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Die SPD: Surfen auf der deutschen Empörungswelle

Es war eine bunte Runde, die am 22.08.2018 August 2018 anlässlich der Gamescom in Köln zusammenkam, um auf einem Panel über die geplante Urheberrechtsreform der EU zu diskutieren.
Unter der Leitung von Dr. Christian-Henner Hentsch vom GAME Verband diskutierten unter anderem Prof. Dr. Jan Nordemann von der Kanzlei Böhmert und Böhmert, Axel Voss von der CDU und Tiemo Wölken von der SPD.

Sofort war in der Diskussion zu sehen, dass am zentralen Hashtag #uploadfilter der Anti-Copyright-Bewegung kein Weg vorbei führte. Das Framing der dazu gehörende Kampagne (dieser Blog begleitete sie seit Juli 2018 regelmäßig mit Artikeln), hatte offenbar bereits damals perfekt gegriffen. Besonders sichtbar wurde dies beim Europaparlamentarier Tiemo Wölken. In seinen Ausführungen ging es, wie sollte es auch anders sein, ausschließlich um Uploadfilter.
Wölken behandelte das Thema Filter wie eine Novität und erweckte den Eindruck, es sei erst durch den JURI-Ausschuss des EU-Parlaments im Sommer 2018 auf die Tagesordnung gekommen. Möglicherweise hat ihm Prof. Dr. Nordemann an diesem Tag etwas die Stimmung verdorben. Er führte nämlich aus, dass es bereits seit 2013 (Atari/Rapidshare/Alone In The Dark)  höchstrichterliche Rechtsprechung in Bezug auf Filterpflichten von Hostprovidern gibt. Zudem wies er auf die nach wie vor geltenden E-Commerce Richtlinie (mit Notice&Takedown und letztlich Filtern) hin. Die SPD: Surfen auf der deutschen Empörungswelle weiterlesen

Was ist nur aus den Grünen geworden?

Die Grünen heute: Über gute und böse Konzerne, die Wiedererweckung von Toten und einen Steuermann bei Sturm unter Deck

Fans der Serie „Game of Thrones“ werden den Charakter der Priesterin Melisandre kennen. Ihr gelang Unglaubliches: Sie brachte Jon Snow, einen der Titelhelden, aus dem Reich der Toten zurück in die reale Welt. So konnte Jon Snow sterben und der Serie trotzdem erhalten bleiben.

Wer sich dieser Tage die Äußerungen von manch einem Grünen-Politiker ansieht und anhört, kann durchaus den Eindruck gewinnen, dass auch die Grünen über die Fähigkeit verfügen, Tote zurückzuholen. Zumindest versuchen sie diesen Eindruck zu erwecken.
Einer ihrer Netzprotagonisten, Konstantin von Notz, versucht dies auf der Webseite der Grünen in einem zweiminütigen Video
zu beweisen. Dabei wirft er so viele Fragen auf, dass man ihm fast das YouTube-Tutorial eines Hobbyzauberers empfehlen möchte, um wenigstens nicht bei jedem billigen Trick ertappt zu werden.

Screenshot: Webseite der Grünen mit Konstantin von Notz in einem Video zu Fragen des Urheberrechts.

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Landesmedienanstalt NRW kündigt Untersuchung in Sachen YouTuber und Artikel 13 Videos an.

In der heutigen Ausgabe (25.03.2019) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung FAZ erklärt der Chef der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen, Tobias Schmid, dass man im Falle der möglicherweise durch eine Kampagnenseite lancierten YouTube-Videos gegen die Urheberrechtsrichtlinie eine Untersuchung einleiten werde.
Schmid: „Es ist absurd, unter dem Vorwand, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu schützen, genau dieses Recht zu missbrauchen, indem man sich dafür bezahlen lässt, eine fremde Meinung als eigene zu verbreiten“

Den ganzen Artikel, der hinter einer Bezahlschranke liegt, gibt es hier.

Ist #uploadfilter der neue #takebackcontrol?

Ein Hubschrauber war nötig, um die beeindruckende Menge an Demonstranten in London am 23.03.2019 zu zeigen. Über 1 Million Menschen kamen zusammen, um gegen den Brexit bzw. ein neues Referendum darüber zu demonstrieren. Die öffentlich-rechtliche ARD in Form der Tagesthemen spendierten der Berichterstattung gute 3,5 Minuten. Es kamen u. a. auch ehemalige Befürworter des Brexit zu Zuge, solche, die heute mangelhafte und falsche Information über den Brexit für ihre damalige Entscheidung verantwortlich machten.

Abbildung: ARD Tagesthemen am 23.03.2018, Londoner Anti-Brexit Demo.

Am gleichen Wochenende kamen in Deutschland laut Tagesschau mehrere zehnttausend Demonstranten zusammen, um gegen die geplante Urheberrechtsreform der EU zu protestieren. Auch hier gab es natürlich reichlich und auch vorab Berichterstattung in den Medien, sie fiel aber sehr unterschiedlich aus und die Qualität ist interessant. Dabei geben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten erstaunlicherweise leider kein gutes Bild ab.

Exemplarisch daher 4 Beispiele, die unterschiedlicher kaum sein können, in jeglicher Hinsicht. Ist #uploadfilter der neue #takebackcontrol? weiterlesen

German Angst – Part 2

On Saturday, 16.03.2019, an article entitled „Purchased Protests?“ was published in the FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), which stated that Create.Refresh tried to influence YouTubers and offered money to them to publish negative videos about the EU Copyright Directive.
This influence of Create.Refresh will be described in more detail below. Here, too, we will come across important German protagonists of the campaign who are against the planned regulation.

France – The failed attempt
In summer 2018, the Create.Refresh campaign addressed various YouTubers across Europe on this topic, including the French YouTube collective Tatou.
Tatou actually released a video in December 2018. However, the directive is not criticized in this one, in fact they backed the directive. Tatou documented how Create.Refresh contacted them.

Illustration: Screenshot from the Tatou video, letter from Create-Refresh.

Tatou also shows that Create.Refresh’s contact to the European YouTubers apparently went far beyond the mere proposal of video creation. As Tatou explains in their video, Create.Refresh sent a script, which other French YouTubers used for their videos.
In doing so, they even adopted mistakes that were contained in the script. German Angst – Part 2 weiterlesen

German Angst – Part 2

Am Samstag, 16.03.2019, erschien in der FAZ ein Artikel mit dem Titel: „Gekaufte Proteste?“, in dem dargestellt wurde, dass Create.Refresh versucht hat, Einfluss auf YouTuber zu nehmen und Geld für negative Videos zur EU-Urheberrechtsrichtlinie geboten hat.

Diesen Einfluss von Create.Refresh wollen wir im Folgenden etwas genauer darstellen. Dabei stoßen wir auch hier auf wichtige deutsche Protagonisten der Kampagne gegen die geplante Regulierung. 

Frankreich – Der gescheiterte Versuch
Bereits im Sommer 2018 sprach die Kampagne Create.Refresh europaweit verschiedene YouTuber zu diesem Thema an, darunter das französische YouTube-Kollektiv Tatou.

Tatou veröffentlichte daraufhin im Dezember 2018 tatsächlich ein Video. Allerdings wird die Richtlinie in diesem nicht kritisiert, sondern klar befürwortet. Im Rahmen dieses Videos wird u. a. der Kontaktversuch durch Create.Fresh dokumentiert.

Abbildung: Ausschnitt aus dem Tatou Video, Schreiben von Create-Refresh.

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Who tweets on EU copyright?

The debate on the reform of EU copyright law has many facets and a considerable part of the discussion takes place on Twitter.

The power of hashtags
On the one hand, hashtags are used to search for key words in discussions particularly quickly and effectively. On the other hand, it is very easy to find out which topics receive special attention on Twitter by analyzing which terms are often hashed and how often and dynamically they are shared. These terms are then displayed as so-called „trending topics“ on the Twitter home page. The so-called „retweeting“, i.e. the unchanged forwarding of a tweet along with hashtags to one’s own followers, is an important factor here.
The frequency of use and distribution of hashtags is therefore often seen as an indicator of the public relevance of certain topics. If, for example, the #saveyourinternet hash tag appears regularly in the trending topics, the impression is created that more and more people are rejecting the copyright reform. Who tweets on EU copyright? weiterlesen

Wer zwitschert zum EU-Urheberrecht?

Die Debatte um die Reform des EU-Urheberrecht hat viele Facetten und ein beträchtlicher Teil der Diskussion findet auf Twitter statt.
Längst sind Twitter-Hashtags Teil der Kampagnen gegen die Reform und zu einer Währung im Kampf um die Meinungshoheit geworden.

Funktion von Hashtags
Hashtags dienen zum einen dazu, in Diskussionen besonders schnell und effektiv nach Schlüsselwörtern zu suchen. Zum anderen kann über sie sehr einfach festgestellt werden, welche Themen auf Twitter besondere Aufmerksamkeit bekommen, indem man analysiert, welche Begriffe häufig mit einem Hashtag versehen und wie häufig und dynamisch diese geteilt werden. Diese Begriffe werden dann als so genannte „Trending-Topics“ auf der Twitter-Startseite angezeigt. Das so genannte „Retweeten“, also die unveränderte Weiterleitung eines Tweets nebst Hashtags an die eigenen Follower ist dabei ein wichtiger Faktor.
Die Nutzungshäufigkeit und Verbreitung von Hashtags wird daher häufig als Indikator für die öffentliche Relevanz bestimmter Themen angesehen. Taucht in den Trending-Topics z.B. regelmäßig der Hashtag #saveyourinternet auf, entsteht der Eindruck, dass immer mehr Menschen die Copyright-Reform ablehnen. Wer zwitschert zum EU-Urheberrecht? weiterlesen

Statement on the publication of 28.02.2019

On 28.02.2019 an article with the title „Who tweets on the EU Copyright Directive“ was published on this blog.

The article looked at the regional origin, so-called geoloca, of tweets with mentions of certain hashtags.
The database was based on figures from the professional service Talkwalker. The extract of the figures from Talkwalker was made to the best of our ability. Extensive tests with very different Hashtags were carried out (also from those which were not discussed in the article) and the numbers from Talkwalker seemed quite plausible. Statement on the publication of 28.02.2019 weiterlesen

Stellungnahme zur Veröffentlichung vom 28.02.2019

Am 28.02.2019 wurde auf diesem Blog ein Artikel mit der Überschrift „Wer twittert zur EU Urheberrechtlinie“ (englisch „Who tweets on the EU Copyright Directive“) veröffentlicht.

Der Artikel betrachtete die regionale Herkunft, sogenannte Geoloca, von Tweets mit Erwähnungen bestimmter Hashtags.
Als Datenbasis dienten dabei Zahlen des professionellen Dienstes Talkwalker. Der Extrakt der Zahlen aus Talkwalker geschah nach bestem Wissen und Gewissen. Es wurden ausführliche Tests mit sehr unterschiedlichen Hashtags durchgeführt (auch von solchen, die nicht in dem Artikel besprochen wurden) und die Zahlen aus Talkwalker erschienen durchaus plausibel. Stellungnahme zur Veröffentlichung vom 28.02.2019 weiterlesen

US Tech industry calls on US government to intervene in E.U. political process to allow them to continue to exploit creators

Shortly before the supposedly last trialogue on the copyright reform of the EU, many „stakeholders“ once again took a stand—or at least, a virtual stand largely through websites such as saveyourinternet.eu whose owners and participants remain deliberately cloaked.
While the saveyourinternet.eu site was originally registered by a Belgian Google lobby company in spring 2018, it is now hidden in the registration data of EURID, without a legally valid legal notice, only with the note that it is „managed“ by the organization EDRi. According to the E-Commerce Directive this is not sufficient.

As in the summer of 2018, e-mails to members of parliament are organized there – to whom these are to be written becomes obvious, the „bad“ MEPs are all marked red and so that it is really a pain they listed with telephone numbers (Strasbourg and Brussels). This is public shaming deluxe again.
There are also text suggestions for the mails and, as usual, the creatives, who are the subject of the directive, are not mentioned themselves. The mails can then be sent in blocks of 20 in the bcc directly to all those who, in the opinion of saveyourinternet.eu, are for or against Article 13.

Illustration: Raise Your Voice & Act Against Article 13 at https://saveyourinternet.eu/fi/#Intro

We have already made it clear on WebSchauder that saveyourinternet.eu is directly or indirectly backed by the Tech Giants associations.

But this new mail wave is something like barking up the wrong tree. US Tech industry calls on US government to intervene in E.U. political process to allow them to continue to exploit creators weiterlesen

US-Regierung soll Ausbeutung der Kreativen ermöglichen

Kurz vor dem vermeintlich letzten Trilog zur Urheberrechtsreform der EU haben nochmals viele „Beteiligte“ Stellung bezogen. Teils offen mit klarer Angabe wer dahinter steht, teils mal wieder über Internetseiten wie saveyourinternet.eu, deren Inhaber und Beteiligte nicht offen dargelegt werden.
Nachdem die Seite im Frühjahr 2018 noch von einer belgischen Google Lobbyfirma registriert wurde, ist sie nun in den Registrierungsdaten von EURID verschleiert, ohne rechtsgültiges Impressum, lediglich mit dem Hinweis, dass sie von der Organisation EDRi „gemanged“ wird. Das reicht gemäß der E-Commerce Directive aber nicht aus. Die Richtlinie gilt selbstverständlich auch für Bürgerrechtsorganisationen.

Dort werden wie schon im Sommer 2018 Mails an Abgeordnete organisiert – an wen diese zu schreiben sind, das wird schnell offensichtlich, die „bösen“ MdEP sind alle rot markiert und damit es denen auch richtig weh tut mit Telefonnummer (sicherheitshalber Straßburg und Brüssel) aufgeführt. Das ist also erneut Public Shaming Deluxe. US-Regierung soll Ausbeutung der Kreativen ermöglichen weiterlesen