Archiv der Kategorie: Meinung / Kommentar

Porno über Kirchen WLAN eingeplant

In einem Spiegel-Interview erläutert der Leiter des IT-Referats in der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg, dass das die Evangelische Landeskirche alle ihre Gotteshäuser mit offenen WLAN-Hotspots ausstatten will und dafür 100.000 Euro eingeplant hat.
Nicht vorgesehen sind Jugendschutzfilter:
„Wir haben in der Kirche oft mit Minderjährigen zu tun. Wir können uns vorstellen, in begründeten Fällen und an bestimmten Standorten einen Jugendfilter einzusetzen, etwa in unseren Schulen und in Jugendbildungsstätten. Aber in Kirchen kann ich mir das nicht vorstellen. Dann gibt es natürlich die Frage: Oh mein Gott, was machen wir denn, wenn die Leute in der Kirche sitzen und sich Pornos angucken?“

Nach Ansicht des Leiters macht dies aber nichts: „Das konnten sie vor hundert Jahren auch schon. Wer wollte, hat sich da Schmuddelheftchen nur eben in Papierform zugeschoben.“

Der kleine Unterschied, dass diesmal die Kirche die Heftchen „liefert“ scheint ihm nicht aufgefallen sein.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/godspot-wlan-in-kirchen-interview-mit-initiator-kraetschmer-a-1093166.html

(Hervorhebung durch WebSchauder)

Rechte Hetze bei Facebook erreicht 2 Mio. Follower

Die Facebookseite „Anonymous.Kollektiv“ hetzte massiv gegen Flüchtlinge und Migranten und hatte 2 Mio. Follower. Nun ist sie weg. Wer für die Abschaltung verantwortlich ist bleibt offen. Ebenso offen bleibt, wieso die ja anscheinend überaus bekannte Hetzseite nicht schon längst abgeschaltet wurde.

www.sueddeutsche.de/digital/hass-im-netz-bekannte-facebook-hetzseite-ist-offline-1.3001797

Google: 1 Milliarde Löschungen

Nach Angaben von Torrentfreak hat Google inzwischen über eine Milliarde Suchergebnisse wieder gelöscht, da diese zu urheberrechtsverletztenden Inhalten führten.
Die hohe Zahl kommt deshalb zu Stande, da Google auch Seiten durchsucht, zu denen schon über eine Million Löschungsersuchen vorliegen und bei denen nach eigenen Angaben über 50 % aller jemals gefundenen Inhalte wieder aus den Suchergebnisse gelöscht werden mussten.
Die 50%-Marke ist der höchste von Google angegebene Wert. Es könnten deshalb bei einzelnen Seiten auch deutlich mehr Suchergebnisse gelöscht worden sein. Dazu kommt, dass nicht alle Rechteinhaber zu allen ihren Produkten Suchergebnisse löschen lassen.

Google besteht aber weiterhin darauf, solche Seiten zu durchsuchen, da ja ansonsten gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung verstoßen würde. Abgesehen davon, dass es keinen Rechtsanspruch auf Veröffentlichung durch Google gibt, übersieht der Konzern, dass auch Eigentum ein Grundrecht ist.

Googles Alternativvorschlag an die Rechteinhaber, sich statt um die Löschungen von Suchergebnissen besser um die Einnahmen der illegalen Angebote zu kümmern, ist in Anbetracht der Beteiligung Googles bei der Schaltung von Werbung auf illegalen Seiten nur noch unverschämt.

https://torrentfreak.com/google-asked-to-remove-one-billion-pirate-search-results-151029/

www.gulli.com/news/26686-google-will-keine-domains-zensieren-2015-10-22

www.webschauder.de/internetpiraterie-weiterhin-hohe-werbeeinnahmen/

Bundestag: Exklusive Sicherheit?

Um weitere Hackerangriffe auf den Bundestag zu vermeiden, werden nach Informationen von NDR, WDR und SZ in Kürze mehrere 10.000 Seiten künftig im Bundestagsnetz gesperrt. Darunter insbesondere solche Seiten, die Schadsoftware verbreiten oder Besucher ausspionieren. Die Sperrlisten sollen zumindest für die Mitglieder der IuK-Kommission einsehbar sein.
Diese Entscheidung scheint eines der wesentlichen Bestandteile des von der Telekomtochter T-Systems entworfenen Konzepts für eine neue IT-Sicherheitsarchitektur zu sein.

Ob ein solches sicheres Internet auch jemals dem normalen Endverbraucher angeboten wird?

www.tagesschau.de/inland/hacker-119.html

Google: Grenzen des Rechts auf Vergessen

Google muss nach einer Entscheidung des EUGH, Link zu bestimmten Inhalten löschen (Recht auf Vergessen). Die französische Datenschutzbehörde CNIL hatte Google im Juni aufgefordert, Löschungen nicht nur auf französischen und europäischen URLs (google.fr etc.), sondern auf allen URLs (bspw. Google.com) durchzuführen.

Dieses lehnt Google nun ab: Google: Grenzen des Rechts auf Vergessen weiterlesen

EGMR zur Haftung für Inhalte Dritter

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hat in einem Urteil entschieden, dass Betreiber von kommerziellen Online-Foren für Kommentare Dritter verantwortlich sein können und dann auch Schadensersatz leisten müssen.

Eine allgemeine Überwachungspflicht sieht das Gericht nicht. Die Beklagte habe aber nicht schnell genug gehandelt. Insbesondere habe der Betreiber die vorhandenen technischen Möglichkeiten der Kontrolle nicht ausreichend genutzt.

Die netzaffinen Berichte sehen in dem Urteil nur eine Einzelfallentscheidung. Dies darf bezweifelt werden, da auch in Deutschland bei Verstößen von kommerziellen Anbietern Sicherungsmaßnahmen gefordert werden können (zum Beispiel Wortfilter oder Linkkontrollen bei Sharehostern). Der nächste Schritt zum Schadensersatz wegen nicht ausreichender Nutzung dieser technischen Möglichkeiten dürften nun leichter fallen.

http://hudoc.echr.coe.int/sites/eng/pages/search.aspx?i=001-155105#{„languageisocode“:[„ENG“],“appno“:[„64569/09″],“documentcollectionid2“:[„GRANDCHAMBER“],“itemid“:[„001-155105“]}

www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/gerichtshof-urteilt-zu-beleidigungen-in-nutzerforen-a-1039058.html#ref=nl-dertag

https://netzpolitik.org/2015/urteil-des-egmr-plattformbetreiber-sollen-mit-schadensersatz-fuer-kommentare-haften/

Banal: Neue EU-Studie zu Kino.to

Eine Studie im Auftrag der EU hat festgestellt, dass die Schließung von kino.to nur kurzfristige Auswirkungen gehabt hat, da es andere illegale Nachfolgeportale gab, zu denen die Kunden dann gewechselt sind.

Dieses Ergebnis ist nun alles andere als bahnbrechend, sind diese grundlegenden Fakten doch schon seit Jahren bekannt.

Daraus zu schließen, dass sich eine Bekämpfung (volkswirtschaftlich) nicht lohnt, sollte den Autoren eigentlich peinlich sein. Schon der Ansatz die Verfolgung von Straftaten volkswirtschaftlich zu bewerten ist fragwürdig. Niemand würde behaupten verhaftet keine Bankräuber mehr – dies lohnt sich nicht,  weil dann der nächste Bankräuber kommt. Wenn man es aber dann dennoch tut, sollte man die volkswirtschaftliche Analyse der Verfolgung dieser Straftaten nicht auf einen Einzelfall reduzieren.

Völlig unseriös verhält sich aber ein Teil der Presse. In mehreren Titelzeilen wird fälschlicherweise behauptet, die Studie würde belegen, das eine Sperre von kino.to unwirksam sei:
• Heise: „Forscher: Kino.to-Sperre kaum wirkungsvoll gegen illegales Streaming“
• Futurezone: „Kino.to-Sperre war wirkungslos gegen illegales Streaming“
• Spiegel: „Streaming-Plattform: Kino.to-Sperre hilft nicht gegen illegales Streaming“

Die Studie ist zu finden unter:
https://ec.europa.eu/jrc/en/publication/eur-scientific-and-technical-research-reports/online-copyright-enforcement-consumer-behavior-and-market-structure

 

Werbeblockade im Mobilnetz möglich

Nach Berichten der „Financial Times“ und anderen Presseorganen soll die technologische Möglichkeit bestehen, Werbung in Mobilfunknetzen auszufiltern. Ein europäischer Netzbetreiber soll die dafür nötige Software des israelischen Startups Shine bereits in seinen Rechenzentren installiert haben.
Ob diese Technologie wirklich eingesetzt wird, dürfte von den Verhandlungen der Mobilnetzbetreiber mit Google und anderen Werbetreibenden abhängen.
In den Berichten wir betont, dass sich Telekomunternehmen schon lange, beschweren, weil Internet-Firmen viel Geld in ihren Netzen verdienten, ohne sich an den hohen Infrastruktur-Kosten zu beteiligen.

Kommentar:
Das die Werbewirtschaft erbost auf dieses Anliegen reagieren wird, ist abzusehen. Schließlich leiten die Provider ja auch in hohem Umfang illegale Inhalte weiter ohne deren Versender mit einer Sperre zu drohen oder gar zur Kasse zu bitten.

http://futurezone.at/netzpolitik/telekomfirmen-denken-ueber-werbeblockade-auf-handys-nach/130.581.652

www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/mobil-werbung-mobilfunk-anbieter-drohen-google-yahoo-a-1033817.html

Werbung: Selbstregulierung gegen Werbung auf illegalen Webseiten gescheitert

Der Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hat heute mitgeteilt, dass der Versuch einer Selbstregulierung gegen Werbeschaltungen auf illegalen Seiten am Kartellamt gescheitert ist. Im Rahmen der Selbstregulierung sollte eine Liste von strukturell urheberrechtswidrige Internetangebote zusammengestellt werden. Damit wäre es der Werbewirtschaft möglich gewesen, Werbeschaltungen auf diesen Webseiten zurückzudrängen.

Das Bundeskartellamt sah aber insbesondere in der aktiven Beteiligung der Werbewirtschaft ein kartellrechtliches Problem. „Ohne die Werbetreibenden ist es jedoch schon begrifflich keine gemeinsame Selbstregulierung mehr und widerspricht zudem grundsätzlich dem Ansatz einer branchenübergreifenden Lösung. Es bleibt der irritierende Eindruck, illegale Angebote würden stärker geschützt als Maßnahmen, die der legale Wettbewerb ergreift“, so ZAW-Geschäftsführer Dr. Bernd Nauen.

Man will nun die Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen mit der Politik diskutieren, da „ein gemeinsames Vorgehen die einzige Möglichkeit bleibt, effektiv Werbeschaltungen auf illegalen Seiten einzudämmen und damit gegen die Betreiber urheberrechtsverletzender Angebote vorzugehen“.

 

Dem muss nun widersprochen werden. Bereits heute kann ein werbetreibendes Unternehmen Dienstleister nutzen, die eine Schaltung auf illegalen Seiten verhindern (Batch Media, Project Sunblock) oder mit seinen Agenturen Verträge abschließen, die eine Werbeschaltung auf illegalen Seiten verbieten und bei Verstoß eine Vertragsstrafe vorsehen (Vgl. OLG München).
Insoweit hängt eine Eindämmung der Werbung auf illegalen Seiten im Wesentlichen vom Willen der Beteiligten ab und nicht vom Kartellamt.

http://zaw.de/zaw/aktuelles/meldungen/ZAW-Pressemeldung-Nr-4-15.php

 

Frankreich: Schwarze Liste für Werbung

Werbewirtschaft und Rechteinhaber haben in Frankreich eine Vereinbarung unterzeichnet, nach der sie nicht mit Webseiten zusammenarbeiten wollen, die unerlaubt urheberrechtlich geschützte Inhalte anbieten. Entsprechende Blacklists werden erstellt. Der erste Schwerpunkt soll dabei auf Streaminseiten liegen, die ungehindert von Hadopi agieren.

Die Unterzeichnung erfolgte am 24.3. auf einer Veranstaltung der Kulturministerin Fleur Pellerin.

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