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AG Leipzig: Bewährungsstrafen wegen Werbung auf illegalen Portalseiten

Das Amtsgericht Leipzig hat drei Mitarbeiter einer Internet-Werbeagentur zu Freiheitsstrafen wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen Urheberrechtsverletzung verurteilt.

Dem Urteil kommt eine erhebliche Präzedenzwirkung zu, denn bisher wurde in Deutschland noch nie ein Werbemittler wegen seiner Unterstützung illegaler Portalseiten strafrechtlich belangt.
Federführend bei den Ermittlungen war die Integrierte Ermittlungseinheit Sachsen (INES) bei der sächsischen Generalstaatsanwaltschaft. Die GVU unterstützte die Behörden mit Analysen und eigenen Erkenntnissen, zudem entwickelte sie in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft speziell auf dieses Verfahren zugeschnittene Kriterienkataloge, die zur Einordnung eines Internetangebots als „strukturell urheberrechtsverletzend“ (d.h. erkennbar auf Rechtsverletzungen ausgelegt) dienten.

Die Angeklagten hatten Werbeflächen auf bekannten Piraterie-Portalen wie kino.to oder iload.to vermakelt und großflächig lukrative Bannerwerbungen geschaltet. Auf diese Weise erzielten sie Gewinne in Höhe von mehr als 350.000 Euro. Dabei war ihnen bekannt, dass es sich um strukturell urheberrechtsverletzende Seitenangebote handelte, die offensichtlich nahezu ausschließlich urheberrechtlich geschützte Dateien zum Download und als Stream bereithielten.
Der Geschäftsführer der Agentur erhielt 1 Jahr und 8 Monate Freiheitsstrafe, auf zwei Programmierer entfielen jeweils 1 Jahr und 4 Monate Freiheitsstrafe. Die Angeklagten waren geständig, die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Mit dem Strafmaß blieb der Richter knapp unterhalb der Forderung der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig.
http://gvu.de/erstes-urteil-gegen-werbeagentur-auf-illegalen-online-portalen-in-deutschland/3984

AG Heidelberg: Urteil gegen Betreiber eines Metin2-Piraterie-Servers

Das Amtsgericht Heidelberg hat gegen den Betreiber der beliebten Piraterie-Server „Cyperia“ und „Hardcore Reloaded“ für das Online-Spiel Metin2 eine Geldstrafe verhängt. Der Hauptangeklagte muss wegen gewerbsmäßiger Urheberrechtsverletzung 90 Tagessätze in Höhe von jeweils 20 Euro zahlen. Dem Urteil vorausgegangen war eine Verständigung zwischen der Staatsanwaltschaft Heidelberg, dem Anwalt des Beschuldigten und dem Finanzamt. Auch die GVU nahm als Vertreterin des geschädigten Mitglieds Gameforge an diesen Gesprächen teil.

Dem Angeklagten wurde vorgeworfen, von 2014 bis 2016 zwei der beliebtesten Piraterie-Server (auch Private-Server, kurz P-Server) für das Online-Rollenspiel „Metin2“ betrieben zu haben, auf denen zeitweise mehre Hunderttausend Spieler angemeldet waren. Über den Verkauf virtueller Gegenstände und Fähigkeiten innerhalb des Spiels (sog. In-Game-Käufe), mit denen die Nutzer ihre Spielfiguren aufrüsten konnten, wurden durch den Täter und seine Helfer sechsstellige Gewinne erzielt. Bei der Durchsuchung konnten neben diversen PCs, Notebooks und Speichermedien insgesamt rund 110.000 Euro beschlagnahmt werden.

Der Angeklagte hatte vor seiner Verurteilung seine Kooperationsbereitschaft erklärt und intensiv mit der GVU und den zuständigen Behörden zusammengearbeitet. Dabei lieferte er wertvolle Informationen über Strukturen, Hintermänner und Finanzierung der illegalen P-Server-Szene, aus denen sich neue Ermittlungsansätze ergaben. Im Gegenzug wurde ihm eine verhältnismäßig milde Strafe in Aussicht gestellt, zusätzlich musste er eine Spende in Höhe von 3.000 Euro an den gemeinnützigen Verein Gaming Aid zahlen.

Die Zusammenarbeit zahlte sich aus, denn die Informationen des Angeklagten führten unmittelbar zu einem weiteren Ermittlungserfolg: Im März 2018 wurde der Berliner Betreiber eines weiteren Metin2-P-Servers von der Polizei durchsucht, nachdem die GVU entsprechende Hinweise an die Beamten weitergegeben hatte. Der Beschuldigte wurde in Untersuchungshaft genommen. Er soll durch den von ihm betriebenen P-Server, auf dem bis zu 2.500 Spieler gleichzeitig aktiv waren, ebenfalls Gewinne im sechsstelligen Bereich erzielt haben.

http://www.gvu.de/gewerbsmaessige-urheberrechtsverletzung-deutschlandweit-erstes-urteil/3618

Illegale Usenetangebote: Generalstaatsanwaltschaft Dresden und GVU erfolgreich

Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden – Zentralstelle Cybercrime Sachsen (ZCS) – und das Landeskriminalamt Sachsen – Sächsisches Cybercrime Competence Center (SN4C) haben am 8. November 2017 im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens wegen gewerbsmäßiger unerlaubter Verwertung von urheberrechtlich geschützten Werken die Wohn- und Geschäftsräume von 26 Beschuldigten sowie Rechenzentren in Deutschland, Spanien, Niederlande, San Marino und der Schweiz sowie in Kanada durchsucht. An den Maßnahmen waren insgesamt 182 Einsatzkräfte beteiligt. Die Einsatzkräfte wurden durch Kollegen aus den jeweiligen Staaten unterstützt. Die Koordinierung des Einsatzes in den sechs Staaten erfolgte mit Unterstützung von Eurojust. Illegale Usenetangebote: Generalstaatsanwaltschaft Dresden und GVU erfolgreich weiterlesen

Polizei nimmt das illegale E-Book-Portal lul.to vom Netz

Die Zentralstelle Cybercrime Bayern und das sächsische CyberCrimeCompetenceCenter haben die Domain www.LuL.to übernommen und gesperrt.

LuL.to“ war ein großes illegales Online-Portal für E-Books, Hörbücher sowie Zeitungen und Zeitschriften, die dort für wenige Cent an mehr als 30.000 Kunden verkauft wurden.

Das Angebot auf der Internetseite www.LuL.to umfasste mehr als 200.000 Titel, darunter alleine ca. 160.000 deutschsprachige E-Books und 28.000 Hörbücher.

Gegen drei Beschuldigte konnten Haftbefehle vollzogen werden. Sie befinden sich in Untersuchungshaft. Sichergestellt wurden u.a. 24 Bitcoins (ca. 55.000 Euro), rund 100.000 Euro Bankguthaben, ca. 10.000 Euro Bargeld sowie ein hochwertiges Motorrad. Die umfangreichen Ermittlungen dauern an.

Die GVU hatte im Februar 2015 gegen die Betreiber dieses Portals Strafantrag gestellt und das Verfahren unterstützt.

https://www.justiz.bayern.de/sta/staolg/ba/presse/archiv/2017/05808/index.php

http://www.gvu.de/breaking-news-lul-to-ist-down/3531

Wenn Janus der zweite Vorname ist

Donald Trumps US Wahlsieg im Jahr 2016 geschah mit reichlich Getöse. Zu den lautesten Geräuschemachern gehörte das Portal Breitbart, dessen Chef Bannon mittlerweile einflussreicher Berater des amerikanischen Präsidenten geworden ist. Nicht jedem schmeckte der rechte Meinungsbrei von Breitbart. Allen voran entschied sich der Frühstücksflocken Hersteller Kellogg’s dazu, seine Werbung von der Breitbart Seite zu entfernen. Das brachte dem Unternehmen den Zorn der Breitbart Verantwortlichen ein, die ihrerseits zum Boykott von Kellogg’s aufriefen. Mittlerweile sollen es einige Hundert Unternehmen sein, die die eigene Werbung nicht auf der Breitbart Seite sehen wollen. Die Aktion schwappte natürlich auch nach Deutschland über, wo der Werbefachmann Gerald Hensel über seinen mittlerweile nicht mehr erreichbaren Blog Davaidavai zu einem ähnlichen Boykott aufrief und verschiedene in erster Linie rechte Blogs und Seiten nannte, die er gern vom Geldfluss durch Werbungabschneiden möchte. Die Werber sorgen sich also.

Zweierlei Maß
Offenbar messen die Werber und die Werbenden aber mit unterschiedlichen Maß. Denn an anderer Stelle stört es sie ganz und gar nicht, dass Werbebanner auf dubiosen oder eindeutig rechtsverletzenden Seiten erscheinen. Kaum ein illegales Filmportal auf denen einem Betrachter nicht nur Spielcasinos, Wettanbieter oder auch Browsergames deutscher Anbieter wie Innogames, Upjers, Gameforge, Goodgame Studios (allesamt Mitglieder des Verbandes BIU) entgegenlachen sondern auch Markenwerbung. Wenn Janus der zweite Vorname ist weiterlesen