Archiv der Kategorie: Jugend(schutz)

Der Versuch, Kinder zu schützen, ist nur ein Trick!

Der Sicherheits- und Kinderschutzexperte John Carr
hat mit der Electronic Frontier Foundation (EFF) einen Schriftwechsel über den im US-Kongress eingebrachten EARN IT Act (Eliminating Abusive and Rampant Neglect of Interactive Technologies Act) geführt.
Der EARN IT Act würde Anreize für Unternehmen schaffen, sich die Haftungsfreistellung für Gesetzesverstöße im Zusammenhang mit Online-Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu „verdienen“.

Aus Sicht des EFF ist das alles nur ein Trick um die Meinungsfreiheit einzuschränken:
“Disguising the Senators’real motivation which is to “attack…free speech and security”.
Trying to protect children is just a ruse. A smokescreen.”

https://johncarr.blog/2020/03/19/sad-but-unfortunately-not-surprising/

Streit um Jugendschutz-Gesetzgebung

Prof. Dr. Marc Liesching schildert in einem neuen Blogbeitrag, dass der Versuch der Länder im JMStV wohl verfassungswidrig ist:

JMStV-Novelle: Pornographiewerbung soll generell verboten werden – schon wieder
„Eine unscheinbar anmutende Erweiterung der Werberegeln in § 6 Abs. 1 JMStV-Entwurf schafft bislang legale Pornographiewerbung in Deutschland faktisch ab. Ein ähnlicher Novellierungsversuch in der Entwurfsfassung zum 18. RfÄndStV (vom 15.5.2015) war u.a. wegen verfassungsrechtlicher Bedenken noch zurückgenommen worden. Jetzt hat man die Regelung – freilich erst nach dem Anhörungsverfahren zur aktuellen MStV- und JMStV-Novelle – nachträglich und ohne rechtspolitische Transparenz/Diskussion im letzten Moment in den Staatsvertrag hineingeschrieben. Bleiben YouPorn & Co für Kinder und Jugendliche frei abrufbar? Und liefert die Videosuche bei bing.com zum Begriff „porn“ auch künftig tausende direkt visualisierte, frei zugängliche Videos? – Natürlich! Nur die deutschen Anbieter, die solche Angebote heute jugendschutzkonform in geschlossenen Benutzergruppen (§ 4 Abs. 2 S. 2 JMStV) nur für Erwachsene anbieten, könnten ihre Geschäftsmodelle aufgrund des neuen Werbetotalverbots einstellen – oder sie streben eine Klärung durch das Bundesverfassungsgericht an.“ …
https://community.beck.de/2020/02/25/jmstv-novelle-pornographiewerbung-soll-generell-verboten-werden-schon-wieder

Elf Verbände kritisieren in einer gemeinsamen Pressemeldung den vorgelegten Entwurf des Jugendschutzgesetztes:

Verbände und NGOs kritisieren Entwurf des Jugendschutzgesetzes als unzureichend
„Ein breites Bündnis von Verbänden kritisiert den vorgelegten Entwurf zum Jugendschutzgesetz als unzureichend. Die Verbände aus den Bereichen Kinderschutz, Bildung, Familien und Wirtschaft erkennen zwar den Versuch an, von relevanten Internetdiensten angemessene Vorsorgemaßnahmen zu verlangen. Gleichzeitig stellen sie aber fest, dass mit dem Entwurf wesentliche Probleme erneut nicht gelöst werden.

Die Verbände und Organisationen kritisieren insbesondere, dass Eltern und Familien bei der Umsetzung des Jugendmedienschutzes zu Hause nicht genügend unterstützt werden. Jede Familie muss sich auch künftig selbst darum kümmern, für unterschiedliche Geräte mit verschiedenen Betriebssystemen passende Jugendfilter auszuwählen und einzurichten. Der richtige Weg sind Jugendschutzfilter, die von den Internetanbietern zur Verfügung gestellt und nach eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden können. Eine solche Lösung gibt es beispielsweise in Großbritannien. Der nun vorgelegte Referentenentwurf hingegen zeigt an keiner Stelle, wie man hier den Familien zur Hilfe kommt.

Neben der Unterstützung der Familien fehlt auch eine wirksame Durchsetzung des seit dem Jahr 2003 bestehenden Verbotes, Kindern und Jugendlichen jugendgefährdende Inhalte im Netz anzubieten. Die Verbände halten es für unabdingbar, dieses Gesetz endlich wirken zu lassen. Obwohl es eine Vielzahl von anerkannten Techniken zur Altersverifikation gibt, können beispielsweise Internetunternehmen problemlos mit der Verbreitung von Pornographie auch mit Kindern und Jugendlichen Geld verdienen. Ebenso zeigt der Entwurf nicht, wie es endlich gelingen soll, indizierte Musiktitel von großen ungeschützten Plattformen wie YouTube zu entfernen.

Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer „wirkungsvolle[n] Durchsetzung des Kinder- und Jugendmedienschutzes auch gegenüber nicht in Deutschland ansässigen Angeboten“ wird wieder nicht erreicht.“ …
https://www.vbe.de/presse/pressedienste-2020/verbaende-und-ngos-kritisieren-entwurf-des-jugendschutzgesetzes-als-unzureichend/

Jugendschutz.net: Report zu Antisemitismus online

In einer weiteren Schwerpunktrecherche zu Antisemitismus online hat jugendschutz.net antisemitische Aussagen auf reichweitenstarken Angeboten, vor allem bei jugendaffinen Plattformen wie Instagram und YouTube untersucht. Im Rahmen der Recherche wurden fast 5.000 Profile, Beiträge und Videos sowie ca. 100.000 Kommentare ausgewertet.
Eine zentrale Erkenntnis: Antisemitismus ist kein Randphänomen, sondern nahezu allgegenwärtig. Verschwörungstheorien werden ebenso reproduziert wie antisemitische Stereotype.
Entsprechend hoch ist das Risiko, dass auch Kinder und Jugendliche mit solchen Inhalten konfrontiert werden.

https://fis.jugendschutz.net/master-detailseite-news/n/neuer-report-zu-antisemitismus-online-veroffentlicht/

PEGI: Casino-Games nur noch ab 18

PEGI, die Klassifizierungsstelle für die Alterskennzeichnung von Videospielen, wird Spiele, in denen (Elemente von) Glücksspielen vorhanden sind, zukünftig nur mit PEGI 18 kennzeichnen. Bisher konnten solche Spiele eine 12er-Kennzeichnung erhalten.

Allerdings bezieht sich die Änderung nur auf Casino-Games und nicht auf die oft kritisierte Lootboxen. Zudem gibt es eine sechs-monatige Übergangsfrist für mögliche Spielanpassungen.

Die neue Einstufung erfolgt auf Initiative der Medien- und Kommunikationsbehörde von Norwegen, die Kinder und Jugendliche von den Casino-Games fernhalten will.

https://www.casinoonline.de/nachrichten/pegi-freigabe-von-videospielen-mit-casino-ab-18-34770/

Jugendschutz.net Bericht: Sexualisierte Gewalt online

Jugendschutz.net hat einen neuen Bericht zu sexualisierter Gewalt (Missbrauchsdarstellungen, Belästigung, Grooming) vorgelegt.
Das Inhaltsverzeichnis:

GEFAHREN UND RISIKEN

  • Missbrauchsdarstellungen werden massenhaft verbreitet
  • Fotos und Videos zeigen diverse Formen sexualisierter Gewalt
  • Sexualisierte Gewalt gegen Kinder sogar als Geschäftsmodell
  • Social Media fungieren als Drehkreuz zur Vernetzung Pädosexueller
  • Schlechte Vorsorge der Diensteanbieter befördert sexuelle Belästigung und Grooming
  • Alltagsbilder von Kindern werden für sexuelle Zwecke missbraucht
  • User verbreiten private Sexting-Bilder ungefragt weiter

GEGENSTRATEGIEN UND SCHUTZ

  • Inhalte löschen und Täter und Täterinnen ermitteln
  • Strukturen bekämpfen und Anbieter zur Vorsorge verpflichten
  • Technische Verfahren zur Bekämpfung einsetzen und effektivieren
  • Kinder und Jugendliche beim Selbstschutz unterstützen

https://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Sexualisierte_Gewalt_online_Bericht_2019.pdf

Aktueller Lagebericht von Jugendschutz.net

Jugendschutz.net hat den aktuellen Lagebericht „Kinder im Netz 2019“ vorgelegt. Das Inhaltsverzeichnis (nachfolgend Auszug) verdeutlicht die Probleme:

  • YouTube und Instagram: Persönlichkeitsrechte von Kindern gefährdet
  • Kindermessenger: Keine kindgerechte Alternative zu WhatsApp
  • Spiele-Apps: Kindliche Unerfahrenheit wird ausgenutzt
  • Sprachassistenten: Nutzung durch Kinder nicht ausreichend berücksichtigt
  • Technischer Schutz: Keine zeitgemäßen Lösungen
  • Altersprüfung: Mindestalter von Nutzerinnen und Nutzern gewährleisten
  • Orientierung für Eltern: Verlässliche Altersklassifizierung

http://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Bericht_2019_Kinder_im_Netz.pdf

Verschlüsselung versus Kinderschutz

Rund 130 Kinderschutzorganisationen und Wissenschaftler wenden sich gegen das Vorhaben von Facebook, alle seine Kommunikationsdienste mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abzusichern. Eine Ausweitung dieser Verschlüsselung würden das Austauschen von Missbrauchsbildern und -Videos erleichtern.

https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/kinderschuetzer-wollen-facebook-von-verschluesselung-abhalten-a-1df8d922-16ff-43be-9aa0-9b5111a6c8e6

UMFRAGE ZUM KINDER- UND JUGENDMEDIENSCHUTZ

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerkes zum Kinder- und Jugendmedienschutz zeigt u.a.:

Risiken
Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der Eltern gibt an, dass ihr Kind bereits negative Erfahrungen bei der Online-Mediennutzung gemacht hat. Knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) gibt an, dass ihr Kind bereits mit Kettenbriefen/Challenges in Berührung gekommen ist. Ähnlich häufig wird übermäßiger Medienkonsum (28 Prozent) als negative Erfahrung angeführt. An dritter Stelle (19 Prozent) folgen ungeeignete Inhalte, wie Gewalt und Pornografie.

Bemühungen der Online-Anbieter
Die Bemühungen der Anbieter von Online-Angeboten für den Kinder- und Jugendmedienschutz werden durchweg als unzureichend bewertet. Am ehesten werden dabei – von jeweils etwas mehr als einem Drittel – noch die Maßnahmen von Herstellern von Endgeräten (39 Prozent), Anbietern von Streaming-Diensten (36 Prozent), Herstellern von Apps bzw. Computerprogrammen (35 Prozent) und von Computer- bzw. Konsolenspielen (35 Prozent) als ausreichend erachtet.

Gewünschte Unterstützung
Aus Sicht der Eltern würden insbesondere funktionierende Jugendschutzeinstellungen (91 Prozent) und verständliche, einheitliche Alterskennzeichnung (88 Prozent) den Eltern dabei helfen könnten, ihre Kinder im Netz sicher zu begleiten und zu unterstützen.

https://www.dkhw.de/fileadmin/Redaktion/1_Unsere_Arbeit/1_Schwerpunkte/6_Medienkompetenz/6.16_Umfrage_Jugendmedienschutz/Zusammenfassung_Umfrage_Kinder-_und_Jugendmedienschutz.pdf

Glücksspiel und Sportwetten für Minderjährige

Die Marktwächter der Verbraucherzentrale Bayern haben bei fünf Anbietern von Glücksspielen im Internet geprüft, wie es um den Schutz von Minderjährigen bestellt ist.
Testanmeldungen ergaben, dass sich Minderjährige unter Angabe eines falschen Geburtsdatums problemlos registrieren können. Auf diese Weise erhalten sie einen ungehinderten Zugang zu Sportwetten und Glücksspielen im Internet.
Das Alter wird frühestens bei der Auszahlung kontrolliert. Ob dann Geld an Minderjährige ausgezahlt wird, wurde nicht getestet.

Geprüft wurden die Webseiten: bet-at-home.com, betsafe.com, bet3000.de, sports.bwin.com und tipico.de.
Die Einzahlungen erfolgten jeweils über Paysafecard-PINs die zuvor anonym im Einzelhandel erworben wurden.

https://www.vzbv.de/pressemitteilung/kein-zutritt-unter-18-jahren

Instagram: Sexuelle Belästigung binnen Sekunden

Für einen Testaccount hat ein Team des Unternehmens Bark ein Fakeprofil einer 11jährigen erstellt. Das „Kind“ postet dann sein erstes Bild bei Instagram. Darauf lächelt das Mädchen und schrieb, dass sie sich auf eine kommende Party freue.

Nach 52 Sekunden gab es die erste Direktnachricht. Innerhalb von zwei Stunden wird sie von 15 Personen kontaktiert. Alles Männer ihre Schönheit bewundern und ihr Komplimente machen. Die daraufhin gestarteten Konversationen haben nur das Ziel sich gegenseitig Nacktbilder zuzusenden. Der Anfang wird dabei oft mit Bildern von eregierten Penissen gemacht.

Bilanz nach zweieinhalb Stunden sieben Konversationen und die Genitalien von 11 Männern gesehen. Innerhalb einer Woche zählt das Spezialteam insgesamt 52 Männer, die Kontakt mit dem Fake-Mädchen aufgenommen haben.

https://futurezone.at/digital-life/wie-schnell-elfjaehrige-auf-instagram-sexuell-belaestigt-werden/400704060

Pornografie auf Twitter: MA HSH leitet Verfahren gegen Plattform ein

Die Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH) hat auf der Kommunikationsplattform Twitter frei zugängliche pornografische Inhalte festgestellt. Es handelt sich dabei um Profile, die sexuelle Dienstleistungen und Produkte (Sexcam, Pornofilme) bewerben. Sie enthalten unter anderem Fotografien und Videos, die fokussiert und unverfremdet sexuelle Handlungen zeigen. Diese Inhalte haben keine Altersbeschränkung und sind damit auch Kindern und Jugendlichen frei zugänglich. Wer in Deutschland pornografische Inhalte öffentlich zugänglich macht, begeht nach dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag eine Ordnungswidrigkeit und macht sich zudem strafbar.

Die MA HSH hatte die konkreten Profile an Twitter zur Löschung oder Sperrung gemeldet. Diesem Hinweis kam Twitter mit Verweis auf irisches Recht nicht nach.

Deshalb hat die MA HSH nun ein förmliches Verfahren gegen die Plattform eingeleitet und diese erneut zur jugendschutzkonformen Nachbesserung aufgefordert. Twitter ist als Hostprovider ab Kenntnis pornografischer Inhalte für deren Entfernung verantwortlich.

Kommt Twitter dieser Aufforderung nicht zeitnah nach, wird die MA HSH das Verfahren mit dem Ziel eines Bußgeldes und einer Untersagung unter Einbeziehung der Kommission für Jugendmedienschutz fortführen und gegebenenfalls die irischen Aufsichtsbehörden über die ERGA (Gruppe Europäischer Regulierungsstellen für Audiovisuelle Mediendienste) konsultieren.

Pressemeldung der MA HSH
https://www.ma-hsh.de/infothek/pressemitteilung/pornografie-auf-twitter-ma-hsh-leitet-verfahren-gegen-plattform-ein.html