Archiv der Kategorie: Gemischtes

www – die wunderbare Welt der Werbung

Wer kennt sie nicht, die kostenlosen Wochenblätter, die uns oft mehrmals in der Woche in die Briefkästen geworfen werden. Es sind Werbepostillen, die meist mit kleinen redaktionellen Berichten angereichert werden, damit sie vor dem Gang ins Altpapier wenigsten noch einmal kurz angesehen werden, samt Werbebeilagen.

Die Verlage, die solche Werbezeitungen herausgeben, garnieren also die Werbung mit Neuigkeiten aus der Umgebung der Leser. Für sie gelten die gleichen Regeln wie für Tageszeitungen, was Sorgfalt der Artikel aber auch Verantwortlichkeiten angeht.

Im Gegensatz dazu gibt es Tageszeitungen, die sich neben Verkaufserlösen auch durch Werbung online wie offline finanzieren. Hier gilt, dass solche Erlöse das Kerngeschäft einer Zeitung, nämlich die Bereitstellung von News und Artikel sowie Berichten, finanzieren.

In Zeiten des Internets ist Prinzip Werbereichweite mit angereicherten News natürlich erhalten geblieben. Ein Pendant der analogen Werbepostillen im Netz sind Nachrichtenportale, die eben nicht zu traditionellen Verlagshäusern gehören, sondern zu Werbekonzernen.
Für sie sind die Nachrichten allenfalls hübsches Nebenwerk, das die Attraktivität und Reichweite erhöhen soll, damit die Zuseher auch die Werbung der Kunden des Portals ertragen. Ein solches Nachrichtenportal ist t-online.de. Einst eine Tochter der Telekom, gehört es seit 2015 zum Werbekonzern Stroer, der in 2018 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro aufweist. www – die wunderbare Welt der Werbung weiterlesen

Spanien: Datenschutzstreit um AntiPiraterieApp

Die spanische Datenschutzbehörde hat gegen die Ausrichter der beiden spanischen Profifußballligen ein Bußgeld von 250.000 Euro verhängt, da deren La Liga-App den Zugriff auf Positionsdaten und Mikrofon des Handys nicht klar erläutert habe.

In einer unsichtbaren Funktion der App wird zu den Spielzeiten ein Sample der Umgebungsgeräusche aufgenommen. In Kombination mit den Ortungsdaten sind so eventuell laufende Spielübertragungen zu entdecken.
Die Nutzer müssen dies explizit genehmigen, allerdings kritisiert die Datenschutzbehörde, dass der Verwendungszweck der erhobenen Daten nicht transparent genug gemacht worden sei.

Die Betroffenen wollen gerichtlich gegen die Entscheidung der AEPD vorgehen, da nur Teile der Tonaufnahme zur Produktion von Hashwerten genutzt werden. Nur diese würden abgeglichen, Rückschlüsse auf Stimmen oder Gespräche seien unmöglich.

https://www.heise.de/newsticker/meldung/App-hoert-mit-Datenschuetzer-verhaengt-DSGVO-Bussgeld-gegen-spanische-Fussballliga-4445151.html

LG Dresden: Verfahren gegen Betreiber zweier Usenet Foren

Im Verfahren gegen die beiden mutmaßliche Betreiber des Usenet-Portals Town.ag hat in der letzten Woche der Prozess vor dem Landgericht Dresden begonnen. Anberaumt wurden 16 Verhandlungstage, eine umfangreiche Beweisaufnahme wird erwartet. Ein Grund dafür dürfte das beharrliche Schweigen eines der beiden Hauptbeschuldigten sein, der nach seiner Auslieferung aus Spanien seit mittlerweile fast 18 Monaten in Untersuchungshaft sitzt.
Bevor die Seite Town.ag als Teil des Usenet-Netzwerks durch GVU-Ermittlungen ins Visier der Behörden geriet, hatten Nutzer dort Zugriff auf rund 1,2 Millionen Filme, Serien, Games und E-Books. Ende 2017 kam es zur Abschaltung dieses Portals und 20 weiterer Portal- und Unterstützungsseiten. Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen beziffert den Schaden auf rund 5,1 Mio. Euro.
https://gvu.de/prozessbeginn-gegen-betreiber-von-town-ag-vor-dem-landgericht-dresden/4063

https://www.bild.de/regional/dresden/dresden-aktuell/5-1-mio-euro-schaden-bande-verdiente-an-illegalen-download-portalen-62467580.bild.html

Neuer Bericht von EUIPO und Europol

Die meisten kriminellen Aktivitäten im Zusammenhang mit Fälschungen werden von zunehmend professionalisierten Netzwerken der organisierten Kriminalität durchgeführt, die bei geringem Risiko hohe Gewinne erwirtschaften können.
Dies geht aus der ersten EU-weiten Bedrohungsanalyse der Kriminalität im Bereich des geistigen Eigentums hervor, die Europol und die EUIPO am 12. Juni 2019 veröffentlicht haben.

Der Bericht “New Europol/EUIPO Threat Assessment Report” betont auch, dass, obwohl die Mehrheit der Fälschungen auf dem EU-Markt außerhalb Europas hergestellt wird, die Fertigung innerhalb Europas ein zunehmender Trend ist.

Die Bedrohungsanalyse, die auf der Grundlage EU-weiter Daten und strategischer Erkenntnisse durchgeführt wird, betont auch, dass neben den traditionellen Kategorien gefälschter Kleidung, Schuhe und Luxusgüter ein zunehmender Handel mit gefälschten Produkten stattfindet, die für die menschliche Gesundheit potenziell gefährlich sind. So scheint beispielsweise der Handel mit gefälschten Arzneimitteln zur Behandlung schwerer Krankheiten zu zunehmen. Neuer Bericht von EUIPO und Europol weiterlesen

EUGH-Anwalt sieht bei Facebook weitreichende Pflichten

Nach Ansicht von EUGH-Generalanwalt Szpunar kann Facebook gezwungen werden, sämtliche Kommentare, die mit einem ehrverletzenden Kommentar, dessen Rechtswidrigkeit festgestellt wurde, wortgleich sind, sowie damit sinngleiche Kommentare, sofern sie von demselben Nutzer herrühren, zu eruieren und zu identifizieren
Das EU-Recht hindere auch nicht daran, von Facebook zu verlangen, die fraglichen Kommentare weltweit zu entfernen.

[Rechtssache C-18/18, Eva Glawischnig-Piesczek / Facebook Ireland Limited]

https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2019-06/cp190069de.pdf

Facebook im Visier der US-Gerichte

Richter im US-Bundesstaat Delaware haben entschieden, dass Facebook im Zusammenhang mit der Cambridge Analytica Affäre Unterlagen zum Umgang mit dem Datenschutz an Aktionäre aushändigen muss.

Ein Richter der US-Hauptstadt Washington wies den Antrag auf Abweisung oder Aussetzung eines Verfahrens ab, indem der Generalstaatsanwalt von Washington Facebook eine Täuschung von Nutzern aus der Hauptstadt vorwirft, weil das Unternehmen schon zwei Jahre vor der Offenlegung von dem Datenmissbrauch von Cambridge Analytica gewusst habe. Zudem soll Facebook App-Drittanbietern Zugriff auf Daten ohne Nutzerzustimmung erlaubt haben.

In Abwehr einer Sammelklage von Nutzern sagte Facebook-Anwalt Orin Snyder bei einer Anhörung vor einem Bezirksgericht in Kalifornien, dass es bei sozialen Medien „keine vernünftige Erwartung auf Datenschutz“ geben kann. „Es gibt keine Verletzung der Privatsphäre, da es überhaupt keine Privatsphäre gibt“, so Synyder.

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/facebook-verliert-nach-datenskandal-vor-gericht-a-1270337.html

https://www.golem.de/news/sammelklage-nutzer-koennen-laut-facebook-keine-privatsphaere-erwarten-1906-141630.html

Illegales Facebook-Tracking auf Zeitungsseiten

Netzpolitik.org hat die Recherchen des Journalisten und Datenschützer Matthias Eberl veröffentlicht, der 130 deutsche Nachrichtenseiten und Verlagsangebote analysiert hat und zu dem Ergebnis kam, dass Facebook fast überall mitliest, da die Verlage Tracking-Tools unerlaubt einsetzen.
https://netzpolitik.org/2019/konzern-liest-mit-facebook-trackt-nutzer-auf-drei-viertel-aller-deutschen-nachrichtenseiten/

Hoster RapidVideo blockiert Piraterieportale

RapidVideo sperrt momentan Piraterieportale wie kinox.to oder movie4k.to und speist die Nutzer mit einem Warnhinweis ab. Rapidvideo will sich damit gegen den Druck der Uploader wehren, die wieder eine Bezahlung per View wünschen.

„Diese Einflussnahme der Uploader wollen wir nicht länger hinnehmen. Wir stellen uns damit aktiv gegen die unzähligen Urheberrechtsverletzungen, die von einigen deutschen Uploadern ausgehen. Mit dieser Entscheidung schließen wir uns der Strategie von Vodafone und anderen Internet-Anbietern an, um rechtsverletzende Kinoportale systematisch zu sperren“
so, Alex Bytes, CEO von RapidVideo gegenüber Tarnkappe.

Angeblich will sich RapidVideo in Zukunft als legaler Anbieter positionieren. Wieso die Sperre dann aber nur „vorläufig“ ist und man weiterhin eine Verlinkung von anderen Piraterieportalen zulässt bleibt offen.

https://tarnkappe.info/rapidvideo-blockiert-kinox-to-movie4k-s-to-co/

1XBET: Sportwettenwerbung nutzt Piraterie

1XBET „International Presenting Partner“ der italienischen Fußballliga nutzt Piraterie als Werbeträger. Werbung des Gamblinganbieters russischen Ursprungs taucht sowohl in Dateinamen als auch in Filmen auf, die über Piraterieplattformen wie ThePiratebay vertrieben werden. Ob diese Kopien im Auftrag von 1XBet oder von Affiliiates erstellt werden, ist bisher unklar.

https://torrentfreak.com/1xbet-the-bizarre-cam-brand-that-movie-pirates-love-to-hate-190526/

Diskussion über Fakenews ist gefährlicher als die falschen Nachrichten!

Zwei Studien haben die Bedeutung von Fake-News mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen untersucht.

Die Spenden und Crowdfunding finanzierte Organisation Avaaz hat in der Studie FAR RIGHT NETWORKS OF DECEPTION über 500 verdächtige Seiten und Gruppen auf Facebook gefunden, denen fast 32 Millionen Menschen folgten, die in den letzten 3 Monaten über 67 Millionen Kommentare, Likes und Shares generierten.
Zu Deutschland stellt die Studie fest, dass gefälschte Konten und Seiten die Reichweite der AfD erhöhen und Desinformationen über Facebook verbreiten. Man hat einen AfD-Politiker gefunden der anscheinend daran beteiligt ist (vgl. auch Artikel auf netzpolitik.org). Zudem hat man illegale Inhalte (Hakenkreuze, Holocaust-Leugner) auf Facebook gefunden.

Das Oxford Internet Institute (OII) hat nach einer kleinen Studie allerdings eine ganz andere Botschaft: „Desinformation in sozialen Netzwerken wird nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird“. Zumindest sei die Europawahl offenbar „weder als Ziel, noch als Inhalt wahnsinnig attraktiv“ für Desinformationen. „Einzelne virale Storys, die sehr viele Menschen erreichen, könnten eine Wirkung haben“, doch die eigentliche Gefahr bestehe auf einem „Meta-Level“, nämlich in der überhitzten Debatte über die Macht von Desinformation.

Also bloß nicht mehr darüber diskutieren, sagt das OII, finanziert u.a. von Google, Facebook und OSF.

OII-Supporters