die niedrigste Quote mit 4,6 Zugriffen.

Deutlich wird dabei die Bedeutung des Streamings:

In Deutschland spielt die Filmpiraterie über Torrents kaum noch eine Rolle:

Auf die gemessenen Kanäle ergab sich EU-weit von 2017 auf 2018 ein Rückgang minus 19% im Filmbereich; in Deutschland sogar minus 28,9 %.

Zudem untersucht die Studie Zusammenhänge von Piraterie zu sozioökonomischen Faktoren. Aufgrund der oben dargestellten Probleme der Studie bleibt aber offen, ob die gefunden teils schwachen Zusammenhänge überhaupt noch eine Aussagekraft haben.

Zumindest für die untersuchten Piraterieformen scheinen das Pro-Kopf-Einkommen und das Ausmaß der Einkommensungleichheit die größten Auswirkungen auf den Konsum von raubkopierten Inhalten zu haben: Ein hohes Pro-Kopf-Einkommen und eine geringe Einkommensungleichheit sind mit einem geringeren Maß an illegalem Konsum verbunden.
Die Gesamtgröße des Marktes, gemessen an der Zahl der Internetnutzer in einem Land, ist ebenfalls von Bedeutung: Wo alle anderen Dinge gleich sind, ist der durchschnittliche Verbrauch von raubkopierten Inhalten in größeren Mitgliedstaaten geringer.
Eine höhere Akzeptanz der digitalen Piraterie, wie sie in der IP Perception-Studie des EUIPO belegt ist, ist auch mit einem höheren Konsum von raubkopierten Inhalten verbunden.

Pressemeldung:
https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/web/observatory/news?p_p_id=csnews_WAR_csnewsportlet&p_p_lifecycle=0&p_p_state=normal&p_p_mode=view&p_p_col_id=column-1&p_p_col_count=2&journalId=5443198&journalRelatedId=manual/

Studie
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