Jugendschutz.net-Bericht: Zahlen und Beispiele

Der nun von jugendschutz.net vorgelegte Jahresbericht 2013 zeigt die aktuelle Lage im Jugendmedienschutz im Internet anhand vieler plastischer Beispiele und fasste seine Tätigkeit auch in Zahlen:

  • 31.386 Angebote wurden auf Verstöße geprüft (minus 40 %, wegen veränderter Rechercheschwerpunkte).
  • 8.111 Verstöße gegen die vorgegangen wurde (minus 25 %).
  • 18 % der Verstöße fanden sich auf deutschen Angeboten (2012: 20 %).
  • Weniger Verstöße auf klassische Webseiten (1.920, 2012: 2.749).
  • Pornografie mit 34 % (2012: 26 %), Missbrauchsdarstellungen von Kindern mit 28 % (2012: 28 %) und extremistische Inhalte mit 22 % (2012: 18 %) waren 2013 die häufigsten Verstoßkategorien.

Nachfolgend eine Auswahl aus den Problembereichen:

  • In den mobilen Anwendungen beliebter reichweitenstarker Angebote wie Facebook, Instagram oder WhatsApp stellte jugendschutz.net Pornografie, die Propagierung von Selbstgefährdungen, Extremismus sowie Fälle von Cybermobbing fest. Melde- und Hilfemöglichkeiten sind durchweg unzureichend, die Altersfreigaben der Apps in den App-Stores häufig zu niedrig angesetzt.
  • Insbesondere die Messenger-App Snapchat diente Jugendlichen 2013 als Sextingplattform. Mit ihr können Schnappschüsse (Snaps) erstellt und an die eigenen Kontakte gesendet werden. Snapchat warb damit, dass die Darstellungen nach wenigen Sekunden automatisch gelöscht werden.
    Recherchen von jugendschutz.net zeigen jedoch: die „Snaps“ werden häufig dauerhaft gespeichert und zu kompromittierenden Zwecken weiterverbreitet. Im Netz existieren regelrechte Sammlungen mit Sexdarstellungen, die Snapchat-User ohne Wissen der Abgebildeten eingestellt haben.
  • Die Support- und Meldefunktionen von Twitter stellten sich als unzureichend heraus. Auch auf Hinweise von jugendschutz.net reagierte der Dienst nicht und ließ unzulässige Inhalte online, obwohl sie gegen die eigenen Nutzungsbestimmungen verstießen.
  • 2013 registrierte jugendschutz.net vermehrt gravierende Verstöße wie Videos mit Misshandlungen von Homosexuellen und Gewaltaufrufe gegen sie. In vielen Fällen konnte eine Löschung dieser Beiträge erreicht werden. Neonazis nutzen auch Plattformen wie die russische Community VK, die ihre Angebote dulden. Solche sicheren Häfen im Netz gilt es durch internationale Kooperation zu verhindern.
  • Die Suche mit Pro-Ana-Szenebegriffen führt beispielsweise bei Instagram schnell zu Inhalten, die Magersucht propagieren und als Lifestyle verherrlichen. Hier können auch Kontakte für WhatsApp- Gruppen geknüpft werden, auf deren Inhalte Außenstehende keinen Zugriff haben.
  • jugendschutz.net stieß vermehrt auf Suizidangebote, in denen Selbsttötungen angekündigt oder verabredet werden. 2013 leitete jugendschutz.net 17 solcher Fälle an die Polizei weiter, um lebensbedrohliche Situationen abzuwenden.

Im Vorwort wird dargestellt, wie man deutliche Verbesserungen erreichen kann:

  • Kinder und Jugendliche chatten, surfen und spielen vorwiegend auf internationalen Plattformen und dies oft zu jeder Zeit und an jedem Ort. Für den zeitgemäßen Jugendschutz im Internet sind übergreifende Ansätze nötig, die gesetzliche Regelungen und internationale Standards kombinieren sowie die Weiterentwicklung des technischen Schutzes und die Prävention von Risiken vorantreiben.
  • Die großen ausländischen Plattformen müssen (stärker) in die Jugendschutzbemühungen einbezogen werden.
  • Nach wie vor gibt es zu wenige attraktive Kindercommunitys.
  • Jugendschutzprogramme (Filter) müssen als zentrales Element des technischen Jugendschutzes zukunftsfähig gestaltet werden. Dazu sind deutlich größere Anstrengungen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nötig, um sie auf allen onlinefähigen Geräten verfügbar zu machen. Gebraucht werden integrierte, sicher vorkonfigurierte und übergreifende Systeme, die Eltern nicht erst installieren oder auf jedem Gerät neu einrichten müssen. Sie müssen vor allem im Web 2.0 bessere Wirksamkeit entfalten.
  • Missbrauchsdarstellungen bleiben auf ausländischen Servern ein großes Problem, da Posendarstellungen International nicht geächtet sind.

http://jugendschutz.net/pdf/bericht2013.pdf