Einnahmequellen der Piraten: Neue europäische Studie

Die britische Firma Incopro hat eine Studie mit dem Titel „The revenue sources for websites making available copyright content without consent in the EU“ veröffentlicht. Auftraggeber war die MPA (Motion Picture Association).

Die Studie betrachtet in fünf europäischen Ländern die Einnahmemöglichkeiten urheberrechtsverletzender Internetangebote durch Werbung und Zahlungen von Endverbraucher. Insgesamt werden 622 Seiten betrachtet. Daraus ergeben sich für jedes der fünf Länder (Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien) die 250 wichtigsten Seiten. Darunter
146 Hostingangebote (File- oder Videohoster),
371 Linkseiten (Portale für Hoster) und
105 P2P-Portale.

1.) Einnahmemöglichkeiten
Von den 250 wichtigsten illegalen Angeboten in Deutschland bieten 88% Werbung und 40 % direkte Zahlungen an. Ohne direkt ersichtliche Einnahmen agieren 8 % der Seiten. Dabei handelt es sich meist um Linkseiten auf Hoster. Insoweit kann es sich, wie die Studie erwähnt, um Querfinanzierungen handeln. Diese Seiten erhalten also u.U. Einnahmen über die Hoster oder dazwischen geschaltete Linkrefferer, die allerdings nicht Bestandteil der Studie sind. (Zudem könnte es sein, dass diese Seiten Einnahmen für die Verbreitung von Malware erhalten.)

Einnahmen der TOP 250 Seiten (absolut)
aller fünf Länder Deutschland
Werbung 428 129
Werbung und Zahlung 122 90
Zahlung 20 11
nichts 52 20
Einnahmen der TOP 250 Seiten (relativ)
aller fünf Länder Deutschland
Werbung 68,8% 51,6%
Werbung und Zahlung 19,6% 36,0%
Zahlung 3,2% 4,4%
nichts 8,4% 8,0%

 

2.) Werbung
Die Studie hat zu jeder Seite und jedem Land die Werbeanzeigen von fünf Seitenaufrufen erfasst und diese dann sowohl auf die werbetreibenden Unternehmen als auch die dazwischen geschalteten Werbevermittler hin untersucht.

Werbetreibende
Die Studie untersucht sowohl eine Gruppierung aller Anzeigen, als auch eine Aufstellung der wichtigsten Werbetreibenden
Gruppiert ergibt sich folgendes Bild der Werbung:
31,5 % Trick Buttons/Malware
18,1 % Gambling (Glücksspiel)
10,4 % Adult (pornografische Angebote/Chats)
10,0 % Games
7,4 % Business/Finance
6,6 % Retail
5,9 % Tech
5,0 % All other
5,0 % Entertainment

Leider sind die Gruppen nicht genauer beschrieben oder mit Beispielen konkretisiert worden, so dass manche Zuordnung unklar bleibt. So wird zum Beispiel im Bereich Games nicht zwischen Anzeigen für Games oder Verlinkungen zu direkt im Netz spielbaren (Browser-)games unterschieden. Auch bleibt offen, was mit Entertainment gemeint ist.
Letztendlich bleibt aber offensichtlich, dass über 59 % der Anzeigen aus Märkten stammen, die nicht den besten Ruf haben.
Ohne Berücksichtigung der Malwareschleudern sind europaweit die drei wichtigsten Werbetreibenden
• Bet365 (Gambling)
• William Hill (Gambling)
• Aliexpress (Retail)

In Deutschland sind die drei wichtigsten Werbetreibenden ausländische Glücksspielseiten:
• Bet365
• Sunmaker
• Tipico

Konkreter ist die Untersuchung der Top 100 Markenunternehmen, von denen 41 Anzeigen gefunden wurden. Auch wenn es sich dabei nur um 1,2% aller Anzeigen handelt, misst man diesen imagefördernden Anzeigen einen hohen Wert bei. Mit je 4 im Untersuchungszeitraum gefundenen Anzeigen „führen“ hier: Apple, eBay, Ford, Google und Samsung.
Werbevermittler
Bei den Werbevermittlern hat man AdExchanges als eher technische Plattform nicht berücksichtigt.

Die Top 3 der Werbevermittler lieferten 34 % der Anzeigen aus. Es sind:
• Propeller Ads/OnClickAds,
• AdCash und
• DirectREV.

Die Vermittler RevenueHits und Matomy Market (beide unter den Top 10) lieferten überwiegend Trick Buttons und Malware aus.

Zudem wurden die Anzeigen der Top 100 Werbeunternehmen detaillierter untersucht. Hier kommen die meisten Anzeigen über Googles Double Click auf die illegalen Seiten.

 

3. Zahlungen
Insgesamt wurden 83 verschiedene Zahlungsmethoden gefunden. Es fehlt aber eine Auflistung dieser Zahlungsangebote, wie in der deutschen Zahlungsstudie von OpSec und Filedefense.
Bezogen auf eine Stichprobe von 30 Seiten ergeben sich Mengenangaben zu den verschiedenen Zahlungstypen:
• Zahlung über die Seite selber (1/3 der Seiten)
• Zahlung über einen externen Zahlungsdienstleister (12 Seiten)
• Zahlung über virtuelle Geldbörsen (12 Seiten)
• Zahlung über Reseller (1/3 der Seiten)

Bei den durchgeführten Testzahlungen waren die Top 3: Visa (23), Mastercard (21) und Bitcoin (12).

Quelle:
www.incopro.co.uk/service/reports/

Vgl. auch: www.webschauder.de/studie-zeigt-bezahlsysteme-sind-lebensadern-der-share-und-videohoster/