Archiv der Kategorie: Gemischtes

Facebook beherbergt immer noch viele Cybercrime-Gruppen

Die Cybersicherheitsforscher von Cisco/Talos haben 74 Facebook-Gruppen mit insgesamt 385.000 Mitgliedern gefunden, in denen Fälscher, Identitätsdiebe, Spammer und Betrüger ihre Dienste verkaufen. Bereits im Vorjahr fand der Sicherheitsforscher Brian Krebs 120 private Gruppen mit 300.000 Mitgliedern, die Botnets, betrügerische Steuerrückerstattungen und andere illegale Dienste anboten.
Die Forscher fordern nun ein proaktives Vorgehen von Facebook. Stattdessen empfiehlt Facebook den Nutzern solcher Gruppen weitere verwandte (also kriminelle) Gruppen.

Zu finden sind die Gruppen über einschlägige Suchbegriffe. Dies gilt auch für illegale Filmangebote, wie der Business Insider zeigt.
Über Facebooks Livestreaming-Funktion Watch Party können Nutzer gemeinsam Videos schauen. In Gruppen wie „Watch Party Cinema“ verabredet man sich um gemeinsam Raubkopien von Filmen und Serien anzuschauen.

https://www.theverge.com/2019/4/5/18296687/facebook-cisco-talos-cybercrime-spam-scam-identity-theft-groups-takedown

https://www.heise.de/newsticker/meldung/Facebook-Streaming-Dienst-Watch-Party-ist-bei-Piraten-beliebt-4370256.html

Pirateriehoster stellen Bezahlmodell um

Da Kodi-Boxen Filme von Pirateriehoster herunterladen, ohne dass die entsprechenden Werbeanzeigen angezeigt werden, stellt Rapidvideo sein Bezahlmodell um. Statt eines Pay-per-view-Modells gibt soll es nur noch Geld für vermittelte Premiumkunden geben.
Weitere Hoster sollen angeblich folgen.
https://torrentfreak.com/freeloading-kodi-add-on-users-are-undermining-rapidvideo-190405/

Niederlande: Vorlage zum EUGH in Sachen Usenet

Der Oberste Gerichtshof der Niederlande hat in dem Fall BREIN gegen den Usenetbetreiber NSE mehrere Auslegungsfragen dem EUGH vorgelegt.
Der Usenetanbieter gewährte gegen Entgelt Zugang zu einer großen Anzahl von Dateien, darunter auch viele von Nutzern hochgeladene urheberrechtlich geschützte Werke. Er kopierte diese auf eigene Server und hielt sie dort verfügbar. Alles ohne Zustimmung der Rechteinhaber dieser Werke.
Der Oberste Gerichtshof stellt nun Fragen zur öffentlichen Wiedergabe, möglichen Haftungsbeschränkung oder einer aktiven Rolle des Usenetbetreibers sowie zu dem möglichen Formen einer gerichtlichen Anordnung.
https://stichtingbrein.nl/hoge-raad-vraagt-europese-rechter-of-commerciele-usenet-provider-inbreuk-maakt/

Anleitung zum Frauen schlagen für einige Zielgruppen unangemessen

Trotz Beschwerden hetzt ein angeblicher Familienberater aus Katar auf YouTube ungehindert gegen Juden, diffamiert Homosexuelle und erklärt Männern, wie sie ihre Ehefrau schlagen sollen.
Zumindest dieses Video wurde jetzt aus der Monetarisierung genommen. Gelöscht wurde es nicht. Ein Warnhinweis muss reichen: „Der folgende Inhalt wurde von der YouTube-Community für einige Zielgruppen als unangemessen oder beleidigend eingestuft.“
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/katar-wie-ein-soziologe-gewalt-gegen-frauen-predigt-a-1261253.html

Hard Brexit Werbung: Lobbyfirma statt Grassroot

In Großbritannien hat eine Lobbyagentur, die häufig mit Boris Johnson zusammenarbeitet, für eine Million Pfund auf Facebook Werbung für einen ungeordneten Brexit geschaltet.
Dabei hat man das Geld in verschiedene Kampagnen gesplittet, die den Anschein erweckten von unabhängigen Organsiationen zu stammen. Dem Guardian liegen Dokumente vor, dass hinter der Kampagne die Lobbyisten von Lynton Crosbys „CTF Partners“ stehen.
https://www.theguardian.com/politics/2019/apr/03/grassroots-facebook-brexit-ads-secretly-run-by-staff-of-lynton-crosby-firm?CMP=Share_iOSApp_Other

YouTube: Hauptsache Klicks

Bloomberg berichtet, dass leitende Angestellte von YouTube ebenso wie YouTube-Chefin Wojcicki sich nicht für Probleminhalte der Plattform interessiert haben und stattdessen die Vorgehensweise immer reißerische Filme zu empfehlen gefördert haben.

“YouTube Executives Ignored Warnings, Letting Toxic Videos Run Rampant – Proposals to change recommendations and curb conspiracies were sacrificed for engagement, staff say.”
hier:
https://www.bloomberg.com/news/features/2019-04-02/youtube-executives-ignored-warnings-letting-toxic-videos-run-rampant?srnd=technology-vp

Medienanstalten – Schutzpatron der Influencer?

Eine OBS-Studie zeigt, dass die Videoplattform YouTube vornehmlich von trivialer, stark emotionalisierter Unterhaltung geprägt und von Produktwerbung durchzogen ist.
Die Autoren Lutz Frühbrodt und Annette Floren haben in der Studie „Unboxing YouTube: Im Netzwerk der Profis und Profiteure“ die 100 in Deutschland betriebenen YouTube-Kanäle mit den meisten Abonnenten untersucht.
Ein basisdemokratisches Alternativmedium, das außergewöhnliche kreative Leistungen jenseits des kulturellen Mainstreams entfacht, sei YouTube bestenfalls in seinen weniger frequentierten Nischen, so Frühbrodt/Floren. Damit entzaubern die Autoren einen Mythos, der das US-amerikanische Videonetzwerk seit seiner Entstehung im Jahr 2005 umrankt.

In einer Tiefenauswertung von 30 Videos zu konsumnahen Themen zeigte sich zudem, dass die große Mehrheit nicht gemäß den werberechtlichen Vorgaben gekennzeichnet war. Dieses Ergebnis steht im Widerspruch zu wiederholten Aussagen der zuständigen Landesmedienanstalten, dass sich die Werbekennzeichnung von Influencer-Videos deutlich verbessert habe.

Die Studienautoren haben die Politik der Medienanstalten in jüngerer Zeit analysiert und kritisieren diese als zu nachsichtig gegenüber schleichwerbenden Influencern. Die Behörden sollten in erster Linie die Verbraucher schützen, hätten sich aber bei gerichtlichen Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre tendenziell auf die Seite der Videoproduzenten und werbungtreibenden Wirtschaft gestellt.
„Die Medienanstalten könnten so in den Verdacht geraten, als Schutzpatron der Influencer-Branche zu agieren“, sagt Lutz Frühbrodt. Er fordert deshalb ein härteres Durchgreifen der Kontrollbehörden und hält es für sinnvoll, durch einige öffentlich gemachte Präzedenzfälle für mehr Abschreckung gegenüber Schleichwerbern zu sorgen.

https://www.otto-brenner-stiftung.de/fileadmin/user_data/stiftung/05_Presse/02_Pressemitteilungen/2019_04_01_PM_AH98.pdf

Kinox.to und die Selimi Brüder

Das Handelsblatt berichtet über den aktuellen Sachstand bezüglich der Selimi-Brüder:

Der jüngere Bruder hatte sich im Sommer 2017 selbst gestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft blieb aber im Laufe der Ermittlungen nur die Steuerhinterziehung übrig. Da der 26-Jährige geholfen hat, rund 1,75 Millionen Euro für das Finanzamt zu sichern, wurde das Verfahren eingestellt.

Der ältere Bruder ist weiter auf der Flucht. Er wird als gewaltbereit eingestuft und wegen Straftaten wie räuberische Erpressung, Nötigung, Brandstiftung und Steuerhinterziehung gesucht.

https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/illegale-streamingplattform-bruder-des-mutmasslichen-betreibers-von-kinox-to-kooperiert-mit-dem-finanzamt/24149604.html?ticket=ST-888349-wSgc06hUjYRcRqxiqiwG-ap4

Google kümmert sich nicht um Mordvideos

Unter dem Titel “Europe is on the brink of changing the internet again” berichtet CNN Business über die EU-Urheberrechtsrichtlinie und interviewt Andy Parker, den Vater der 2015 erschossenen Nachrichtenreporterin Alison Parker, zu dem nun jahrelangen Kampf, die Videos des Mordes aus dem Netz zu bekommen. Leider vergeblich, Google verweigert es, obwohl die Technologie dazu vorhanden ist.
https://edition.cnn.com/2019/03/25/tech/eu-copyright-bill/index.html?fbclid=IwAR3NQBgoo9PW9uXTn3RXsFenM7D_-qlPTC-QX2CANCl33wWl25SR-qqq7fc

Google: Fake-Löschung von Suchergebnissen

Auf Anforderungen der Rechteinhaber entfernt Google Links aus den Suchergebnissen: Gleichzeitig stellt Google aber einen Link zu einem Dokument bereit, das die gelöschten Links enthält.

Damit man nun den Klick zur Lumen-Datenbank nicht mehr machen muss, gibt es nun Browser-Erweiterung „Google Unlocked“, welche die gelöschten Suchergebnisse direkt wieder in Googles Ergebnisliste einfügt.

https://www.voxindie.org/lumen-database-still-keeps-pirate-links-alive-and-now-has-a-helper/

USA: Weitere Klagen gegen ISPs

US-amerikanische Musikunternehmen haben zwei weitere Internetserviceprovider verklagt, da sie keine Maßnahmen gegen Kunden ergriffen haben, die den Netzanschluss zur Verbreitung von Raubkopien nutzen.
Verklagt wurden Charter Communications und Bright House Networks, die vor drei Jahren von Charter übernommen wurden.
Die potentiellen Schäden sollen über 1 Mrd. Dollar liegen.

https://torrentfreak.com/music-companies-sue-isp-bright-house-for-failing-to-disconnect-pirates-190325/
https://torrentfreak.com/music-companies-sue-charter-for-turning-a-blind-eye-to-piracy-190326/