Archiv der Kategorie: Martktforschung

Besser Telefonseelsorge

Die britische NGO Privacy International hat festgestellt, dass Webseiten, die über psychische Krankheiten wie Depressionen informieren, fleißig Daten sammeln und weitergeben.
Cookies und Tracking-Elemente gab nach dem Besuch bei fast allen Seiten (97,78 Prozent). Über 60 Prozent wurden dafür für Marketing-Zwecke eingesetzt. Die Daten gingen u.a. an Facebook, Amazon und Google. Manche Seite schrieben sogar mit, was man eingegeben und dann wieder gelöscht hat.
Im Ergebnis wird empfohlen, bei einem psychischen Notfall besser die Telefonseelsorge anzurufen.

https://futurezone.at/netzpolitik/online-psycho-tests-verraten-werbern-ergebnisse/400640759

Pirateriezahlen des IFPI „Music Listening 2019“-Reports

Der Report „Music Listening 2019“ der IFPI hat Musikkonsumenten zwischen 16 und 64 Jahren in 21 Ländern untersucht:

  • 27% der Befragten haben in den letzten Monaten Urheberrechte verletzt um Musik zu hören (in der Altersgruppe 16-24 sind dies sogar 38%).
  • 23 % haben Streams gerippt, also Musik aus dem Netz mitgeschnitten (in der Altersgruppe 16-24 sind dies sogar 34%).

https://www.ifpi.org/downloads/Music-Listening-2019.pdf

Russland: Am liebsten illegal

Laut einer von ESET durchgeführten Umfrage bevorzugen in Russland nur 9% der Befragten ausschließlich legale Inhalte gegenüber Raubkopien. 25% weigern sich gar aus „ideologischen“ Gründen zu bezahlen. 75% geben hohe Preise als Grund für die Nutzung illegaler Quellen an.
52% der Befragten gaben an, dass „geknackte“ Spiele ihre bevorzugten Inhalte sind, dicht gefolgt von 43%, die Filme und Fernsehsendungen aus nicht lizenzierten Quellen beziehen. Etwas mehr als ein Drittel (34%) sagen, dass sie es vorziehen, Musik von illegalen Plattformen zu hören, anstatt ihre legalen Äquivalente.
https://torrentfreak.com/eset-91-of-russians-prefer-pirated-content-190924/

Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen – Bloß nicht zu genau hinschauen

Mit 52 Seiten hat das Leibnitz Institut für Medienforschung viel aus einer Umfrage zu den „Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen
unter lediglich 1044 Kindern und Jugendlichen (und jeweils einem Elternteil) herausgezogen.

Leider krankt die Studie an so unscharfen Kategorien und Fragestellungen, dass man aus Sicht des Jugendmedienschutzes mit den Ergebnissen wenig anfangen kann. Unproblematische Inhalte werden mit Inhalten vermischt, die für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen sind oder gar strafrechtlich problematisch sind.

Dies zeigt sich u.a. bei Cyber-Groming (sexuelle Ansprache) wo nicht einmal versucht wird, zwischen einer Ansprache durch Gleichaltrige oder Erwachsene zu unterschieden. Was soll man mit einem Ergebnis wie „30 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen geben an, in den letzten zwölf Monaten online bzw. im Internet nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein, obwohl sie diese Fragen eigentlich nicht beantworten wollten.“ anfangen?

Ebenso wenig hilfreich ist es, nackte Menschen und Pornographie in einen Fragekomplex zu packen:
„IN DEN LETZTEN 12 MONATEN hast du viele verschiedene Dinge gesehen – z. B. Bilder, Fotos, Videos.
Manchmal können diese sexuell sein, z. B. mit nackten Menschen oder Menschen beim Sex. Vielleicht hast du so etwas noch nie gesehen, oder du hast so etwas auf einem Mobiltelefon, in einem Magazin, im Fernsehen, auf einer DVD oder im Internet gesehen. In den nächsten Fragen geht es um solche Dinge.“

Das Ergebnis, dass Film und Fernsehen die zweitwichtigste Quelle sexueller Inhalte sind, zeigt, dass die Befragten Inhalte, die u.U. von den Selbstkontrollen sogar für Kinder freigegeben sind, mit harter Pornographie vermischen.
„Am zweithäufigsten kommen die Befragten mit sexuellen Darstellungen in Film und Fernsehen in Berührung (13% nie), gefolgt von Printmedien wie Zeitschriften und Büchern (29% nie).“

Dieser Mix hat den Vorteil, dass die Ergebnisse relativiert werden können. Es ist ja alles gar nicht so schlimm. Damit kann eine jahrelange Untätigkeit in Sachen Jugendschutz im Netz legitimiert werden.

Diesem Ansatz folgend, kann man verstehen, wieso man nicht die 9 bis 11-jährigen Kinder nach ihren Erfahrungen mit sexuellen Inhalten oder sexueller Ansprache im Netz fragt. Problematische Ergebnisse verhindert man, indem man erst gar nicht danach fragt.

Wer die Antwort wissen will, sei auf eine Studie aus dem Jahr 2011 verwiesen:
Mehr als ein Viertel der 14- bis 17-jährigen (28%), fast jeder fünfte 10- bis 13-jährige (19 %) und jeder vierzehnte der 6- bis 9-jährigen (7 %) Internetuser hat zwischen Januar und Juni des Jahres 2011 bewusst auf einer Webpräsenz mit jugendgefährdenden pornographischen Inhalten gesurft.

Digitalbarometer 2019: Wer sich schützt, wird selten Opfer

Die aktuelle Umfrage „Digitalbarometer 2019“ zeigt, dass jeder Vierte (24 %) in Deutschland bereits Opfer von Kriminalität im Internet war. Zwar gaben über 80 % der Befragten an, sich Sorgen um die eigene Sicherheit im Internet zu machen, aber Schutzmaßnahmen wie Antivirenprogramme (61 %) und sichere Passwörter (58 %) werden längst nicht umfassend genutzt. Viele werden so immer wieder Opfer von Internetkriminellen.
Eines wurde dabei deutlich: Sicherheit steht meist nicht an erster Stelle. Denn Maßnahmen wie die sofortige Installation verfügbarer Updates (36 %) und die Verschlüsselung von E-Mails (19 %) werden von Nutzern zu wenig umgesetzt. Digitalbarometer 2019: Wer sich schützt, wird selten Opfer weiterlesen

1XBET, Premiere League und Werbung auf Piraterieseiten

Liverpool, Chelsea und Tottenham Hotspur – die alle zuvor Sponsoringverträge mit 1XBET abgeschlossen hatten – erhielten kürzlich eine Warnung der britischen Gambling Commission.
„Wir haben kürzlich an den Liverpool FC, den Chelsea FC und den Tottenham Hotspur FC geschrieben, um sie daran zu erinnern, dass Unternehmen, die Sponsoring betreiben, und die damit verbundenen Werbevereinbarungen mit einem nicht lizenzierten Betreiber strafrechtlich verfolgt werden können…. wegen der Straftat der Werbung für illegales Glücksspiel“, sagte die Kommission angeblich den Clubs.

Vor einigen Tagen gab Tottenham bekannt, dass es seinen Multi-Millionen-Pfund-Sponsoringvertrag mit dem Unternehmen beendet hat. 1XBET will seine Tätigkeit im Vereinigten Königreich zumindest vorerst einzustellen.

Laut Angaben des Markenschutzunternehmen White Bullet erschienen 1XBET-Anzeigen in den letzten sechs Monaten regelmäßig auf 1.200 Piraterieseiten. Davon waren 13% illegale Sportstreamingseiten.

https://torrentfreak.com/1xbet-ads-appeared-on-1200-pirate-sites-in-past-six-months-190906/

https://www.gameoasis.de/1xbet-naechster-rueckschlag-fuer-russischen-gluecksspielanbieter/

jugendschutz.net: Jahresbericht 2018

Auch im aktuellen Jahresbericht 2018 registrierte jugendschutz.net viele Darstellungen sexualisierter Gewalt gegenüber Minderjährigen in Social Media. Zur Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern werden gezielt jugendaffine Social-Media-Dienste wie Tumblr, WhatsApp und Instagram genutzt. Pädosexuelle posten dort Missbrauchsabbildungen. Sie kommentieren Alltagsfotos von Kindern und Jugendlichen sexuell oder nutzen die Angebote, um sich zu vernetzen.
Bei der Blogging-Plattform Tumblr dokumentierte jugendschutz.net 2018 erneut eine Vielzahl an Verstößen aus dem Themenfeld. Darunter Darstellungen, die sexuelle Missbrauchshandlungen an Kleinkindern zeigen. Sämtliche Bilder waren frei verfügbar. Der Dienst entfernte sie zwar nach Hinweis durch jugendschutz.net. Bei Stichproben finden sich jedoch immer wieder sexualisierte Darstellungen von Kindern. Tumblr muss hier auch proaktiv tätig werden.
Auf Instagram spielte sich die Verbreitung vor allem über Profile ab, die nicht öffentlich zugänglich sind. Mittels sog. Trading Requests wird dort zum Tausch von Inhalten aufgerufen, die Kinder sexuell ausbeuten.

Auch sind junge Menschen weiterhin gefährdet durch „Legal Highs“ und die Verherrlichung selbstgefährdenden Verhaltens. Zugehörige Angebote im Netz haben eine ungebrochen hohe Verbreitung.

Extremistische Propaganda im Netz erreichte 2018 eine neue Qualität: Islamisten missbrauchten gesellschaftliche Debatten, um Jugendliche zu radikalen Haltungen und Aktionen zu verführen. Rechtsextremisten lockten junge Userinnen und User in Social Media mit rassistischen Kampagnen und Fake News.

Viele Apps und Onlinespiele, die sich an Kinder und Jugendliche richten, haben keine wirkungsvollen Schutzmechanismen. Die Gefahr von Mobbing, Belästigung und Beeinträchtigungen durch ungeeignete Werbung ist dort weiterhin hoch. Kinder werden zudem als YouTube-Stars vermarktet und in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt.

Nach wie vor löschen die Betreiber von Social-Media-Plattformen insbesondere bei Gewalt und Selbstgefährdung zu wenige Verstöße gegen den Jugendschutz. Auch die Vorbeugung ist nicht ausreichend: Es fehlen umfassende Schutzkonzepte, die Kindern und Jugendlichen unbeschwerte Teilhabe ermöglichen.

https://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/bericht2018.pdf

Studie zur Radikalisierung durch YouTube

Eine Studie über 300.000 Videos, zwei Millionen Empfehlungen und 79 Millionen Kommentaren bei YouTube liefert starke Belege, dass YouTubes Empfehlungssystem zur Radikalisierung der Nutzer beiträgt. Das Entdecken von rechtsextremen Kanälen wird auch in Szenarien ohne Personalisierung unterstützt.

https://netzpolitik.org/2019/radikalisierung-durch-youtube-grosszahlige-studie-zur-empfehlung-rechtsextremer-inhalte/

US-Studie: Werbung auf illegalen Seiten schadet dem Werbenden

Die Umfrage, die von der Trustworthy Accountability Group (TAG) und dem Brand Safety Institute,(BSI) unter 1.017 Befragten über SurveyMonkey durchgeführt wurde, ergab, dass mehr als 80 Prozent der Verbraucher angaben, ein Produkt, das sie regelmäßig kaufen, seltener oder gar nicht mehr zu kaufen, wenn es auf illegalen Seiten beworben wird.

Dies wurde auch nach unterschiedlichen illegalen Seiten differenziert:

  • Anzeigen die zu Malwareinfizierung führen (Kaufreduzierung 93%, Kaufverweigerung 73%)
  • Anzeigen neben Videos zur Rekrutierung von Terroristen (Kaufreduzierung 90%, Kaufverweigerung 67%)
  • Anzeigen bei rassistischer / neonazistischer Propaganda (Kaufreduzierung 87%, Kaufverweigerung 58%)
  • Anzeigen auf Piraterieseiten (Kaufreduzierung 82%, Kaufverweigerung 45%)

https://www.tagtoday.net/pressreleases/brand-safety-survey-2019
https://www.tagtoday.net/brand-safety-survey-2019?hs_preview=BKJxRhUs-12073689772&hsLang=en-us

Game of Thrones sorgt für mehr Besucher auf Piraterieseiten

Zahlen von Muso scheinen darauf hinzudeuten, dass die letzten Episoden von Game of Thrones zu einem Anstieg des weltweiten Traffic auf Piraterieseiten um rund 8% zu sorgten.
„Die Forderung nach Piraterieversionen von Game of Thrones ist beispiellos. Die Nachfrage nach GOT war so hoch, dass sie den Traffic für Domains wie thepiratebay.org sichtbar erhöhte“, sagt Phil Taylor, Analyst bei MUSO.

https://torrentfreak.com/game-of-thrones-visibly-boosted-global-piracy-traffic-190806/

Großbritannien: Piraterie gut für Sponsoren?

Eine aktuelle Studie von GumGum Sports und MUSO hat festgestellt, dass illegale Streams für Spiele der Premier League den Wert des Sponsorings erhöhen. Die Gleichung ist einfach, mehr Zuschauer (egal ob legal oder illegal) machen ein Sponsoring für die Sponsoren interessanter. In diesem Fall soll es um 1 Million Pfund je Spiel gehen.
Ob diese bei den Sponsoringverträge eingepreist sind darf bezweifelt werden. Die Schäden wegen entgangener Einnahmen verbleiben auf jeden Fall bei der Premiere League.
https://torrentfreak.com/sports-streaming-piracy-is-worth-millions-to-sponsors-1907xx/

Google finanziertes Institut: Fehlerhafte Forschung zu Paid Content

Die Forscher des Reuters Institute for the Study of Journalism kommen regelmäßig zu dem Ergebnis, dass Paid Content von Newsseiten nicht richtig erfolgreich ist. Markus Schöberl, Herausgeber von pv digest, kritisiert das Forschungsinstitut aus Oxford. Es liefere alljährlich unstimmige Daten. Wesentliche Kritikpunkte sind:

Die Zahlen des Reuters Institute for the Study of Journalism (RISJ) weisen seit Jahren praktisch unveränderte Anteil der Bevölkerung aus, die für Online-Nachrichten bezahlt. Fast alle anderen Quellen berichten steigende Werte.
Die Anzahl der Paid-Content-Zugänge je Nutzer ist mit 1 falsch berechnet, dass arithmetische Mittel ergibt aber einen Wert von mindestens 1,76.

Darüber hinaus weist Schöberl auch auf die Finanzierung des Institutes hin: „Google hat das RISJ in den Jahren seit 2016 mit rund 10Mio€ gesponsort.“
Kein Wunder, dass man mit allen Tricks versucht zu beweisen, dass werbefinanzierte Angebote besser als bezahlte sind.

https://kress.de/news/detail/beitrag/142950-meinung-die-reuters-forscher-liegen-mit-ihren-zahlen-zu-paid-content-falsch.html

Zu den Finanziers des Institutes siehe auch: https://reutersinstitute.politics.ox.ac.uk/funders-0