Jugendschutz.net: Jahresbericht 2104

Jugenschutz.net hat einen auch in diesem Jahr überaus lesenswerten Jahresbericht veröffentlicht, aus dem wir eine kleine Auswahl vorstellen und kommentieren:

  • Allein bei Instagram fand jugendschutz.net unter dem Hashtag #anabuddy mehr als 90.000 Beiträge, über die Hungerpartner gesucht wurden.
  • WhatsApp: Viele User stellen ihre ID öffentlich ins Social Web und schaffen damit ein Einfallstor für Belästigungen, Spam oder Nachrichten mit schockierenden Inhalten. Nicht selten fand jugendschutz.net freizügige Fotos, die vermeintlich privat an WhatsApp Kontakte versendet wurden, auf zwielichtigen Seiten im Social Web wieder.

Die Anzahl der Hinweise auf Missbrauchsdarstellungen ist gestiegen. Gegen 1.168 Darstellungen des sexuellen Missbrauchs von Kindern ist jugendschutz.net in 2014 vorgegangen. In Deutschland wurden alle Inhalte nach durchschnittlich 4 Tagen gelöscht, im Ausland lag die Quote bei 95% und das Löschen dauerte im Schnitt 5 Tage.
Wir halten die Löschdauer sowohl in Deutschland als auch im Ausland für inaktzeptabel. Auch Jugendschutz.net kritisiert die Betreiber: Die meisten Darstellungen des sexuellen Missbrauchs registrierte jugendschutz.net auf Downloadplattformen. Das Vorgehen von Betreibern darf sich nicht auf das Löschen einzelner Inhalte beschränken, sondern muss auch proaktiv deren Verbreitung verhindern.

Rund 7.934 Verstöße gegen den Jugendschutz hat jugendschutz.net im vergangenen Jahr registriert, nur noch 17 % davon fanden sich auf deutschen Servern. Die häufigsten Verstöße bezogen sich auf Pornografie (31 %), extremistische Inhalte (26 %) und Missbrauchsdarstellungen von Kindern (23 %).

  • 1.382 der Verstöße fanden in Deutschland statt (Vorjahr 1.422). In 68 % der deutschen Fälle konnte jugendschutz.net erreichen, dass Verstöße gelöscht oder die Angebote jugendschutzkonform gestaltet wurden. Zusätzlich gab es knapp 100 Aufsichtsverfahren der KJM. Damit bleiben etwa 340 Fälle offen, bei denen in Deutschland anscheinend keine Abhilfe geschaffen werden konnte.
  • Die Masse an unzulässigen Inhalten (drei Viertel) findet sich inzwischen auf den großen ausländischen Plattformen des Social Web wie Facebook, YouTube, Twitter und Tumbl. Bei 5.363 Verstößen im Ausland erreichte jugendschutz.net in 37 % der Fälle eine Entfernung. Damit ist die Erfolgsquote im Vergleich zu 2013 stark eingebrochen (61 %). Zu erklären ist dies vor allem mit Diensten wie dem russischen VK, die unzulässige Beiträge nur in Ausnahmefällen löschen. Auch die bei Jugendlichen beliebte Blogging Plattform Tumblr duldet beispielsweise Pornografie.
    Ein weiterer sicherer Hafen bietet der niederländische Provider Ecatel, über den Darstellungen aus dem Vorfeld des sexuellen Missbrauchs verbreitet werden. Bilder und Videos von Kindern in unnatürlich geschlechtsbetonter Körperhaltung sind in Deutschland unzulässig, werden dort jedoch unbehelligt zugänglich gemacht.

Der Jahresbericht 2014 steht zum Download bereit unter: jugendschutz.net/pdf/bericht2014.pdf