Archiv der Kategorie: Meinung / Kommentar

State of the art: Über die Formen der Monetarisierung von illegalen Webseiten

Unregulierte Distribution von Inhalten im Internet (Piraterie) ist und war nie ein Akt der Selbstlosigkeit.  Sie war stets beherrscht von Gewinnerzielungsabsichten insofern ähneln sich legale und illegale Geschäftsmodelle im Netz. Während für seriöse Unternehmen wie Netflix, Amazon oder Sky regelmäßige Einnahmen über Abonnenten die Grundlage des Geschäftes sind, haben die illegalen Schattenangebote diese Möglichkeit nicht. Spätestens bei regelmäßigen Zahlungen würde man den Betreibern auf die Spur kommen. Die Monetarisierung von illegalen Seiten geschieht daher in der Regel anders.
Dieser Artikel gibt einen Überblick von der Dynamik wechselnder Finanzierungen und neue Einnahmeformen von strukturell rechteverletzenden Seiten. Die nachfolgenden Erkenntnisse beruhen auf der Arbeit des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service (FDS). State of the art: Über die Formen der Monetarisierung von illegalen Webseiten weiterlesen

Luxemburg: XBTs Pirateriedienstleistungen

In einem von dem ehemaligen britischen MI6-Agenten Christopher Steele erstellten Dossier über Donald Trump wird auch das Unternehmen XBT erwähnt. Der Chef des Unternehmens, Aleksej Gubarev, klagt nun wegen der Veröffentlichung des Berichts u.a. gegen Buzzfeed.
Diese laufenden gerichtlichen Auseinandersetzungen waren für den „The Kansas City Star“ Grund, sich das aus Zypern betriebene Luxemburger Unternehmen XBT einmal genau anzusehen und zu beschreiben.
In dem ausführlichen Bericht werden zahlreiche Zusammenhänge und Dienstleistungen von XBT für Pirateriedienste und pornographische Seiten erfasst. Darunter der Pirateriehoster Webzilla oder die Piraterieseiten freakshare und hotfile. Letztendlich scheint das Unternehmen sogar direkt oder indirekt für kinox.to. gearbeitet zu haben. Luxemburg: XBTs Pirateriedienstleistungen weiterlesen

Kinderpornographie: Manche deutsche Internetanbieter lassen sich viel Zeit beim Löschen

Über die Frage, ob Löschen statt Sperren der Weisheit letzter Schluss ist, kann man lange streiten. Unstrittig aber sollte sein, dass deutsche Internetanbieter Kinderpornographie umgehend löschen, sobald sie darüber informiert werden.
Genau dies passiert aber eben nicht. Laut dem „Bericht über die im Jahr 2016 ergriffenen Maßnahmen zum Zweck der Löschung von Telemedienangeboten mit kinderpornografischem Inhalt im Sinne des § 184b des Strafgesetzbuchs“ wurden nur 70 Prozent (720) aller Inhalte in Deutschland spätestens nach zwei Tagen gelöscht. Nach einer Woche lag die „Erfolgsquote“ bereits bei 95 Prozent (975). Der durchschnittliche Verfügbarkeitszeitraum lag somit bei 2,93 Tagen.
Erklärt wird der verbleibende Rest von 5 Prozent mit: „Ursächlich für die nach einer Woche noch verbliebenen Inhalte (5 Prozent) waren auch im Jahr 2016 der temporäre Verzicht auf Löschungen aus ermittlungstaktischen Gründen sowie technische und / oder organisatorische Probleme einzelner Provider bei der Umsetzung des Löschungsersuchens.“
Wieso aber 25 Prozent der bei deutschen Hostern liegenden kinderpornographischen Inhalte erst nach zwei oder mehr Tagen gelöscht werden bleibt offen.

http://www.bmjv.de/SharedDocs/Downloads/DE/Statistiken/Download/Bericht_Loeschen-statt_sperren_2016.pdf;jsessionid=93FE720EBE908545B15A966EC06405DF.2_cid334?__blob=publicationFile&v=2

Last Pirate standing …and leaving

Zwei Tage lang tagten Experten auf Einladung des europäischen Amts für geistiges Eigentum (EUIPO), des Bundesjustizministeriums und der EU-Kommission in Berlin auf dem EUIPO Summit 2017.

Eine bunte Vielzahl an Experten traf sich dort: Staatsanwälte, Polizisten, Zollfahnder, Verbandsvertreter, Anwälte, Rechteinhaber usw.
Die Gastgeber hatten aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, die die Sicht der Konsumenten vertreten sollten.
Die Wahl fiel auf Klaus Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen und Julia Reda, der letzten deutschen Parlamentarierin der Piratenpartei in einem relevanten Parlament.

Beweis durch Behauptung

Klaus Müller war der dritte Sprecher am Eröffnungstag und irgendwie war es ihm wichtig gleich dreimal! in seiner Rede darauf hinzuweisen, dass überall dort, wo es legale Angebote gibt, die Piraterie zurückgehen würde. Die Kreativwirtschaft wäre nach der müllerschen Logik einfach selber schuld.
Nun, leider belegte er diese Aussage nicht mit Zahlen, Fakten oder Quellen. Last Pirate standing …and leaving weiterlesen

Verantwortung ist ein verdammter Bumerang

Das Thema Werbung auf unerwünschten Webseiten ist nach wie vor präsent.  Seit dem Artikel auf Webschauder am 29.03.2017 gibt es neue Entwicklungen aus diesem Bereich.

In der Print Ausgabe 23/2017 des Spiegels wird über das Schicksal von Gerald Hensel und seinem neuen Projekt „Fearless Democracy“ berichtet. Hensel war in 2016 der Initiator der Aktion „Kein Geld für Rechts“.
Er verlor im Nachgang zu der Aktion seinen Job und musste Deutschland zeitweise verlassen, weil ein gewaltiger Shitstorm gegen ihn entbrannte. Nun startet er eine Art NGO, um rechten Webseiten den Geldhahn über Werbung zuzudrehen.
Das Branchenmagazin „Werben und Verkaufen“ widmet Hensel und seinem neuen Projekt ein Interview. Am Ende dieses Interviews kommt Hensel zu interessanten Schlüssen:
„Gerade die großen Tech-Player und Content-Akteure sollten sehr schnell verstehen, dass sie mehr als jede andere Branche von einer verbundenen, offenen Welt profitieren und deshalb Verantwortung tragen – nicht zuletzt sich selbst gegenüber. Lassen Sie es mich so sagen: Die Zeit des Zurücklehnens ist vorbei.“

Die Player tragen diese Verantwortung eigentlich nicht nur beim Thema Hass-Rede oder Fake-News sondern auch beim Thema Urheberrechtsverletzungen.
Youtube Werbung auf Kanälen, die sehr eindeutig als IS-nahe zu identifizieren wären, mutet besonders nach den jüngsten Anschlägen immer noch sehr bizarr an.
Der US Blog Thetrichordist berichtet aktuell über so einen Fall. Verantwortung ist ein verdammter Bumerang weiterlesen

Facebook akzeptiert Holocaustleugnung

Aus deutscher Sicht ist es unverständlich, dass Facebook seine Mitarbeiter und Dienstleister nicht anweist, Holocaustleugnungen generell zu löschen.
Gar nicht mehr nachzuvollziehen ist es, dass solche Äußerungen noch nicht einmal in all den Ländern gesperrt werden, in denen sie strafrechtlich verboten sind, wie der Guardian nun belegt.

Holocaustleugnungen sind nach Angaben von Facebook wohl in 14 Ländern strafbar, gesperrt wird nur in Deutschland, Frankreich, Israel und Österreich. Der vorgegebene Grund: „Wir beziehen es nur auf die vier Länder, die dieses Thema bei uns aktiv verfolgen.“

In einer späteren Stellungnahme, behauptet Facebook die Ziffer vier würde nicht stimme. Genauere Angaben werden aber nicht gemacht. Der Sachverhalt generell wird nicht bestritten.

https://www.theguardian.com/news/2017/may/24/how-facebook-flouts-holocaust-denial-laws-except-where-it-fears-being-sued

„Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“

Unter den Eindrücken des jüngsten Anschlags in London im März 2016 nimmt plötzlich die Diskussion um die Verantwortlichkeiten von Werbenetzwerken im Internet drastisch zu.

Was war genau passiert?

Hassrede und extreme Propaganda sind selbstverständlich ein Teil unserer Realität und somit auch auf zahlreichen Seiten im Internet auffindbar. Das war auch Journalisten des Guardian aufgefallen. Allerdings wunderte sich der Guardian, warum es Webseiten und Youtube Kanäle gibt, die trotz eindeutig radikaler, rassistischer, antisemitischer und extremistischer Inhalte fleißig mit Werbung durch den Giganten Google bespielt werden, Google also den Betreibern/Verfassern zu Geld verhilft. Der Guardian zog für sich die Konsequenz und stellte die Zusammenarbeit mit Google in Sachen Werbung ein, weil man offenbar verhindern wollte, dass Guardian Werbung auf solchen dubiosen Seiten oder Kanälen erscheint. Man war sich beim Guardian durchaus bewusst, dass das auch negative Auswirkungen auf die Besucherströme der eigenen Webseite haben kann und wird.

Auf diese erste eher kleine Notiz folgten allerdings weitere Marktteilnehmer und Werbende, die es dem Guardian nachtaten. Havas, ein französisches Marketingunternehmen, welches allein £ 175 Millionen im Jahr an Werbegeldern von Kunden aus dem Vereinigten Königreich verwaltet, ging den gleichen Schritt. „Die Google-Dämmerung“ oder „Wenn Anderen ein Licht aufgeht“ weiterlesen

Eco vertritt Pirateriedienstleister – Eco-Vorschläge zur Bekämpfung der Piraterie in Bundestagsantrag

Im Entschließungsantrag zur Änderung des Telemediengesetzes hat der Gesetzgeber eine Formulierung aufgenommen, die ursprünglich aus einem Gutachten für eco stammt. In diesem Verband sind wesentliche Dienstleister der Piraterie organisiert, wie zum Beispiel das Content Delivery Network Cloudflare oder Hostinganbieter Cyando, OVH, M247, Hetzner oder Link11.
Diese können nun statt der im Koalitionsvertrag vorgesehenen stärkeren Haftung weiterhin Urheberrechtsverletzern ihre Dienste anbieten, bis sie es verboten bekommen. Auch mit der von eco vorgeschlagenen Regelung könnten Sie die Gewinne aus Pirateriedienstleistungen behalten und müssten nicht für die angerichteten Schäden aufkommen.

Den kompletten Beitrag inklusive weiterer Beispiele von eco-Mitgliedern, die tief im Pirateriegeschäft verstrickt sind, finden Sie bei Blickpunkt Film: http://www.mediabiz.de/video/news/gastkommentar-lobbyerfolg-fuer-pirateriedienstleister/408304

Youtubes Erfolg basiert auf gestohlenem Content

Trent Reznor, Musiker und Apple Music Chief Creative Officer, wettert gegen YouTube. Youtube beeinträchtige die Rechte der Künstler und minimiere die Chancen von Mitbewerbern. Letztendlich basiere der Erfolg auf gestohlenem Content. YouTube nehme sich die Arbeit der Künstler und verdiene Geld damit. Ein Service, der Usern urheberrechtlich geschützte Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, sei nicht fair.

http://www.gulli.com/news/27564-musiker-meint-dass-der-erfolg-von-youtube-auf-gestohlenem-content-basiert-2016-06-16

Lasche Selbstverpflichtung statt Rechtsdurchsetzung?

Die EU-Kommission hat zusammen mit Facebook, Twitter, YouTube und Microsoft einen Verhaltenskodex vorgestellt, der eine Reihe von Verpflichtungen zur Bekämpfung der Verbreitung von illegaler Online-Hetze in Europa enthält.
Dass die Verpflichtung aber sehr offen formuliert und kaum nachprüfbar ist zeigt schon der Kernsatz:
„Mit der Unterzeichnung dieses Verhaltenskodex verpflichten sich die IT-Unternehmen, weiterhin gegen illegale Hassrede im Internet vorzugehen. Dazu gehört die fortlaufende Entwicklung interner Verfahren und die Schulung von Mitarbeitern, damit die Mehrheit der stichhaltigen Anträge auf Entfernung illegaler Hasskommentare in weniger als 24 Stunden geprüft und diese erforderlichenfalls entfernt bzw. der Zugang dazu gesperrt werden kann.“

Die Kritik bleibt nicht aus. Staatssekretär Gerd Billen aus dem Bundesjustizministerium stellt fest: „Die Maßnahmen, über die wir uns in Deutschland mit den in unserer Task Force vertretenen Unternehmen verständigt haben, gehen aber weiter.“

Estelle Masse, von der digitalen Bürgerrechtsgruppe Access Now verdeutlich, dass eine solche Vereinbarung auch rechtsstaatlich problematisch sein kann: „Der Verhaltenskodex stellt Geschäftsbedingungen der Dienste über das nationale Recht.“

http://europa.eu/rapid/press-release_IP-16-1937_de.htm

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/facebook-berlin-hadert-mit-bruessels-hatespeech-kodex-a-1095197.html#ref=nl-dertag