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Ad-hoc Studie zum Thema illegales IPTV – Juli 2020

Im November 2018 erschien die letzte Ad-hoc Studie zum Thema illegale IPTV Streams erstellt von FDS File Defense Service. Mittlerweile geht das Thema trotz gelegentlicher Erfolge von Strafverfolgungsbehörden weiter durch die Decke. Zu lukrativ muss das Trittbrettfahren und Weiterverkaufen von fremden Inhalten sein, dafür gehen die Betreiber offenbar auch große Risiken ein.
Ein kürzlich bekanntgewordener Fall betraf in erster Linie Sportrechte der Sender Sky und DAZN, die in erster Linie an Konsumenten in Italien verkauft wurden.
Auf 65.000 „Nutzer“ kam allein der italienische Dienst, den die Maßnahme betraf und er setzte damit 1 Million Euro pro Jahr um.

Piraterie – ein Problem, das fern in der Welt stattfindet? Unsinn.

Wenn man Politiker auf die Problematik anspricht, das herrscht oft das berühmte Schulterzucken vor. Viele politische Entscheider verweisen dann gern einmal auf irgendwelche Offshore-Länder, bei denen man ja ohnehin nichts machen könne.
Dass das grundfalsch ist, haben wir immer wieder belegt.
Letzter spektakulärer Fall war der Filehoster Share-Online.biz, der mit einer Briefkastenanschrift in Belize aufwartete, das Geschäft wurde allerdings u. a. aus Aachen heraus betrieben. Auch die Server, die Share-Online benutzte, standen in Europa, genauer gesagt in den Niederlanden. Die Webseite selbst lag bei einem Rechenzentrum in Frankreich.
Man muss also gar nicht in die Ferne blicken, das Geschäft mit Piraterie brummt vor unserer eigenen Haustür. Haftungsregeln aus der Steinzeit des Internets, z. B. die E-Commerce Richtlinie der EU, machen solche Geschäfte erst möglich.
Sie sorgen auch dafür, dass es Rechenzentren gibt, die sich auf das Geschäft mit der Piraterie spezialisiert haben.
Das Geschäftsmodell wurde um die Regelungen herumgebaut, die aus einer Zeit stammen als die Rechteverletzung die Ausnahme war und nicht die Grundlage für allerlei Geschäfte.
Kunden werden durch diese „Spezialisten“ anonyme Zahlungssysteme angeboten und Anfragen von Rechteinhabern stumpf ignoriert. Beliebt sind auch sogenannte Re-Seller Programme, bei ein Datacenter zwar den ersten Kunden kennt, aber nicht mehr dessen Kunden.
Das Wort sicherer Hafen bekommt hier eine eigene Bedeutung.
Solange es kein Umdenken in Sachen Haftung und Verantwortung im Netz gibt, wird sich an der Situation wenig ändern.

Illegales IPTV – die Player

Als Basis der Zahlen dieser kleinen Studie diente eine Datenbank, in der die Ergebnisse von Crawlern zusammengetragen wurden, die in den letzten 3 Jahren etwa 430.000 sogenannte M3U Listen von ca. 50 spezialisierten Webseiten eingesammelt haben.
Diese M3U Listen sind eine Art Kanalliste bzw. Playliste, die dann weiter auf zig Kanäle/Sender = Streams führt.
Sie führt also den Sender (ein Server in einem Rechenzentrum) und den Empfänger (einen geneigten User) zusammen.
In diesem Fall waren es etwa 39 Millionen Streams, die extrahiert und jeweils einem Rechenzentrum zugewiesen wurden. Sie bilden die Basis dieser Studie.
Es liegt in der Natur der Sache, dann immer nur ein Teil dieser Streams auch online ist.
Der Anteil von aktiven Streams in dieser Studie betrug zum Stichtag 21.07.2020 ca. 5 Millionen, also 15% der gesamten erfassten Streams.
Das Distributionssystem von illegalen IPTV Angeboten beruht auf dem Prinzip des kostenlosen Anfütterns.
M3U Listen bzw. die Streams dahinter sind immer nur für eine kurze Zeit online und werden auf den Distributionsseiten nahezu täglich erneuert. Spätestens zum Wochenende hin aber werden die M3Us dann allerdings nicht mehr erneuert. Wer z. B. den begehrten Livesport am Wochenende außerhalb der legalen Angebote sehen will, der soll bitte ein Abonnement bei den illegalen Angeboten abschließen. So ist das Kalkül.
Die temporär verfügbaren M3U Listen dienen also als Anreiz ein Abonnement abzuschließen, denn das manuelle Einpflegen solcher täglich neuen M3U Listen in bestehende System wie spezielle Set-Top Boxen ist zudem mühsam. Einmal bezahlt, entfällt der Stress.

Diese Abonnements sind meist deutlich günstiger als Angebote der legalen Anbieter.
Kein Wunder, es müssen ja schließlich keinerlei Rechte eingekauft und bezahlt werden.
Wie man an dem oben genannten Fall aus Italien sieht, funktioniert das sehr gut und wohlgemerkt, der Fall aus Italien ist nur einer von denjenigen, die bekannt werden. Trotzdem tauchen immer wieder neue Angebote neuer Anbieter auf, es lockt ja ein lukrativer Markt.

1. Wo liegt das Problem? Vor der Haustür!

Als erste Betrachtung stellen wir hier dar, in welchen Ländern die Rechenzentren sitzen, aus den zum Zeitpunkt der Erstellung aktive (also online verfügbare) IPTV Stream kommen. Bereits hier wird deutlich, dass die EU und die USA fast 80% Anteil erzielen.
Großbritannien wurde bei der Betrachtung zur EU gezählt, weil sie die Werte der letzten 3 Jahre darstellen.
Man muss also gar nicht in die Ferne schweifen.

Die EU dominiert. Unter „Others“ haben Länder wie die Ukraine, Russland und Kanada den Löwenanteil. Sie stellen bereits fast 20% dar.

2. Wo liegen die Länder-Hotspots?

Die nächste Darstellung betrifft die Einzelländer der Rechenzentren.

Hier liegt die USA vorn, dann folgen Frankeich, Deutschland und die Niederlande.

3. Die Distributionsseiten für illegales IPTV anhand der Anzahl der M3U Listen

In der nächsten Betrachtung geht es um die Distributions-Seiten, die solche M3U Listen verteilen. Die erste Gewichtung betrifft die Anzahl der M3U Listen, die auf diesen Seiten zu finden waren bis 21.7.2020.
Es wurden dazu 50 solcher Seiten untersucht.
Die Top 10 solcher Seiten repräsentieren bereits einen Anteil von 83% gemessen an den M3U Listen. In unserer Datenbank befinden sich ca. 430.000 M3U Listen.

4. Die Distributionsseiten für illegales IPTV anhand der Anzahl der Streams

Da eine M3U Liste meist mehrere Kanäle bzw. Streams beinhaltet, wurde der Anteil der Distributionsseiten zusätzlich nach Anzahl der Streams gewichtet.
Wieder sind es die Zahlen bis einschließlich 21.07.2020.
Auch hier stellen die Top 10 bereits einen beträchtlichen Anteil – nämlich 92% der Streams, Basis sind hier ca. 5 Millionen aktive Streams.
Allerdings tauchen teilweise auch andere Seiten auf als bei der reinen Anzahl der M3U Listen. Der Spitzenreiter IPTVfreem3ulist.com ist hingegen identisch.

5. Wer bietet den Distributionsseiten eine Heimat?

Welche Rechenzentren geben den Top 10 Distributionsseiten Unterschlupf?
Diese Frage ist nicht ganz eindeutig zu beantworten, dann die Top 10 benutzen allesamt das Content Delivery Network Cloudflare. Dabei legt sich Cloudflare wie ein Schirm über die eigentliche Quelle der Seite, das tatsächliche Rechenzentrum. Eigentlich ist es als Schutz vor Denial of Service (DDoS) Attacken gedacht. Es gibt aber einen schönen Zusatznutzen für die Cloudflare-Kunden:
Von außen ist nämlich nicht mehr zu sehen, wo die Seite tatsächlich gehostet wird und das ist der eigentliche Zweck, ein solches Netzwerk wie Cloudflare zu benutzen.
Wer auch immer seine Rechte verletzt sieht, der hat keine Chance herauszufinden, wer derjenige ist und welches Rechenzentrum benutzt wird. Auskunftsansprüche verpuffen so.
Valide Auskünfte erteilt Cloudflare nicht, das sogenannte Onboarding der rudimentärsten Dienste braucht bei Cloudflare ohnehin nur eine Mailanschrift. Man kann also mit einer beliebigen Mailanschrift Kunde dort werden und Dienste in Anspruch nehmen.
Wie sich das mit der ICANN, der obersten Internetselbstregulierung, und deren „Know Your Customer“ Regel verträgt, das ist ein Rätsel.
Nachfragen zur tatsächlichen IP beantwortet des US Unternehmen Cloudflare in der Regel lediglich mit der Nennung des Rechenzentrums aber nicht der konkreten IP Adresse.
Das ist aber ein Dead-End, es wäre in etwas so, als wenn man das Hochhaus benennt, in dem jemand wohnt, dort sind aber keine Klingelschilder am Eingang.
Das Unternehmen scheint seit dem letzten Jahr nicht wirklich verstanden zu haben, welche Rolle es bei der Unterstützung illegaler Geschäfte spielt, denn da berichtete dieser Blog über die „Aktivitäten“ von Cloudflare. Das Unternehmen hat auch Kenntnis davon.

6. Die Rechenzentren und Intermediäre der illegalen IPTV Streams

Cloudflare spielt aber noch eine weitere unrühmliche Rolle, wenn man sich das Hosting der Streams ansieht. In der Regel umfasst der „Schutz“ durch Cloudflare nur den http bzw. https Verkehr. Andere Protokolle müssen bezahlt werden, dazu gehören auch IPTV Streams.
Schauen wir uns also einfach mal an, wie der Anteil von Cloudflare bei den Streams ist.
Wichtig ist zu erwähnen, dass Cloudflare die Server nicht hostet aber die Streams durch seine Netzwerke laufen lässt.
Betrachtet wurden nur die Streams, die am 21.07.2020 online waren.

 

Das Unternehmen Cloudflare ist nach dieser Betrachtung Markführer. Wohlgemerkt, die Kunden, die hier Cloudflare nutzen, um illegal IPTV Streams zu vertreiben, sind zahlende Cloudflare Kunden!
Man erkennt aber auch einige gut bekannte Namen aus der Europäischen Datacenter-Szene wie Hetzner oder OVH. Aber auch renommierte Unternehmen wie Amazon oder Akamai sind zu finden, wenn es um die Verteilung illegaler IPTV Streams geht.

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Wo liegt die Lösung?

Die Lösung der Problematik von illegalen IPTV Streams ist im Grunde nicht schwer. Da das Distributionssystem (M3U verteilende Seiten und IPTV Streams verteilende Server) von der mangelnden Zuweisung von Haftung profitiert, muss genau dort angesetzt werden. Lasche und daher unbrauchbare Regelungen wie die ICANN sie mit „Know Your Customer“ zwar propagiert, aber nicht wirklich kontrolliert, sind wertlos. Sie sind zudem ein sicheres Zeichen dafür das die Selbstregulierung des Internet nicht funktioniert, weil es in kleinster Weise Konsequenzen hat. Unterorganisationen der ICANN wie RIPE in den Niederlanden sehen sich nach eigenen Worten nicht als bestrafende Organisation. Auch nachweislich falsche Informationen führen dort zu gar nichts, es gilt das Prinzip der Krähen, die sich keine Augen aushacken untereinander.

Es wäre höchste Zeit für die Politik dieses Scheitern zu erkennen und den Akteuren klare Regeln an die Hand zu geben. Dazu gehört auch ein Haftungsregime.
Nur dann werden sich Phänomene wie die massenhafte Verletzungen von Rechten wirksam eindämmen lassen. Momentan ist das Internet immer noch ein Eldorado für parasitäre Geschäftsmodelle. Da nützen Erfolgsmeldungen wie die aus Italien leider nur sehr wenig. Das Grundproblem bleibt nämlich bestehen.

Volker Rieck

Volker Rieck ist Geschäftsführer des Content Protection Dienstleisters File Defense Service (FDS), welcher für zahlreiche Rechteinhaber tätig ist. Das Unternehmen erstellt zudem Studien zum Thema Piraterie und unterstützt Strafverfolgungsbehörden mittels seiner erhobenen Daten. Seine Artikel erscheinen gelegentlich bei der FAZ, Tarnkappe.info, Webschauder und sporadisch auf den US-amerikanischen Blogs The Trichordist und Musictecpolicy. Dabei geht es stets um die verschiedenen Aspekte der unregulierten Inhalte-Distribution.

Gekommen, um zu klagen

Niemals geht man so ganz, heißt es in einem bekannten deutschen Lied. Und im Falle von Julia Reda und ihrer Rückkehr stimmt die Aussage vollkommen.

Nachdem sie 2019 nicht wieder für das EU-Parlament kandidierte und sogar die Piraten Partei verließ, nicht ohne vorher noch eine Nicht-Wahlempfehlung für ihre frühere Partei bei der EU Wahl im Mai 2019 abzugeben, war sie nur relativ kurz in den USA.
Dort, so hatte sie erklärt, wolle sie am als google-nah geltenden Berkman Klein Center der Uni Harvard in Sachen Urheberrecht forschen.
Lange forschte sie dort jedenfalls nicht und nun ist sie zurück in Deutschland. Ihr Twitter Profil weist immer noch ein Fellowship des Berkman Klein Center aus.

Finanziell unterstützt wird sie nach eignen Angaben durch eine Fellowship-Finanzierung der Shuttleworth Foundation. Die Liste der bisherigen Fellows der Shuttleworth Foundation liest sich wie eine Auflistung von erklärten Feinden des Urheberrechts.
Aber das scheint nur ein Teil des Plans zu sein. Gekommen, um zu klagen weiterlesen

Sie ist wieder da!

Die Kultfilme „The Return of The Living Dead“ aus dem Jahre 1985 oder Timur Vermes „Er ist wieder da“ aus 2015 könnte Pate bei der Entwicklung gestanden haben, die gerade in Sachen Urheberrecht passierte.

Da wäre zunächst der erste Entwurf der Umsetzung der EU-Richtlinie zum Urheberrecht, was das Presseleistungsschutzrecht angeht. Ganz offensichtlich mag man im SPD geführten Justizministerium weder die Presseverleger noch die EU-Richtlinie selber.
Also hat man einen ersten Entwurf veröffentlicht, der auf elegante Art und Weise versucht, das in Brüssel verabschiedete Ziel zu konterkarieren. Die vorgeschlagene deutsche Regelung ist in etwa so, als wenn man eine Flutversicherung abschließt, die im Kleingedruckten regelt, dass Schäden durch Wasser nicht versichert sind.

In einem Artikel für Medienpolitik.net skizziert Joachim Jobi von der VG Media den Entwurf und bemängelt einen Paradigmenwechsel beim Gesetzgeber: Nun soll sich das Recht der Technik anpassen und nicht umgekehrt. Sie ist wieder da! weiterlesen

Der Fall Share-Online

Wenn Behörden illegalen Machenschaften das Handwerk legen, so sind verschiedenste Abläufe dabei denkbar. Manchmal geht es – sowohl in der Sache selbst wie auch ihrem Echo – beinahe zu wie im Hollywood-Film: Mit kräftigem Getöse.
So geschehen etwa im Jahr 2012, bei der Schließung des Filehosters Megaupload  sowie der Inhaftierung des Gründers Kim Schmitz – alias „Dotcom“ – inklusive eines Hubschrauber-Einsatzes und dem Verbarrikadieren des Hauptverdächtigen in einem „Panikraum“.

Derart spektakuläre Fälle stellen die Ausnahme dar. Deutlich ruhiger verlief offenbar eine am 17.10.2019 bekanntgewordene Maßnahme der Cybercrime-Unit der Staatsanwaltschaft Köln (ZAC) in Sachen des Filehostingdienstes Share-Online, die jetzt per Pressemitteilung veröffentlicht wurde. Ihre Brisanz jedoch, vor allem für Deutschland, ist keineswegs geringer als bei der Festnahme von Kim Dotcom vor sieben Jahren. Der Fall Share-Online weiterlesen

Die EU-Kommission, eine Anhörung und die Gurke

Anfang der 1970er Jahre lief in der ARD die Rudi Carell Show, eine bunte Mischung aus Sketchen, Klamauk und Gesang.
Einer der Sketchpartner des niederländischen Entertainers war der Deutsch-Rumäne Mircea Krishan, der durch seinen eigenwilligen osteuropäischen Dialekt auffiel.
Der Parade-Sketch von Krishan war „Die Gurke“.
Es geht dabei kurz gesagt um einen Prüfling, der sich lediglich auf ein einziges Thema vorbereitet hat und das ist die besagte Gurke. Über sie kann er jeweils einen Vers herunterrattern und so Kompetenz vortäuschen.
Nun wird der Prüfling leider nicht nur in Biologie geprüft sondern auch in anderen Fächern.
Es ist allerdings egal, was er gefragt wird, er kommt immer wieder auf die Gurke und spult sein Verslein runter und versucht sich so durch die Prüfung zu retten.
Die EU-Kommission, eine Anhörung und die Gurke weiterlesen

Die DNA des Internets: Verantwortungsdiffusion

Stellen wir uns für einen Augenblick vor wir sehen eine Anzeige in der Zeitung, in denen ein Anbieter eine Offerte macht. Interessanterweise richtet sich die Offerte in erster Linie an Kriminelle. Ihnen wird ein Marktplatz gegen entsprechende Bezahlung angeboten, auf dem Verkäufer mit allem handeln können, was ansonsten gar nicht oder nur streng reguliert möglich wäre: Waffen, Drogen, gestohlene persönliche Daten oder gefilmten Kindesmissbrauch.
Der Anbieter versichert seinen Kunden, dass sie ungestört von der Polizei oder Strafverfolgungsbehörden ihren illegalen Geschäften nachgehen können.
Nein, werden wir sicherlich denken, so etwas ist eigentlich unvorstellbar.
Leider passiert genau das jeden Tag im Internet.

Das Internet, so wie wir es kennen!?
Zweifelsfrei hat die technische Entwicklung des Internets viele Aspekte. Die Art wie wir heute konsumieren und kommunizieren wäre ohne das Netz mit Sicherheit eine ganz andere.
Im Windschatten dieser Entwicklung sind aber auch immer negative Aspekte mitgefahren. Wer heute wie in der Debatte um die EU-Urheberrechtsrichtlinie vom „Internet wie wir es kennen“ spricht, scheint diesen dunklen Teil gern zu vergessen. Jeder, der schon einmal Opfer eines Betrugs im Internet war, wird auf diesen Teil des „Internets, so wie wir es kennen“, gern verzichten.
Es ist aber keineswegs so, dass die negativen Ausprägungen ein digitales Naturgesetz sind.
Anders als in der analogen Welt, wo Freiheit stets an Verantwortung gekoppelt ist, zählt im Netz nur noch die Freiheit. Verantwortung wird systematisch vernachlässigt. Dies zieht sich wie ein roter Faden durch das Netz.
Die Selbstregulierung des Internets befeuert die Entwicklung geradezu von ganz oben nach ganz unten. Verantwortungsvermeidung ist die DNA des Internets.

Der Fall Cyberbunker Die DNA des Internets: Verantwortungsdiffusion weiterlesen

Internet self-administration a la RIPE NCC: An oath of disclosure!

There are many examples of successful self-regulation in business life. One of them is age ratings for films and games. The rating processes are relatively quiet and, despite there being many ratings, there are very few complaints.
The reason for this could be the regulation of the self-regulation, which assigns duties and responsibilities to all parties involved.

RIPE NCC: Epic Fail
The exact opposite of this is self-regulation on the Internet. As early as spring 2018, this blog pointed out the failure of self-regulated services provided by RIPE NCC (Réseaux IP Européens). RIPE NCC is responsible for assigning numbers and names on the Internet for Europe and parts of Asia. Other parts of the world are represented by 4 others organizations of ICANN, the worldwide Internet self-government organization.

Although the article revealed that RIPE NCC provides services to criminal customers, the bad boys are still being served. These criminals pay for membership of RIPE NCC. Internet self-administration a la RIPE NCC: An oath of disclosure! weiterlesen

Internet-Selbstverwaltung a la RIPE NCC: Ein Offenbarungseid!

Für gelungene Selbstregulierungen im Wirtschaftsleben gibt es viele funktionierende Beispiele. Eines davon ist die Altersfreigabe für Filme und Games. Die Prozesse dazu verlaufen relativ geräuscharm und es gibt trotz vieler Prüffälle sehr wenig Dissonanzen.
Der Grund, warum das so ist, könnte in der der regulierten Selbstregulierung liegen, die allen Beteiligten auch Pflichten und Verantwortung zuweist.

RIPE NCC: Epic Fail
Das genaue Gegenbeispiel ist die Selbst“regulierung“ im Internet. Bereits im Frühjahr 2018 wurde in diesem Blog auf das Versagen von Selbstverwaltungen wie RIPE NCC (Réseaux IP Européens) hingewiesen. RIPE NCC ist für die Vergabe von Nummern und Namen im Internet für Europa und Teile Asiens zuständig. Andere Teile der Welt werden durch 4 weitere Schwester-Organisationen als Arm der weltweiten Internets-Selbstverwaltung ICANN abgebildet.
Obwohl RIPE NCC durch unseren Artikel über Kriminelle in den eigenen Reihen in Kenntnis gesetzt wurde, mischen die miesen Akteure weiter munter mit. Internet-Selbstverwaltung a la RIPE NCC: Ein Offenbarungseid! weiterlesen

A year later: A review of the campaign against EU copyright reform

More recent findings allow a closer look at the campaigns, their backgrounds and, in particular, the key players in financing them.
About a year ago, the German protests against the reform of EU copyright law began. A group of about 120 demonstrators gathered in front of the Brandenburg Gate, but they had some bad luck with the weather; June 22 was one of the few rainy days in the otherwise very dry German summer of 2018. A year later: A review of the campaign against EU copyright reform weiterlesen

Ein Jahr danach: Ein Rückblick auf die Kampagne gegen die EU-Urheberrechtsreform

Neuere Erkenntnisse erlauben einen genaueren Blick auf die Kampagnen und deren Hintergründe, insbesondere jedoch auf die „Key Player“ der Finanzierung derselben.

Vor etwa einem Jahr nahmen die deutschen Proteste gegen die Reform des EU-Urheberrechts ihren Anfang. Eine Gruppe von etwa 120 Demonstranten versammelte sich seinerzeit vor dem Brandenburger Tor, hatte dabei allerdings etwas Pech mit dem Wetter; der 22. Juni war einer der wenigen Regentage im sonst sehr trockenen Sommer 2018.

Wie in diesem Blog dazu berichtet, gab die Diskrepanz zwischen der Größe dieser und weiterer Demonstrationen und der schieren Masse der im Juli und August 2018 bei den Abgeordneten des EU-Parlaments eingegangenen Mails und Tweets Anlass zu erheblichem Zweifel an der tatsächlichen Größe der mutmaßlichen Protestbewegung. Dass die Proteste an sich einen realen Kern hatten, wurde dabei von niemandem in Frage gestellt – auch nicht durch hier veröffentlichte Beiträge. Viel mehr wurden die seinerzeit benutzen Tools in den Vordergrund gestellt, weil es z. B. keinerlei Verifikationen gab. Ein Ansteuern der Tools mittels automatisierter Scripte war problemlos möglich, eventuell sogar erwünscht.

Dennoch scheinen derartige Fakten für Grünen-Politiker*innen wie Tabea Rössner nur geringe Relevanz zu besitzen – kaum anders lässt sich jedenfalls ihre in einer Debatte im Bundestag am 13.03.2019 geäußerte Feststellung erklären, dass in unseren Beitragen ausschließlich Bots für die Proteste verantwortlich gemacht würden. Ein Jahr danach: Ein Rückblick auf die Kampagne gegen die EU-Urheberrechtsreform weiterlesen

www – die wunderbare Welt der Werbung

Wer kennt sie nicht, die kostenlosen Wochenblätter, die uns oft mehrmals in der Woche in die Briefkästen geworfen werden. Es sind Werbepostillen, die meist mit kleinen redaktionellen Berichten angereichert werden, damit sie vor dem Gang ins Altpapier wenigsten noch einmal kurz angesehen werden, samt Werbebeilagen.

Die Verlage, die solche Werbezeitungen herausgeben, garnieren also die Werbung mit Neuigkeiten aus der Umgebung der Leser. Für sie gelten die gleichen Regeln wie für Tageszeitungen, was Sorgfalt der Artikel aber auch Verantwortlichkeiten angeht.

Im Gegensatz dazu gibt es Tageszeitungen, die sich neben Verkaufserlösen auch durch Werbung online wie offline finanzieren. Hier gilt, dass solche Erlöse das Kerngeschäft einer Zeitung, nämlich die Bereitstellung von News und Artikel sowie Berichten, finanzieren.

In Zeiten des Internets ist Prinzip Werbereichweite mit angereicherten News natürlich erhalten geblieben. Ein Pendant der analogen Werbepostillen im Netz sind Nachrichtenportale, die eben nicht zu traditionellen Verlagshäusern gehören, sondern zu Werbekonzernen.
Für sie sind die Nachrichten allenfalls hübsches Nebenwerk, das die Attraktivität und Reichweite erhöhen soll, damit die Zuseher auch die Werbung der Kunden des Portals ertragen. Ein solches Nachrichtenportal ist t-online.de. Einst eine Tochter der Telekom, gehört es seit 2015 zum Werbekonzern Stroer, der in 2018 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro aufweist. www – die wunderbare Welt der Werbung weiterlesen

HerrNewstime, Strikes und die EU Urheberrechts-Richtlinie – ein Eigentor?

Einer der fleißigsten Ersteller von Videos gegen die EU Richtlinie zum Urheberrecht war der YouTuber HerrNewstime.
Thomas Hackner, wie der Betreiber des YouTube-Kanals mit bürgerlichen Namen heißt, beschäftigte sich in seinen Videos bis zum Herbst 2018 eher mit Klatsch und Tratsch rund um die YouTuber Szene und weniger mit politischen Themen.
Im Sommer 2018, in erstaunlicher zeitlicher Nähe zur Ansprache von YouTubern durch die Kampagnenseite Create.Refresh (wir berichteten), erschien ein erstes Video zur geplanten Reform. So richtig Fahrt aufgenommen hat HerrNewstime dann Anfang November 2018, kurz nach der Ansprache der YouTube Chefin Susann Wojcicki. Es wurden mehr und mehr kritische Videos zur geplanten Richtlinienreform durch ihn veröffentlicht. Am Ende waren es fast  50  Videos von Thomas Hackner zu dem Thema.

Etwas kurios ist das Impressum seines YouTube-Kanals. Offenbar hat Thomas Hackner seinen Sitz in den USA in Portland, Oregon. HerrNewstime, Strikes und die EU Urheberrechts-Richtlinie – ein Eigentor? weiterlesen