Archiv der Kategorie: Martktforschung

EUIPO: Produktfälschungen kosten 60 Mrd. Euro und 434.00 Arbeitsplätze

Nach aktuellen Untersuchungen des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) entgehen 13 Wirtschaftszweigen durch betrügerische Nachahmungen jährlich Einnahmen in Höhe von 60 Mrd. EUR.
Da die rechtmäßigen Hersteller aufgrund des Angebots an gefälschten Produkten weniger produzieren und entsprechend weniger Arbeitskräfte beschäftigen, gehen in diesen Branchen somit außerdem 434 000 Arbeitsplätze unmittelbar verloren.
Nach den Schätzungen des Berichts belaufen sich die Verluste aufgrund von betrügerischer Nachahmung in den 13 Wirtschaftszweigen auf 5,9 % der jährlich in Deutschland erwirtschafteten, direkten Umsätze. Dies entspricht einem jährlichen Wert von etwa 8,3 Mrd. EUR oder 103 EUR pro Einwohner Deutschlands.
Die Untersuchung erstreckte sich auf die folgenden 13 Wirtschaftszweige: Kosmetika und Körperpflegeprodukte, Bekleidungsstücke, Schuhware und Accessoires, Sportartikel, Spielzeug und Spiele, Schmuckwaren und Uhren, Taschen und Koffer, bespielte Tonträger, Spirituosen und Wein, pharmazeutische Erzeugnisse, Pestizide, Smartphones, Batterien und Reifen.
Außerdem enthält der Bericht einen Überblick über die Maßnahmen nationaler, regionaler und internationaler Stellen, mit denen gegen Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums vorgegangen wird.

Pressemitteilung
https://euipo.europa.eu/tunnel-web/secure/webdav/guest/document_library/observatory/docs/Press_releases/Spring_campaign_Press_release_final_DE_Germany.pdf

Bericht über: https://euipo.europa.eu/ohimportal/de/news/-/action/view/4542115

Drogeriemärkte kontra Amazon

Die Unternehmen Rossmann, dm und Douglas haben in einem Brief mehrere Bundesminister aufgefordert, Konzerne wie Amazon und Ebay stärker zu regulieren, da Online-Händler aus dem Ausland über solche Plattformen „nicht verkehrsfähige“ Kosmetikprodukte in Deutschland verkaufen.
Die Folge seien „erhebliche Wettbewerbsnachteile“ für redliche Händler sowie eine „immense Gefährdung der Verbraucher“.

Im Rahmen eines Tests haben die drei Unternehmen 24 der 100 meistverkauften Artikel der Kategorie „Beauty“ auf dem Amazon-Marktplatz von einem Labor untersuchen lassen. Das Ergebnis: Von den 24 Artikel seien nur zwei rechtlich gesehen nicht zu beanstanden. Bei den restlichen 22 habe man insgesamt 93 Verstöße festgestellt, zum Beispiel fehlerhafte oder unverständliche Warnhinweise auf der Verpackung, nicht deklarierte Allergene oder unlautere Werbeaussagen. Ein Haarwuchsmittel war „stark mit pathogenen Keimen belastet“.

http://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Niedersachsen/Gefaehrliche-Produkte-Rossmann-Douglas-und-dm-kritisieren-Amazon-und-Ebay

BSA-Report zur unlizenzierten Software

Nach dem neuen Jahresreport der Business Software Alliance (BSA) ist der Einsatz von unlizenzierter Software leicht rückläufig, aber immer noch weit verbreitet. Unlizenzierte Software macht weltweit immer noch 37 Prozent der auf PCs installierten Software aus – nur 2 Prozent weniger als 2016.
In Deutschland liegt die von der BSA ermittelte Quote unlizenzierter Software bei 20 Prozent. 2011 lag sie noch bei 26 Prozent. Innerhalb der europäischen Union liegt die Quote bei 28 Prozent.
https://gss.bsa.org/

Studie zu Illegalen Streams der Champions-League

Die Anti-Piraterie-Firma Irdeto hat 5.100 illegale Streams der K.O.-Phase der Champions League analysiert und folgende Verbreitungswege dokumentiert:

  • Rund 40 Prozent dieser nicht autorisierten Sendungen kamen von „sozialen“ Plattformen wie Periscope, Facebook und Twitch. Irdeto fand auf diesen Seiten 2.093 Streams mit geschätzten 4.893.902 Zuschauern.
  • Regelmäßige webbasierte Streams auf traditionellen Sportpiratenseiten waren mit 2.121 Streams der beliebteste Verbreitungsweg.
  • Über Kodi-Addons wurden 886 Streams gefunden.

https://irdeto.com/news/nearly-five-million-illegal-streamers-detected-during-champions-league-knockout-stages.html

Dänemark: Piraterie wächst deutlich

Laut einer Studie der dänischen Rights Alliance stieg der Besuche von Piraterieseiten in Dänemark zwischen von 2016 auf 2017 um 67%. Hauptsächlich werden Filme und Fernsehsendungen konsumiert, aber auch IPTV-Dienste und Stream-Ripping nehmen rapide zu.
Auf Basis von Daten von SimilarWeb und MarkMonitor wurde festgestellt, dass die Dänen in 2017 die 2.000 führenden Piraterieseiten 596 Millionen Mal besucht haben (Vorjahr 356 Mio. Besuche). Alleine der Besuch von 123movies stieg von 40 Millionen Besuchen im Jahr 2016 auf 175 Millionen Besuche im Jahr 2017 an.

Die 500 beliebtesten Filme und Fernsehsendungen in P2P-Netzwerken wurden mehr als 15 Millionen Mal von dänischen IP-Adressen heruntergeladen, gegenüber 11,9 Millionen im Jahr 2016.

Ebenfalls auf dem Vormarsch sind Besuche auf Plattformen, die illegal Live-Sportarten anbieten. Im Jahr 2017 haben dänische IP-Adressen 2,96 Millionen Besuche bei diesen Diensten gemacht, was eine jährliche Steigerung von 28% bedeutet.

Laut Rights Alliance hat Dänemark eines der effektivsten Sperrsysteme der Welt, diese hindere aber immer noch viele Menschen nicht daran, Piraterieinhalte von Websites zu konsumieren, die noch nicht blockiert sind.

https://torrentfreak.com/danish-traffic-to-pirate-sites-increases-67-in-just-a-year-180501/

Studie: Langfristige Auswirkungen einmaliger Piraterieangebote

Ein neues Arbeitspapier des Wirtschaftsforschers Wojciech Hardy vom Institut für Strukturforschung der Universität Warschau hat die Folgen der illegalen Vorab-Veröffentlichung von Game of Thrones Anfang 2015 untersucht.
Daraus ergibt sich ein lang anhaltender negativer Einfluss auf die offiziellen Zuschauerzahlen von Game of Thrones und verwandten Angeboten. Das einmalige illegale Angebot bot für einen Teil der Zuschauer einen starken Anreiz nach nicht autorisierten Quellen für Serien zu suchen. In der Folge begannen einige von ihnen begannen, generell Inhalte über nicht autorisierte Kanäle anzusehen.

Wojciech Hardy, PRE-RELEASE LEAKS AS ONE-TIME INCENTIVES FOR SWITCHING TO UNAUTHORISED SOURCES OF CULTURAL CONTENT, IBS Working Paper 03/2018
http://ibs.org.pl/app/uploads/2018/04/IBS_Working_Paper_03_2018.pdf

KODI: Welcome to Piracy 3.0

Das hätte sich Microsoft sicherlich auch nicht träumen lassen, dass sein ehemaliges Xbox Media Center (XBMC), einem Programm zum Abspielen verschiedener Dateiformate von Medien auf der Microsoft XBox, einmal zu einer echten Herausforderung für die Kreativwirtschaftsbranchen Film und TV wird.
Microsoft entließ sein XBMC bereits vor Jahren in die freie Open Source Wildbahn und aus dem kleinen Programm ist mittlerweile ein veritabler Player für alles Mögliche geworden, über die unterschiedlichsten Betriebssysteme und Plattformen hinweg.
Seit 2016 unter dem Namen KODI bekannt, kann das Programm als quasi Herzstück einer Settop-Box (KODI-Box) betrachtet werden. Die KODI-Boxen bringen die unterschiedlichsten Inhalte auf den eigenen Fernseher.
Wie immer gilt auch hier das Dual-Use-Prinzip. Die Software kann für ganz legale Zwecke eingesetzt werden – in der Realität dürfte das aber eher der geringere Teil der Nutzung sein.
Ein kürzlich veröffentlichte Studie des kanadischen Unternehmen Sandvine bestätigt genau das. Demnach haben zwar nur knapp 10% der kanadischen Haushalte eine KODI-Box, wer aber eine hat, der benutzt diese zu 87% für Pirateriezwecke.
Menschen sind eben sehr erfinderisch, wenn es um Geschäfte auf Kosten Dritter geht. So auch hier. Mit wenigen Handgriffen lassen sich sogenannte AddOns auf einer KODI-Box installieren mit denen sich sowohl Filme als auch Live TV zu einem Bruchteil der Kosten eines legalen Abos ansehen lassen. Am Ende steht auch hier ein Geschäft, wie eigentlich immer in der Piraterie.
Auch in der KODI-AddOn-Welt herrscht kein Altruismus, denn die AddOns werden mehrheitlich gegen Geld und auf Zeit verkauft. Es ist Paid Piracy.

KODI on the rise
KODI-Boxen sind offenbar auf dem Vormarsch. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich legt nahe, dass es dort eine große Nachfrage nach KODI-Boxen gibt und viele Konsumenten sich überlegen, das eigene (legale) teure Abo für Fußball oder Filme in absehbarer Zeit zu kündigen, um auf die wesentlich günstigeren erweiterten KODI-Boxen zu wechseln. KODI: Welcome to Piracy 3.0 weiterlesen

MPA-Kanada: Übersicht zu Sperrungen

Aus einer Stellungnahme der Motion Picture Association Kanada an die CTRC (kanadische TV- und Telekommunikations-Kommission) gehen Details zu weltweiten Sperrungen hervor:

In mindestens 42 Länder sind Provider verpflichtet, rechtsverletzende Seiten zu sperren.
Allein in Europa wurden in mindestens 17 europäischen Ländern mehr als 1.800 verletzende Websites und über 5.300 Domains gesperrt, allen voran Portugal, Italien, Großbritannien und Dänemark.

Zudem gibt es eine Liste der am häufigsten gesperrten Seiten. Spitzenreiter sind ThePiratBay mit 19 Ländern die die Seite sperren sowie Movie4k, yts und 1337x mit jeweils 8 Ländern.

https://torrentfreak.com/mpa-reveals-scale-of-worldwide-pirate-site-blocking-180410/

Stellungnahme:
https://torrentfreak.com/images/mpa-can.pdf

Deutschland: Paradies für illegales Glückspiel

Unter dem Titel „Länder haben versagt“ fordert die Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim den Bund auf, endlich zu handeln. Im Bereich Glücksspiel liege ein Staatsversagen vor, das die Bundesrepublik viel Geld koste.
Von 2014 auf 2015 seien die Bruttospielerträge des illegalen Online-Marktes (ohne Sportwetten) von 1,08 Mrd. auf 1,53 Mrd. gestiegen. Dem Staat seien im Jahr 2015 Einnahmen von 490 Millionen Euro entgangen.
Deutschland sei ein Paradies für illegale Glücksspielanbieter, so das Fazit der Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim.

https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews%5Btt_news%5D=39437&cHash=0645ac11e5d93cc19aab802acf16e4b5

Spanien: Weiterhin hohe Schäden durch Piraterie

Nach einem Bericht der „Coalition of Creators and Content Industries” wurde in Spanien 2017 etwas mehr als vier Milliarden Mal auf unlizenzierte digitale Inhalte zugegriffen. Dies entspricht fast 21,9 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen; gegenüber 2016 ist dies ein Rückgang von 6%.

Wichtigster Pirateriemarkt sind Filme: In 2017 wurden 726 Millionen Filme illegal abgerufen. Dies entspricht einem Marktwert von 5,7 Milliarden Euro gegenüber 6,9 Milliarden im Jahr 2016.
35% der Zugriffe erfolgten während der Film noch in Kinosälen lief (2016 noch 33%).

Filme sind bei Piraten am beliebtesten, 34% nutzen diese ohne zu bezahlen. Danach kommen TV-Sendungen (30%), eBooks (24%) und  Musik (22%) gefolgt von Videospielen (11%) und Fußball (10%).

Trotz eines Rückgangs um mehr als 37% enthält mehr als ein Viertel der auf Piratenseiten erscheinenden Werbung immer noch bekannte Marken. Dies müsse weiter verbessert werden, so die Koalition.

Nach Ansicht der Nutzer wären die wirksamsten Maßnahmen gegen Piraterie die Sperrung der Webseiten (78%) und die Bestrafung der Internetanbieter (73%).

https://torrentfreak.com/piracy-falls-6-in-spain-but-its-still-a-multi-billion-euro-problem-180409/

Spotify: Hauptsache kostenlos

Spotify bietet Musik für jeden Geldbeutel. Neben dem Abomodell gibt es auch ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot.
Doch auch dieses scheint vielen Nutzern nicht gut genug zu sein. Spotifys Prospekt zum Börsengang zeigt, dass ca. zwei Millionen Nutzer manipulierte Apps nutzen, um Werbung zu unterdrücken und so quasi eine kostenlose „Premiumversion“ des Dienstes zu erhalten.
Nutzer derartiger Apps wurden erst Anfang März per E-Mail von Spotify informiert, dass ein andauernder Missbrauch des Dienstes zur Suspendierung des Kontos führen würde.
https://news.waldorf-frommer.de/spotify-wenn-kostenlos-nicht-billig-genug-ist/