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Plötzlich wollen Medienwächter aktiv werden

Über 16 Jahre nach dem sie den gesetzlichen Auftrag dazu erhalten haben, will nun zumindest eine der vielen Landesmedienanstalten gegen große Pornoseiten vorgehen, wenn sie keine Altersverifikation einsetzen. Die Landesanstalt für Medien (LMA) in Nordrhein-Westfalen vermutet dann nämlich einen Verstoß gegen den Staatsvertrag zum Jugendmedienschutz.
Dabei will man sich auch nicht davon abschrecken lassen, dass diese Seiten im Ausland sitzen:

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Studie zur Piraterie in Japan

Eine aktuelle Studie zur Piraterie in Japan hat unter anderem SimilarWeb-Daten von Juli 2017 bis Juli 2019 ausgewertet.

Von den 1447 untersuchten Seiten hatten 624 über 100.000 Besuche pro Monat. Die Gesamtzahl der monatlichen Besuche von Piraterie-Websites im Juni 2019 lag bei über 340 Millionen. Die Top 10 Standorte machen ca. 50% der Gesamtzahl aus, die Top-100 mehr als 90%. Daraus schließen die Autoren, dass Anti-Piraterie-Maßnahmen sich auf die wichtigsten Seiten beziehen sollten.

Bei 61 % der untersuchten 624 Seiten war die Herkunft der Server unbekannt. Davon hatten sich 86% hinter Cloudflare versteckt.

Die Nutzung von Piraterieanwendungen in Japan beträgt etwa ein Hundertstel derjenigen in den Vereinigten Staaten.

Die Schließung der Seite „Manga Mura“ hat zu einem Rückgang von Besuchen geführt. Die monatlichen Besuche auf japanischen Piraterieseiten betrugen zu Beginn etwa 500 Millionen und erreichten im März 2018 einen Höchststand von über 600 Millionen Euro. Nach der Schließung gingen sie plötzlich auf 320 Millionen zurück. Im Juni 2019 gab es wieder 340 Millionen Besuche.

Study Benchmarking and Tracking Online Film & TV Piracy in Japan, September 2019, Photonic System Solutions Inc. (PSS)
https://www.mpa-apac.org/wp-content/uploads/2019/10/PSS_Report_20191025_US_final_public.pdf

Vom illegalen Download zu Piraterie-Multis

Der stellvertretende Generalstaatsanwalt der Strafabteilung des Justizministeriums der Vereinigten Staaten hat beschrieben, dass aus dem vor einem Jahrzehnt üblichen individuellen Download ein Geschäft von technologisch fortschrittlichen multinationalen Streaming-Diensten geworden ist, die Millionen von Dollar an Gewinnen generieren:
“Copyright pirates have moved from peddling individual copies of movies, music, and software on street corners or offering individual downloads online, to operating technologically advanced, multi-national streaming services that generate millions of dollars in illicit profits,” said Assistant Attorney General Brian A. Benczkowski.

https://torrentfreak.com/usdoj-highlights-threat-of-increasingly-sophisticated-pirate-services/

EUGH muss sich mit Abmahnungen beschäftigen

Eine Briefkastenfirma aus Zypern möchte Provider zwingen, Auskunft zu ihren Nutzer zu geben. Der belgische Provider BVBA Telenet wehrt sich dagegen. Nun hat ein Antwerpener Gericht den Fall dem EuGH vorgelegt.
Der EuGH soll entscheiden, ob die Rechte Geistigen Eigentums an Pornographiefilmen oder die Datenschutzrechte derjenigen, die beschuldigt werden, die Filme illegal heruntergeladen zu haben, überwiegen.

https://globaldatareview.com/data-privacy/ecj-asked-weigh-spat-over-porn-download-data

Fünfter Aktionstag gegen Hasspostings

Mit dem 5. Aktionstag gegen Hasspostings geht die deutsche Polizei einmal mehr gegen strafbare Posts im Internet vor. Seit heute Morgen sind Polizeidienststellen in 9 Bundesländern im Einsatz. In Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Sachsen werden 21 polizeiliche Maßnahmen durchgeführt, darunter Wohnungsdurchsuchungen und Vernehmungen. Das Bundeskriminalamt koordiniert die Maßnahmen als Zentralstelle der deutschen Polizei.

Obwohl die polizeilich erfassten Fallzahlen von Hasskriminalität in Verbindung mit Tatmittel Internet einen leichten Rückgang aufweisen (2017: 2458; 2018: 1962 Fälle), ist dies kein Grund zur Entwarnung. Denn viele strafrechtlich relevante Posts werden nicht angezeigt oder gelangen den Sicherheitsbehörden nicht zur Kenntnis, da sie in geschlossenen Foren und Diskussionsgruppen geäußert werden. Insofern ist von einem großen Dunkelfeld auszugehen.
https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2019/Presse2019/191106_AktionstagHasspostings.html

Italien: Gericht ordnet Schließung von Torrent-Seite an

Die Abteilung Wirtschaftsrecht des Mailänder Gerichts hat die Schließung der Torrent-Seite TNT Village angeordnet.
TNT Village war eine der meistbesuchten Piraterieseiten in Italien und bot über 134.000 verfügbare Inhalte an, darunter Bücher, Filme, Fernsehserien, E-Books, Anime und Software.
Geklagt hatten der Verlegerverband AIE und die Anti-Piraterie-Organisation FAPAV.

TNT Village hatte sich aber bereits vor der Entscheidung des Gerichts selber abgeschaltet.

https://fapav.it/tnt-village-accolte-le-istanze-cautelari-presentate-dai-titolari-dei-diritti/

https://torrentfreak.com/court-orders-ethical-torrent-giant-tntvillage-to-stop-piracy-activity-191105/

Niederlande: Gericht verweigert Auskunftsrecht

Nach einer Entscheidung des Arnheimer Berufungsgerichtes muss der Internetprovider Ziggo keine Daten über illegale Downloads an den Filmverleih Dutch Filmworks weitergeben. Dieser hatte nach Namen und Wohnadressen zu IP-Adressen gefragt, die den Film „The Hitman’s Bodyguard“ heruntergeladen hatten.
Da dem Berufungsgericht unklar war, was mit den Daten gemacht werden soll, überwog aus Sicht der Richter der Datenschutz der Kunden.
https://nos.nl/artikel/2309167-ziggo-hoeft-gegevens-illegale-downloaders-niet-te-delen.html

Brasilien: Schlag gegen Piraterie

Bei einer massiven Operation mit dem Codenamen „Operation 404“ hat die Polizei in Brasilien Maßnahmen gegen Hunderte von Piraterieseiten und -Anwendungen ergriffen. Mindestens 136 Websites und 100 Apps sind abgeschaltet worden.
Mit in die Maßnahme eingebunden waren lokale Anti-Piraterie-Gruppen sowie Behörden aus Frankreich, USA und Kanada.

https://torrentfreak.com/huge-anti-piracy-operation-in-brazil-targets-hundreds-of-websites-apps-191104/

ACE schließt Openload und Streamango

Die Alliance for Creativity and Entertainment (ACE) hat die beiden Piraterieanbieter Openload und Streamango dazu verpflichtet, den Betrieb einzustellen und einen erheblichen Schadenersatz zu zahlen.
Openload allein hatte mehr als 1.000 Server in Rumänien, Frankreich und Deutschland und erzeugte mehr Traffic als viele führende Quellen für legale Inhalte, darunter Hulu, HBO Go, Sky oder die Websites für CBS News und NBC News. 72% der 50 größten illegalen Videoportale verlinkten zu raubkopierten Inhalten auf Openload.

https://www.alliance4creativity.com/news/ace-action-prompts-pirate-giants-openload-and-streamango-to-cease-all-operations/

Russland: Piraterieeinnahmen sinken

Nach Angaben des Cybersicherheitsunternehmen Group-IB sollen 2019 die Umsätze durch Piraterie in Russland um rund 27% sinken. Dies wäre der erste Rückgang seit fünf Jahren und die Rückkehr auf das Niveau von 2016.

Die Gründe für die Abwärtsbewegung sind vielfältig. Russland hat seine Anti-Pirateriegesetze fast jedes Jahr verschärft, einschließlich der Blockierung von Websites und insbesondere der Möglichkeit, Websites mit wiederholten Verstößen und deren Proxies dauerhaft zu blockieren.

Der „tektonische Wandel“, wie das Unternehmen ihn beschreibt, ist jedoch das Ergebnis des 2018 unterzeichneten freiwilligen Memorandums zur Bekämpfung der Piraterie. Dabei haben sich Internet-Plattformen wie Yandex, Mail.ru, Rambler, Gazprom Media und Rechteinhaber auf die Einrichtung einer Datenbank mit rechtsverletzenden Inhalten geeinigt, die anzeigt, welche URLs aus den Suchergebnissen entfernt werden sollen. Derzeit sind rund 600.000 Links zu Raubkopien von Filmen und Fernsehsendungen enthalten und breit gesperrt.

Zudem hat die aktive Arbeit der Finanzbehörden gegen Buchmacher und Glücksspiel dazu geführt, dass Werbetreibende von raubkopierten Websites verdrängt wurden. Online-Casinos und Spieleplattformen machen den größten Teil des (Werbe-)Einkommens aus.

https://torrentfreak.com/pirate-site-revenues-in-russia-plummet-first-fall-in-five-years-191031/

Ermittlungen wegen widerrechtlicher Verbreitung von E-Books

CounterFights Anti-Piracy informiert, dass wegen der widerrechtlichen gewerblichen Verwertung von E-Books Hausdurchsuchungen gegen Beschuldigte in Deutschland und Österreich durchgeführt wurden. Den Tatverdächtigen wird vorgeworfen, über zehntausend E-Books von belletristischen Werken widerrechtlich verbreitet zu haben. Die E-Book Kopien wurden über die Filehoster uploaded.net, rapidgator.net und share-online.biz zum Herunterladen zur Verfügung gestellt. Die Tatverdächtigen haben mittels der Vergütungen aus Partnerprogrammen mutmaßlich bis zu mehrere Tausend Euro monatlich verdient.

Am 29. Oktober 2019 wurde eine Hausdurchsuchung bei einem Beschuldigten in Wien durchgeführt.

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