Archiv der Kategorie: Jugend(schutz)

Großbritannien: AVS-Pflicht wohl erneut verschoben

Nach Angaben von Sky News soll das Altersverifikationsprogramm der Regierung für Pornoseiten zum dritten Mal verschoben werden. Die Regierung hat es wohl versäumt, die Europäische Kommission bei der Festlegung der Leitlinien der Regulierungsbehörde im Parlament Ende 2018 zu informieren. Man rechnet mit einer Verschiebung von 6 Monaten. Eigentlich sollte die Regelung am 15. Juli in Kraft treten.

Eine offizielle Erklärung auf der Seite des Ministeriums oder des BBFC gibt es nicht. Die BBFC-Internetseite für diesen Bereich, www.ageverificationregulator.com, gibt noch den 15. Juli als Starttermin an.

https://news.sky.com/story/porn-age-verification-scheme-delayed-for-third-time-11745544

Jugendschutzfilter: KJM contra JusProg

Für die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen im Internet ist die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM) zuständig (§ 11 Abs. 1 S. 2 JMStV). Die KJM prüft nur, ob die Selbstkontrolle dabei ihren gesetzlichen Beurteilungsspielraum eingehalten hat.

Genau dies hat die KJM nun getan und der FSM vorgeworfen, bei der Anerkennung des Jugendschutzprogramms JusProg den rechtlichen Grenzen ihres Beurteilungsspielraums überschritten zu haben:
„Die FSM hätte nach Überzeugung der KJM bei ihrer Eignungsprüfung dem Umstand Rechnung tragen müssen, dass das Programm „JusProg“ wesentliche Teile der Nutzung von Medieninhalten durch Minderjährige nicht erfasst, da es ausschließlich für Windows-PC mit Chrome Browser ausgelegt ist. Gleichwohl sind Anbieter durch die Eignungsanerkennung aber umfassend privilegiert – sie können ihre mit einer Alterskennzeichnung versehenen Angebote ohne sonstige Schutzvorkehrungen verbreiten, obwohl gerade auf den von Kindern und Jugendlichen meist genutzten mobilen Endgeräten und Betriebssystemen eine Auslesung der Alterskennzeichnung nicht möglich ist.
Andernfalls sind Kinder und Jugendliche gerade dort ungeschützt, wo sie sich in ihrem digitalen Alltag aufhalten und es würde eine signifikante Schutzlücke entstehen, die mit dem Ziel eines effektiven Jugendschutzes schlicht nicht vereinbar ist.“ Jugendschutzfilter: KJM contra JusProg weiterlesen

Russland: 9.500 Piraterieseiten gesperrt – Legale Umsätze steigen

Die russische Behörde Roskomnadzor berichtet, dass genau vier Jahre nach Inkrafttreten der Änderungen des Anti-Pirateriegesetzes mehr als 9.500 Piraterieseiten in Russland blockiert werden.

Unter Berufung auf Marktforschungsunternehmen stellt die Behörde fest, dass allein im Jahr 2018, die führenden Piraterieseiten für Serien und Filmen insgesamt fast 130 Millionen Zuschauer verloren haben, nachdem der Zugang zu ihnen eingeschränkt wurde.
Die legale Videoindustrie konnte ihren Umsatz im dritten Jahr in Folge steigern. Während 2016 die Wachstumsrate im Vergleich zum Vorjahr 32% und 2017 42% betrug, waren es 2018 bereits 56%.

https://tass.ru/ekonomika/6395414

Großbritannien: Altersüberprüfung Pornografie beginnt im Juli

Das Vereinigte Königreich wird das erste Land der Welt sein, das eine wirksame Alterskontrolle für Online-Pornografie einführt. Nach mehreren Verschiebungen soll diese nun am 15. Juli 219 starten.
https://www.gov.uk/government/news/age-verification-for-online-pornography-to-begin-in-july

https://webschauder.de/grossbritannien-altersverifikation-fuer-internetpornographie-soll-bis-zum-ende-des-jahres-stehen/

LG Bochum: Online-Alkoholverkauf unterliegt Altersbeschränkungen

Das LG Bochum hat entschieden, dass § 9 des Jugendschutzgesetzes auch für den Onlinehandel gilt.
“Unter dem Begriff „Öffentlichkeit“ fällt auch eine Abgabe im Fernabsatz (…) Beim Internet handelt es sich um einen virtuellen „öffentlichen Raum“, der einer Mehrzahl von Personen zugänglich ist (…).”
Deshalb dürfen alkoholische Getränke nur dann an 16-jährige bzw. 18-jährige Personen abgegeben werden, wenn eine Alterskontrolle stattfindet. Erforderlich sei beispielsweise das Post-Ident-Verfahren oder vergleichbare Handlungen (z.B. Zusatzleistung „persönliche Übergabe“).
[LG Bochum, 23.01.2019, Az. 13 O 1/19]

https://www.it-recht-kanzlei.de/lg-bochum-verkauf-alkohol-altersverifikation.html

Steam bietet Rape-Game an

Der Kommentar auf Heise.de ist eindeutig: Ein Rape-Game auf Steam sollte niemanden mehr überraschen, denn Steam fordert das geradezu heraus.
Zugelassen wird alles, solange man 86 Euro bezahlt. Deshalb gibt es auf Steam seit Jahren reihenweise Nazi-Spiele, dreiste Plagiate, pornografische Inhalte und Fake Games.
Erst wenn sich jemand laut genug über einen besonders eklatanten Ausreißer aufregt, wird ein Spiel entfernt.
Die Konkurrenz (Sony, EA, Microsoft, Epic und andere) machen sich hingegen die Mühe die Spiele zu prüfen, bevor man sie im Store verkauft.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-Ein-Rape-Game-auf-Steam-sollte-niemanden-mehr-ueberraschen-4327907.html

Kanada: Mit Technik gegen Kindesmissbrauch

Innocence in Danger verweist im Zusammenhang mit dem aktuellen Missbrauchsfall in Lüdge, bei dem wohl auch 14 Terabyte Missbrauchsdarstellungen vorliegen, auf die Technologie des Canadian Center for Child Protection. Mit dessen „Project Arachnid“ könnten diese 14 Terabyte schnell forensisch bearbeitet, weltweit gesucht und so auch deren weitere Verbreitung eingedämmt werden.

Statistik des Projekts Arachnid, deutsche Übersetzung durch Innocence in Danger.

https://projectarachnid.ca/
https://www.innocenceindanger.de

Facebook soll Minderjährige und deren Eltern abgezockt haben

Nach Angaben der US-Webseite Revealnews soll Facebook jahrelang Kinder und Jugendliche systematisch dazu gebracht haben, möglichst unbemerkt viel Geld ihrer Eltern für Social Games auszugeben.
Die Minderjährigen konnten in Social Games externer Entwickler über die zuvor hinterlegte Kreditkarte ihrer Eltern Geld ausgeben. Dabei sei das Zahlsystem auf Facebook so eingerichtet gewesen, dass die Spieler erst viel zu spät gemerkt hätten, dass sie teils sehr hohe Summen ausgegeben hatten.
Auch Facebook fiel dies Problem auf. Man hat aber darauf verzichtet, bei jedem Kauf erneut die Kreditkartendaten abzufragen, da dies den Umsatz geschmälert hätte.
Beschwerden versuchte das Unternehmen zeitweise dadurch zu beschwichtigen, indem man virtuelle Güter als Entschädigung anbot. Zudem habe Facebook auch versucht die Rückbuchungen der Kreditkartenunternehmen automatisch anzufechten.

https://www.golem.de/news/social-games-facebook-soll-systematisch-minderjaehrige-ausgenutzt-haben-1901-138979.html

„Kinder- und Jugendschutz findet derzeit im Internet nicht statt“

Unbedarft gepostete Alltagsbilder bei Instagram landen unbeobachtet in Fotoblogs von Männern, die sexuelle Fantasien mit Kindern haben und werden dort abscheulich kommentiert; in Chats beliebter Online-Spiele wie „Clash of Clans“ bahnen Erwachsene ungehindert sexuelle Kontakte mit Zehnjährigen an.

Der Missbrauchsbeauftrage der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig stellt frustriert fest: „Kinder- und Jugendschutz findet derzeit im Internet nicht statt.“ Gesetzliche Regelungen, die für mehr Schutz sorgen könnten, stammen aus dem Jahr 2003 und sind „der tatsächlichen Entwicklung Jahrzehnte hinterher.“

Die Psychologin Dr. Janina Neutze erläutert, dass nur eine Identifizierung im Netz die Täter abschrecken würde.

Aus Sicht der Spieleverbände spielt „Cybergrooming (also die Anbahnung sexueller Online-Kontakte von Erwachsenen mit Kindern) im Gaming nicht so eine starke Rolle – deshalb hat man sich aus dem NetzDG gemogelt.

Die verantwortlichen Ministerinnen wie Katharina Barley (Justiz) und Dorothee Bär (Digitalisierung) verweigerten Interviews für die Dokumentation.

Den ganzen Beitrag der Story im Ersten „Kinderfotos im Netz“ von Sebastian Bellwinkel finden Sie hier:
https://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/kinderfotos-im-netz-gepostet-geklaut-missbraucht-100.html