Frankreich – La Grande Nation, wenn es um illegales IPTV geht

Wie wichtig der Themenkomplex illegaler Verbreitung von TV Inhalten über das Internet (IPTV) ist, zeigt eine kleine Anfrage der FDP aus dem Oktober 2018.
Ganz offensichtlich nahm die FDP eine Studie des Verbandes Vaunet aus dem August 2018 zum Anlass, die Anfrage zu stellen. In der Studie des Verbandes wurde das Nutzungsverhalten von Konsumenten untersucht und versucht den wirtschaftlichen Schaden zu beziffern. Dieser betrug demnach 700 Millionen Euro, allein für Deutschland.

Die Anbieterseite fehlt allerdings in der Betrachtung. Illegale Angebote stehen aber nicht isoliert da, sie bedürfen zum Funktionieren vieler Intermediäre, die bei der Lösung des Problems aber eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Rolle spielen. Eine Schlüsselfunktion stellen insbesondere die Rechenzentren dar, von denen aus illegale IPTV Streams in die weite Welt des Internets „gesendet“ werden.

Aus diesem Grund wurde nun in einer neuen Studie (IPTV – Rechenzentren illegaler Streamingangebote) die Anbieterseite und dort speziell die Rechenzentren der Streams aber auch derjenigen Seiten, die die illegalen Streamingangebote promoten, untersucht.

Wie schon in der Studie zu illegalen Spielfilmhostern ist das französische Unternehmen OVH der wichtigste Anbieter in diesem Bereich. Insgesamt nehmen Rechenzentren aus der EU und dort vorwiegend aus Frankreich und den Niederlanden die Spitzenposition sein.
In diesem Markt dominieren Unternehmen, die entweder ein sehr attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis haben, eine gute Anbindung an zentrale Knotenpunkte des Netzes oder schlichtweg die anonyme Nutzung ermöglichen.

Der enorme EU Anteil von Rechenzentren aus der EU wirft die Frage nach der Verantwortlichkeit der beteiligten Unternehmen auf. Diese haben sich augenscheinlich auf das Geschäft mit illegalen Streams spezialisiert (Beispiel Niederlande) oder haben eine Re-Seller Struktur, die anscheinend ein nahezu anonymes Betreiben von illegalen IPTV Diensten möglich macht (Beispiel Frankreich).

Die Wiederverkäufe (Re-Seller) ermöglichen Dank anonymer Zahlungsmöglichkeiten den gefahrlosen, da unerkannten Betrieb von illegalen IPTV Diensten mit Hilfe von Rechenzentren aus der EU.

Verantwortungsdiffusion ist hier also der Treiber der Entwicklung. Wenn sich in Zukunft daran etwas ändern soll, dann geht das nur über eine Änderung der Haftungsregeln.
Diese benötigen einen neuen Ansatz: „Nenne Deinen Kunden“. Nur dann wird es möglich sein, das Geschäft von illegalen Diensten wirksam zu beenden. Rechtlich wäre dies durch die Impressumspflicht der E-Commerce-Richtlinie gedeckt. Wenn der Hoster Kunden hat, die dies verweigern, soll er nach Verwarnung selber haften.

Volker Rieck
Volker Rieck ist Geschäftsführer des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service, welcher für zahlreiche Rechteinhaber tätig ist. Das Unternehmen erstellt zudem Studien zum Thema Piraterie und unterstützt Strafverfolgungsunternehmen mittels seiner erhobenen Daten.
Volker Rieck bloggt regelmäßig auf Webschauder und unregelmäßig auf dem US Blog The Trichordist zu verschiedenen Aspekten der unregulierten Inhalte-Distribution. Seine Artikel erscheinen bei auch bei Tarnkappe.info und in der FAZ.