Archiv der Kategorie: Jugend(schutz)

Niederlande: Glücksspiel bei Minderjährigen

Die niederländische Glücksspielaufsicht KSA (Kansspelautoriteit) hat eine Studie zum Thema Glücksspiel von Minderjährigen und jungen Erwachsenen veröffentlicht.

Danach haben 23 % der 16- bis 17-Jährigen zwischen April 2018 und April 2019 an Glücksspielen teilgenommen. 11 % der Minderjährigen haben mindestens einmal Rubbellose gekauft, 8 % am Spielautomaten gespielt und 5 % Sportwetten abgegeben.

https://www.casinoonline.de/nachrichten/niederlande-untersuchen-gluecksspiel-unter-jugendlichen-41229/

Neuseeland: TV-Kampagne für Jugendschutz mit nackten Tatsachen

Mit den Worten „Hiya, your son’s been watching us online.“ begrüßen zwei nackte Porno-Darsteller die verblüffte Mutter eines Teenagers an der Haustür . So startet einer der TV-Spots der „Keep it Real Online“-Kampagne der neuseeländischen Regierung zum Thema Internetsicherheit für Kinder und Heranwachsende.

https://www.wuv.de/marketing/wenn_nackte_porno_stars_an_der_haustuer_klingeln

Problem Schüler-Chats

Das baden-württembergische Innenministerium hat mitgeteilt, dass in Schüler-Chat-Gruppen und unter Jugendlichen immer häufiger kinder- und jugendpornografisches Material geteilt wird. Die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren hat bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im vergangenen Jahr um 45,6 Prozent auf 2063 zugelegt.

https://www.heise.de/news/Immer-mehr-Pornovideos-in-Schueler-Chats-Polizei-warnt-vor-Folgen-4779447.html

jugendschutz.net veröffentlicht Jahresbericht 2019

2019 registrierte jugendschutz.net insgesamt 6.950 Verstoßfälle (2018: 6.575).
Den größten Zuwachs an Fällen gegenüber dem Vorjahr verzeichnete die Stelle im Bereich der Selbstgefährdung (plus 77 %, von 478 auf 846 Fälle) und im Bereich der Gewaltdarstellungen (plus 72 %, von 364 auf 627 Fälle).
Den größten Anteil der Verstoßfälle nahmen auch 2019 Darstellungen sexualisierter Gewalt mit 37 % (2.553 Fälle) ein. Knapp ein Viertel (1.606 Fälle) bezog sich thematisch auf politischen Extremismus.

https://fis.jugendschutz.net/master-detailseite-news/n/jugendschutznet-veroffentlicht-jahresbericht-2019/

 

Der Versuch, Kinder zu schützen, ist nur ein Trick!

Der Sicherheits- und Kinderschutzexperte John Carr
hat mit der Electronic Frontier Foundation (EFF) einen Schriftwechsel über den im US-Kongress eingebrachten EARN IT Act (Eliminating Abusive and Rampant Neglect of Interactive Technologies Act) geführt.
Der EARN IT Act würde Anreize für Unternehmen schaffen, sich die Haftungsfreistellung für Gesetzesverstöße im Zusammenhang mit Online-Material über sexuellen Kindesmissbrauch zu „verdienen“.

Aus Sicht des EFF ist das alles nur ein Trick um die Meinungsfreiheit einzuschränken:
“Disguising the Senators’real motivation which is to “attack…free speech and security”.
Trying to protect children is just a ruse. A smokescreen.”

https://johncarr.blog/2020/03/19/sad-but-unfortunately-not-surprising/

Streit um Jugendschutz-Gesetzgebung

Prof. Dr. Marc Liesching schildert in einem neuen Blogbeitrag, dass der Versuch der Länder im JMStV wohl verfassungswidrig ist:

JMStV-Novelle: Pornographiewerbung soll generell verboten werden – schon wieder
„Eine unscheinbar anmutende Erweiterung der Werberegeln in § 6 Abs. 1 JMStV-Entwurf schafft bislang legale Pornographiewerbung in Deutschland faktisch ab. Ein ähnlicher Novellierungsversuch in der Entwurfsfassung zum 18. RfÄndStV (vom 15.5.2015) war u.a. wegen verfassungsrechtlicher Bedenken noch zurückgenommen worden. Jetzt hat man die Regelung – freilich erst nach dem Anhörungsverfahren zur aktuellen MStV- und JMStV-Novelle – nachträglich und ohne rechtspolitische Transparenz/Diskussion im letzten Moment in den Staatsvertrag hineingeschrieben. Bleiben YouPorn & Co für Kinder und Jugendliche frei abrufbar? Und liefert die Videosuche bei bing.com zum Begriff „porn“ auch künftig tausende direkt visualisierte, frei zugängliche Videos? – Natürlich! Nur die deutschen Anbieter, die solche Angebote heute jugendschutzkonform in geschlossenen Benutzergruppen (§ 4 Abs. 2 S. 2 JMStV) nur für Erwachsene anbieten, könnten ihre Geschäftsmodelle aufgrund des neuen Werbetotalverbots einstellen – oder sie streben eine Klärung durch das Bundesverfassungsgericht an.“ …
https://community.beck.de/2020/02/25/jmstv-novelle-pornographiewerbung-soll-generell-verboten-werden-schon-wieder

Elf Verbände kritisieren in einer gemeinsamen Pressemeldung den vorgelegten Entwurf des Jugendschutzgesetztes:

Verbände und NGOs kritisieren Entwurf des Jugendschutzgesetzes als unzureichend
„Ein breites Bündnis von Verbänden kritisiert den vorgelegten Entwurf zum Jugendschutzgesetz als unzureichend. Die Verbände aus den Bereichen Kinderschutz, Bildung, Familien und Wirtschaft erkennen zwar den Versuch an, von relevanten Internetdiensten angemessene Vorsorgemaßnahmen zu verlangen. Gleichzeitig stellen sie aber fest, dass mit dem Entwurf wesentliche Probleme erneut nicht gelöst werden.

Die Verbände und Organisationen kritisieren insbesondere, dass Eltern und Familien bei der Umsetzung des Jugendmedienschutzes zu Hause nicht genügend unterstützt werden. Jede Familie muss sich auch künftig selbst darum kümmern, für unterschiedliche Geräte mit verschiedenen Betriebssystemen passende Jugendfilter auszuwählen und einzurichten. Der richtige Weg sind Jugendschutzfilter, die von den Internetanbietern zur Verfügung gestellt und nach eigenen Bedürfnissen konfiguriert werden können. Eine solche Lösung gibt es beispielsweise in Großbritannien. Der nun vorgelegte Referentenentwurf hingegen zeigt an keiner Stelle, wie man hier den Familien zur Hilfe kommt.

Neben der Unterstützung der Familien fehlt auch eine wirksame Durchsetzung des seit dem Jahr 2003 bestehenden Verbotes, Kindern und Jugendlichen jugendgefährdende Inhalte im Netz anzubieten. Die Verbände halten es für unabdingbar, dieses Gesetz endlich wirken zu lassen. Obwohl es eine Vielzahl von anerkannten Techniken zur Altersverifikation gibt, können beispielsweise Internetunternehmen problemlos mit der Verbreitung von Pornographie auch mit Kindern und Jugendlichen Geld verdienen. Ebenso zeigt der Entwurf nicht, wie es endlich gelingen soll, indizierte Musiktitel von großen ungeschützten Plattformen wie YouTube zu entfernen.

Das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel einer „wirkungsvolle[n] Durchsetzung des Kinder- und Jugendmedienschutzes auch gegenüber nicht in Deutschland ansässigen Angeboten“ wird wieder nicht erreicht.“ …
https://www.vbe.de/presse/pressedienste-2020/verbaende-und-ngos-kritisieren-entwurf-des-jugendschutzgesetzes-als-unzureichend/

Jugendschutz.net: Report zu Antisemitismus online

In einer weiteren Schwerpunktrecherche zu Antisemitismus online hat jugendschutz.net antisemitische Aussagen auf reichweitenstarken Angeboten, vor allem bei jugendaffinen Plattformen wie Instagram und YouTube untersucht. Im Rahmen der Recherche wurden fast 5.000 Profile, Beiträge und Videos sowie ca. 100.000 Kommentare ausgewertet.
Eine zentrale Erkenntnis: Antisemitismus ist kein Randphänomen, sondern nahezu allgegenwärtig. Verschwörungstheorien werden ebenso reproduziert wie antisemitische Stereotype.
Entsprechend hoch ist das Risiko, dass auch Kinder und Jugendliche mit solchen Inhalten konfrontiert werden.

https://fis.jugendschutz.net/master-detailseite-news/n/neuer-report-zu-antisemitismus-online-veroffentlicht/

PEGI: Casino-Games nur noch ab 18

PEGI, die Klassifizierungsstelle für die Alterskennzeichnung von Videospielen, wird Spiele, in denen (Elemente von) Glücksspielen vorhanden sind, zukünftig nur mit PEGI 18 kennzeichnen. Bisher konnten solche Spiele eine 12er-Kennzeichnung erhalten.

Allerdings bezieht sich die Änderung nur auf Casino-Games und nicht auf die oft kritisierte Lootboxen. Zudem gibt es eine sechs-monatige Übergangsfrist für mögliche Spielanpassungen.

Die neue Einstufung erfolgt auf Initiative der Medien- und Kommunikationsbehörde von Norwegen, die Kinder und Jugendliche von den Casino-Games fernhalten will.

https://www.casinoonline.de/nachrichten/pegi-freigabe-von-videospielen-mit-casino-ab-18-34770/

Jugendschutz.net Bericht: Sexualisierte Gewalt online

Jugendschutz.net hat einen neuen Bericht zu sexualisierter Gewalt (Missbrauchsdarstellungen, Belästigung, Grooming) vorgelegt.
Das Inhaltsverzeichnis:

GEFAHREN UND RISIKEN

  • Missbrauchsdarstellungen werden massenhaft verbreitet
  • Fotos und Videos zeigen diverse Formen sexualisierter Gewalt
  • Sexualisierte Gewalt gegen Kinder sogar als Geschäftsmodell
  • Social Media fungieren als Drehkreuz zur Vernetzung Pädosexueller
  • Schlechte Vorsorge der Diensteanbieter befördert sexuelle Belästigung und Grooming
  • Alltagsbilder von Kindern werden für sexuelle Zwecke missbraucht
  • User verbreiten private Sexting-Bilder ungefragt weiter

GEGENSTRATEGIEN UND SCHUTZ

  • Inhalte löschen und Täter und Täterinnen ermitteln
  • Strukturen bekämpfen und Anbieter zur Vorsorge verpflichten
  • Technische Verfahren zur Bekämpfung einsetzen und effektivieren
  • Kinder und Jugendliche beim Selbstschutz unterstützen

https://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Sexualisierte_Gewalt_online_Bericht_2019.pdf

Aktueller Lagebericht von Jugendschutz.net

Jugendschutz.net hat den aktuellen Lagebericht „Kinder im Netz 2019“ vorgelegt. Das Inhaltsverzeichnis (nachfolgend Auszug) verdeutlicht die Probleme:

  • YouTube und Instagram: Persönlichkeitsrechte von Kindern gefährdet
  • Kindermessenger: Keine kindgerechte Alternative zu WhatsApp
  • Spiele-Apps: Kindliche Unerfahrenheit wird ausgenutzt
  • Sprachassistenten: Nutzung durch Kinder nicht ausreichend berücksichtigt
  • Technischer Schutz: Keine zeitgemäßen Lösungen
  • Altersprüfung: Mindestalter von Nutzerinnen und Nutzern gewährleisten
  • Orientierung für Eltern: Verlässliche Altersklassifizierung

http://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/Bericht_2019_Kinder_im_Netz.pdf

Verschlüsselung versus Kinderschutz

Rund 130 Kinderschutzorganisationen und Wissenschaftler wenden sich gegen das Vorhaben von Facebook, alle seine Kommunikationsdienste mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung abzusichern. Eine Ausweitung dieser Verschlüsselung würden das Austauschen von Missbrauchsbildern und -Videos erleichtern.

https://www.spiegel.de/netzwelt/apps/kinderschuetzer-wollen-facebook-von-verschluesselung-abhalten-a-1df8d922-16ff-43be-9aa0-9b5111a6c8e6