Archiv der Kategorie: Jugend(schutz)

Papst Franziskus mahnt zu Kinderschutz im Internet

Papst Franziskus warnt vor Pornographie im Internet. Sie könne schwerwiegende Folgen für junge Leute haben, die solchen Szenen und Bildern im Netz ausgesetzt seien.
„Leider ist der Einsatz von digitaler Technologie im Bereich Kindesmissbrauch in schnellem Wachstum begriffen, und es scheint ausgesprochen schwierig zu sein, diese furchtbaren Verbrechen zu bekämpfen. Bilder des Missbrauchs und der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen verbreiten sich immer schneller, und es geht dabei um immer schlimmere und gewalttätigere Formen des Missbrauchs an immer jüngeren Opfern,“ klagte Franziskus. Ebenso „schwindelerregend“ verbreite sich auch die Pornographie im Netz.

Die digitale Welt dürfe kein „Raum unbegrenzter Freiheit“ sein, so Papst Franziskus; gebraucht werde ein Ausgleich zwischen legitimer Meinungsfreiheit und „dem allgemeinen Interesse, dass digitale Mittel nicht zu Verbrechen an Minderjährigen eingesetzt werden“. Zum Glück dämmere es mittlerweile der öffentlichen Meinung und den Gesetzgebern, dass es Regeln für den digitalen Raum geben müsse, damit er nicht von Kriminellen für ihre Zwecke benutzt werde.

Digitale Unternehmen sollten dazu verpflichtet sein, das Alter ihrer Nutzer zu überprüfen, damit Minderjährige gar nicht erst auf Porno-Seiten gelangen könnten.
„Glaubwürdige Studien sagen, dass das Durchschnittsalter für den ersten Zugang zu Pornographie heute bei elf Jahren liegt und noch weiter sinken könnte. Das ist auf keine Weise hinnehmbar!“

https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2019-11/papst-franziskus-kinderschutz-missbrauch-digital-porno-internet.html

Plötzlich wollen Medienwächter aktiv werden

Über 16 Jahre nach dem sie den gesetzlichen Auftrag dazu erhalten haben, will nun zumindest eine der vielen Landesmedienanstalten gegen große Pornoseiten vorgehen, wenn sie keine Altersverifikation einsetzen. Die Landesanstalt für Medien (LMA) in Nordrhein-Westfalen vermutet dann nämlich einen Verstoß gegen den Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz.
Dabei will man sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass diese Seiten im Ausland sitzen:

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Bundesverwaltungsgericht bestätigt Indizierung

Das Bundesverwaltungsgericht hat entschieden, dass Bushidos Album „Sonny Black“ zu Recht als jugendgefährdend eingestuft worden ist. Damit bestätigten die Richter die Entscheidung der Bundesprüfstelle, das Album auf den Index für jugendgefährdende Medien zu setzen. Die Vorinstanz, das OVG Münster, hatte anders entschieden.
Das Album darf nun 5 Jahre nach seinem Erscheinen nicht mehr Kindern und Jugendlichen zugänglich gemacht werden.
[BVerwG, Az.: 6 C 18.18]

https://www.spiegel.de/kultur/musik/bushido-album-sonny-black-steht-laut-urteil-zu-recht-auf-dem-index-a-1294192.html

Großbritannien: Ansätze zum Jugendschutz im Netz werden erweitert

Die britische Regierung hat über die Secretary of State for Digital, Culture, Media and Sport, Nicky Morgan, mitgeteilt, dass man Kinder umfassend vor dem Zugriff auf unangemessene, schädliche Inhalte schützen will.
Im Mittelpunkt der Maßnahmen steht das „Online Harms White Paper“, aus dem April, welches inzwischen weiterentwickelt wurde. Dieses sieht Sorgfaltspflichten für Unternehmen zur Verbesserung der Online-Sicherheit vor, die von einer unabhängigen Regulierungsbehörde mit starken Durchsetzungsbefugnissen überwacht werden sollen.

Um zu einem kohärenten Schutzsystem zu kommen, wird Teil 3 des Digital Economy Act 2017 über die Altersverifikation für Online-Pornografie nicht in Kraft treten. Die Ziele des Digital Economy Act werden durch das vorgeschlagene Online-Schadenregulierungssystem erreicht. Diese Vorgehensweise gibt der Regulierungsbehörde die Möglichkeit, die effektivsten Mittel zur Erfüllung ihrer Sorgfaltspflicht zu wählen. Zudem umfasst der Digital Economy Act keine Social Media Plattformen.

„Das Engagement der Regierung für den Schutz von Kindern im Internet ist ungebrochen. Adult Content ist online zu leicht zugänglich und es muss mehr getan werden, um Kinder vor Schäden zu schützen. Wir wollen den umfassendsten Ansatz für die Sicherheit von Kindern im Internet liefern und haben im Online Harms Whitepaper die Rolle anerkannt, die die Technologie spielen kann, um alle Benutzer, insbesondere Kinder, sicher zu halten. Wir sind bestrebt, dass Großbritannien bei der Entwicklung von Online-Sicherheitstechnologien weltweit führend wird und Unternehmen jeder Größe Zugang zu innovativen Lösungen zur Verbesserung der Sicherheit ihrer Nutzer haben und diese annehmen. Dazu gehören auch Instrumente zur Altersverifizierung, und wir erwarten, dass sie weiterhin eine Schlüsselrolle beim Schutz von Kindern im Internet spielen.“

https://www.parliament.uk/business/publications/written-questions-answers-statements/written-statement/Commons/2019-10-16/HCWS13/

Indizierung von Coin Master wird geprüft.

Nach dem die USK sich eigentlich nicht um Lootboxen ((simuliertes) Glücksspiel) kümmert, liegt nun ein solcher Fall bei der Bundesprüfstelle. Im Falle einer Indizierung gäbe es erhebliche Verbreitungseinschränkungen.

Ins Rollen gebracht hat das Verfahren Jan Böhmermann in seiner Sendung „NEO Magazin Royale„. Dort hatte er das Spiel vorgestellt und empfohlen, einen Indizierungsantrag zu stellen, da dies nur bestimmten Personengruppen gestattet ist. Dem Aufruf wurde gefolgt. Nun muss sich die Bundesprüfstelle mit dem Spiel beschäftigen.

Die Smartphone-App „Coin Master“, die sich wohl in erster Linie an Kinder und Jugendliche richtet ist zwar auch kostenlos spielbar, doch der Auf- und Ausbau des Dorfes samt Verteidigungsanlagen gelingt nur mit Münzen („Coins“), die man sich an einem simulierten Spielautomaten erspielt. Nach fünf Versuchen ist zunächst Schluss – es sei denn, man zahlt. Experten sprechen von „simuliertem Glücksspiel“.
Beworben wird die von Investoren aus der Glücksspielbranche erstellte App von Prominenten wie Dieter Bohlen, Daniela Katzenberger, Pietro Lombardi oder Bibi.

Bundesverfassungsgericht zum Jugendschutzbeauftragten

Weil die NPD keinen Jugendschutzbeauftragten für ihre Internetseite hat, sollte sie ein Bußgeld bezahlen. Dies ist nun nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes nicht mehr nötig, da in diesem Fall die Meinungsfreiheit höher zu bewerten ist:
Entscheidungen, die an die Bewertung einer durch Art. 5 Abs. 1 Satz 1 GG geschützten Äußerung als jugendgefährdend nachteilige Rechtsfolgen knüpfen, müssen der wertsetzenden Bedeutung des Grundrechts der Meinungsfreiheit Rechnung tragen. Diese Grundsätze sind auch dann zu beachten, wenn nicht die Meinungsäußerung selbst Gegenstand eines Verfahrens ist, sondern deren Bewertung ihrerseits Grundlage für eine weitere belastende staatliche Maßnahme wird. Soweit eine Einstufung von Äußerungen als „jugendgefährdend“ die Grundlage für die bußgeldbewehrte Pflicht zur Bestellung eines Jugendschutzbeauftragten bildet, muss im Rahmen der Verhältnismäßigkeitsprüfung auch berücksichtigt werden, welche Bedeutung eine solche Pflicht für die Möglichkeit der freien Meinungsäußerung der Betroffenen besitzt. Dies hat die 2. Kammer des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts mit heute veröffentlichtem Beschluss entschieden und einer Verfassungsbeschwerde eines Beschwerdeführers stattgegeben.“
[BvR, 27.8.2019, 1 BvR 811/17]

https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/bvg19-066.html

Stiftung Warentest: Naziparolen und Pornografie in Handyspielen

Keines der 14 geprüften Handyspiele für Kinder kann die Stiftung Warentest empfehlen. 13 stuft sie sogar als inakzeptabel ein. Die Tester stießen auf Verweise auf Pornoseiten, Mitspieler mit rechtsextremen Pseudonymen wie „SiegHeil“ und ein Spiel, in dem „böse Juden“ getötet werden sollen. Viele Apps verleiten auch zu teuren In-App-Käufen, denn nur wer zahlt, kommt schnell voran. Die Untersuchung zum Kinderschutz in Spiele-Apps führten die Tester gemeinsam mit Jugendschutz.net durch, dem gemeinsamen Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet.
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Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen – Bloß nicht zu genau hinschauen

Mit 52 Seiten hat das Leibnitz Institut für Medienforschung viel aus einer Umfrage zu den „Online-Erfahrungen von 9- bis 17-Jährigen
unter lediglich 1044 Kindern und Jugendlichen (und jeweils einem Elternteil) herausgezogen.

Leider krankt die Studie an so unscharfen Kategorien und Fragestellungen, dass man aus Sicht des Jugendmedienschutzes mit den Ergebnissen wenig anfangen kann. Unproblematische Inhalte werden mit Inhalten vermischt, die für Kinder und Jugendliche nicht zugelassen sind oder gar strafrechtlich problematisch sind.

Dies zeigt sich u.a. bei Cyber-Groming (sexuelle Ansprache) wo nicht einmal versucht wird, zwischen einer Ansprache durch Gleichaltrige oder Erwachsene zu unterschieden. Was soll man mit einem Ergebnis wie „30 Prozent der befragten 12- bis 17-Jährigen geben an, in den letzten zwölf Monaten online bzw. im Internet nach sexuellen Dingen gefragt worden zu sein, obwohl sie diese Fragen eigentlich nicht beantworten wollten.“ anfangen?

Ebenso wenig hilfreich ist es, nackte Menschen und Pornographie in einen Fragekomplex zu packen:
„IN DEN LETZTEN 12 MONATEN hast du viele verschiedene Dinge gesehen – z. B. Bilder, Fotos, Videos.
Manchmal können diese sexuell sein, z. B. mit nackten Menschen oder Menschen beim Sex. Vielleicht hast du so etwas noch nie gesehen, oder du hast so etwas auf einem Mobiltelefon, in einem Magazin, im Fernsehen, auf einer DVD oder im Internet gesehen. In den nächsten Fragen geht es um solche Dinge.“

Das Ergebnis, dass Film und Fernsehen die zweitwichtigste Quelle sexueller Inhalte sind, zeigt, dass die Befragten Inhalte, die u.U. von den Selbstkontrollen sogar für Kinder freigegeben sind, mit harter Pornographie vermischen.
„Am zweithäufigsten kommen die Befragten mit sexuellen Darstellungen in Film und Fernsehen in Berührung (13% nie), gefolgt von Printmedien wie Zeitschriften und Büchern (29% nie).“

Dieser Mix hat den Vorteil, dass die Ergebnisse relativiert werden können. Es ist ja alles gar nicht so schlimm. Damit kann eine jahrelange Untätigkeit in Sachen Jugendschutz im Netz legitimiert werden.

Diesem Ansatz folgend, kann man verstehen, wieso man nicht die 9 bis 11-jährigen Kinder nach ihren Erfahrungen mit sexuellen Inhalten oder sexueller Ansprache im Netz fragt. Problematische Ergebnisse verhindert man, indem man erst gar nicht danach fragt.

Wer die Antwort wissen will, sei auf eine Studie aus dem Jahr 2011 verwiesen:
Mehr als ein Viertel der 14- bis 17-jährigen (28%), fast jeder fünfte 10- bis 13-jährige (19 %) und jeder vierzehnte der 6- bis 9-jährigen (7 %) Internetuser hat zwischen Januar und Juni des Jahres 2011 bewusst auf einer Webpräsenz mit jugendgefährdenden pornographischen Inhalten gesurft.

Schweiz: Zugangssperren zu nicht bewilligten Online-Spielangeboten

Die Bekämpfung des illegalen Geldspiels ist eine der Prioritäten des Schweizer Geldspielgesetzes (BGS). Da das legale Angebot hohe Anforderungen erfüllen muss, ist es unerlässlich, dass Spieler nicht einfach auf nicht autorisierte Online-Glücksspielangebote zugreifen können. Artikel 86 Absatz 1 des Geldspielgesetzes legt fest „Der Zugang zu online durchgeführten Geldspielen ist zu sperren, wenn die Spielangebote in der Schweiz nicht bewilligt sind“.

Die Bestimmungen über die Einschränkung des Zugangs zu in der Schweiz nicht bewilligten Online-Spielangeboten sind am 1. Juli 2019 in Kraft getreten. Seit dem Inkrafttreten dieser Bestimmungen hat die ESBK begonnen, nicht bewilligte Online-Geldspielangebote zu prüfen. Sie veröffentlich und aktualisiert auf ihrer Webseite eine Liste von Geldspielen, deren Zugang gesperrt ist (Sperrliste) mittels eines Verweises im Bundesblatt. Zudem gibt es eine Liste der gesperrten Geldspielangebote, die in den Zuständigkeitsbereich der Interkantonalen Behörde, der Lotterie- und Wettkommission (Comlot), fallen.

Auf den beiden veröffentlichten Listen sind insgesamt fast 100 Seiten zu finden:
Sperrliste der in der Schweiz nicht bewilligten Online-Spielangebote

Comlot-Sperrliste

https://www.esbk.admin.ch/esbk/de/home/illegalesspiel/zugangssperren.html

Peanuts für Google

Die Federal Trade Commission hat gegen eine Zahlung von 170 Millionen Dollar das Verfahren wegen illegaler Nutzung von Kinderdaten gegen Google eingestellt. Google hatte ohne elterliche Zustimmung widerrechtlich Daten von Kindern unter 13 Jahren gesammelt.

Der Betrag ist „erbärmlich niedrig, wenn man bedenkt, wie ungeheuerlich die Verletzung ist, wie sehr Google von Gesetzesverstößen profitiert hat und wie groß und umsatzstark Google ist“, sagte Katharina Kopp, stellvertretende Direktorin des Center for Digital Democracy, das die Beschwerde gegen YouTube mit anführte.
Das Forschungsunternehmen Loup Ventures schätzt, dass 5% oder etwa 750 Millionen Dollar pro Jahr des Jahresumsatzes von YouTube aus Inhalten für Kinder stammen.

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/youtube-zahlt-rekordstrafe-wegen-sammeln-von-kinderdaten-a-1285259.html

https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-08-30/google-s-youtube-will-pay-150-million-to-end-ftc-privacy-probe

jugendschutz.net: Jahresbericht 2018

Auch im aktuellen Jahresbericht 2018 registrierte jugendschutz.net viele Darstellungen sexualisierter Gewalt gegenüber Minderjährigen in Social Media. Zur Verbreitung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern werden gezielt jugendaffine Social-Media-Dienste wie Tumblr, WhatsApp und Instagram genutzt. Pädosexuelle posten dort Missbrauchsabbildungen. Sie kommentieren Alltagsfotos von Kindern und Jugendlichen sexuell oder nutzen die Angebote, um sich zu vernetzen.
Bei der Blogging-Plattform Tumblr dokumentierte jugendschutz.net 2018 erneut eine Vielzahl an Verstößen aus dem Themenfeld. Darunter Darstellungen, die sexuelle Missbrauchshandlungen an Kleinkindern zeigen. Sämtliche Bilder waren frei verfügbar. Der Dienst entfernte sie zwar nach Hinweis durch jugendschutz.net. Bei Stichproben finden sich jedoch immer wieder sexualisierte Darstellungen von Kindern. Tumblr muss hier auch proaktiv tätig werden.
Auf Instagram spielte sich die Verbreitung vor allem über Profile ab, die nicht öffentlich zugänglich sind. Mittels sog. Trading Requests wird dort zum Tausch von Inhalten aufgerufen, die Kinder sexuell ausbeuten.

Auch sind junge Menschen weiterhin gefährdet durch „Legal Highs“ und die Verherrlichung selbstgefährdenden Verhaltens. Zugehörige Angebote im Netz haben eine ungebrochen hohe Verbreitung.

Extremistische Propaganda im Netz erreichte 2018 eine neue Qualität: Islamisten missbrauchten gesellschaftliche Debatten, um Jugendliche zu radikalen Haltungen und Aktionen zu verführen. Rechtsextremisten lockten junge Userinnen und User in Social Media mit rassistischen Kampagnen und Fake News.

Viele Apps und Onlinespiele, die sich an Kinder und Jugendliche richten, haben keine wirkungsvollen Schutzmechanismen. Die Gefahr von Mobbing, Belästigung und Beeinträchtigungen durch ungeeignete Werbung ist dort weiterhin hoch. Kinder werden zudem als YouTube-Stars vermarktet und in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt.

Nach wie vor löschen die Betreiber von Social-Media-Plattformen insbesondere bei Gewalt und Selbstgefährdung zu wenige Verstöße gegen den Jugendschutz. Auch die Vorbeugung ist nicht ausreichend: Es fehlen umfassende Schutzkonzepte, die Kindern und Jugendlichen unbeschwerte Teilhabe ermöglichen.

https://www.jugendschutz.net/fileadmin/download/pdf/bericht2018.pdf