Archiv der Kategorie: Martktforschung

MPA-Kanada: Übersicht zu Sperrungen

Aus einer Stellungnahme der Motion Picture Association Kanada an die CTRC (kanadische TV- und Telekommunikations-Kommission) gehen Details zu weltweiten Sperrungen hervor:

In mindestens 42 Länder sind Provider verpflichtet, rechtsverletzende Seiten zu sperren.
Allein in Europa wurden in mindestens 17 europäischen Ländern mehr als 1.800 verletzende Websites und über 5.300 Domains gesperrt, allen voran Portugal, Italien, Großbritannien und Dänemark.

Zudem gibt es eine Liste der am häufigsten gesperrten Seiten. Spitzenreiter sind ThePiratBay mit 19 Ländern die die Seite sperren sowie Movie4k, yts und 1337x mit jeweils 8 Ländern.

https://torrentfreak.com/mpa-reveals-scale-of-worldwide-pirate-site-blocking-180410/

Stellungnahme:
https://torrentfreak.com/images/mpa-can.pdf

Deutschland: Paradies für illegales Glückspiel

Unter dem Titel „Länder haben versagt“ fordert die Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim den Bund auf, endlich zu handeln. Im Bereich Glücksspiel liege ein Staatsversagen vor, das die Bundesrepublik viel Geld koste.
Von 2014 auf 2015 seien die Bruttospielerträge des illegalen Online-Marktes (ohne Sportwetten) von 1,08 Mrd. auf 1,53 Mrd. gestiegen. Dem Staat seien im Jahr 2015 Einnahmen von 490 Millionen Euro entgangen.
Deutschland sei ein Paradies für illegale Glücksspielanbieter, so das Fazit der Forschungsstelle Glücksspiel der Uni Hohenheim.

https://www.uni-hohenheim.de/pressemitteilung?tx_ttnews%5Btt_news%5D=39437&cHash=0645ac11e5d93cc19aab802acf16e4b5

Spanien: Weiterhin hohe Schäden durch Piraterie

Nach einem Bericht der „Coalition of Creators and Content Industries” wurde in Spanien 2017 etwas mehr als vier Milliarden Mal auf unlizenzierte digitale Inhalte zugegriffen. Dies entspricht fast 21,9 Milliarden Euro an Umsatzeinbußen; gegenüber 2016 ist dies ein Rückgang von 6%.

Wichtigster Pirateriemarkt sind Filme: In 2017 wurden 726 Millionen Filme illegal abgerufen. Dies entspricht einem Marktwert von 5,7 Milliarden Euro gegenüber 6,9 Milliarden im Jahr 2016.
35% der Zugriffe erfolgten während der Film noch in Kinosälen lief (2016 noch 33%).

Filme sind bei Piraten am beliebtesten, 34% nutzen diese ohne zu bezahlen. Danach kommen TV-Sendungen (30%), eBooks (24%) und  Musik (22%) gefolgt von Videospielen (11%) und Fußball (10%).

Trotz eines Rückgangs um mehr als 37% enthält mehr als ein Viertel der auf Piratenseiten erscheinenden Werbung immer noch bekannte Marken. Dies müsse weiter verbessert werden, so die Koalition.

Nach Ansicht der Nutzer wären die wirksamsten Maßnahmen gegen Piraterie die Sperrung der Webseiten (78%) und die Bestrafung der Internetanbieter (73%).

https://torrentfreak.com/piracy-falls-6-in-spain-but-its-still-a-multi-billion-euro-problem-180409/

Spotify: Hauptsache kostenlos

Spotify bietet Musik für jeden Geldbeutel. Neben dem Abomodell gibt es auch ein kostenloses, werbefinanziertes Angebot.
Doch auch dieses scheint vielen Nutzern nicht gut genug zu sein. Spotifys Prospekt zum Börsengang zeigt, dass ca. zwei Millionen Nutzer manipulierte Apps nutzen, um Werbung zu unterdrücken und so quasi eine kostenlose „Premiumversion“ des Dienstes zu erhalten.
Nutzer derartiger Apps wurden erst Anfang März per E-Mail von Spotify informiert, dass ein andauernder Missbrauch des Dienstes zur Suspendierung des Kontos führen würde.
https://news.waldorf-frommer.de/spotify-wenn-kostenlos-nicht-billig-genug-ist/

Influencer = Schleichwerbung?

Viele Influencer verdienen auf YouTube, Pinterest und Instagram durch „Affiliate Links“ oder direkte Zahlungen der Unternehmen. Allerdings weisen sie nicht auf den werblichen Charakter ihrer Beiträge hin. Eine Studie der Princeton University zeigt:

Von 500.000 untersuchten YouTube-Videos hatten 3.472 Videos Produktlinks. Auf den Werbecharakter hingewiesen wurde nur in zehn Prozent der Fälle.

Von 2,1 Millionen Pinterest Pins verdienten 18.237 Fälle durch platzierte Links. Auf den Werbecharakter hingewiesen wurde nur in sieben Prozent der Fälle.

https://futurezone.at/digital-life/youtube-influencer-verheimlichen-dass-sie-gekauft-sind/400012738

MUSO-Report: Piraterie wächst weiterhin

Die Firma MUSO berichtet, dass in 2017 die weltweite Piraterie um 1,6 Prozent gestiegen ist. Insgesamt wurden 300,2 Milliarden Besuche auf Piraterie-Webseiten erfasst; davon:
TV-Inhalten (106,9 Milliarden),
Musik (73,9 Milliarden) und
Film (53,2 Milliarden).

Die USA verzeichnete die meisten Besuche auf Piraterieseiten (27,9 Mrd.), gefolgt von der Russische Föderation mit 20,6 Mrd. Besuchen. Deutschland liegt auf Platz 9 mit 10,2 Mrd. Besuchen.

Die Daten zeigen zudem, dass 53 Prozent aller Piraterie auf unlizenzierten Streaming-Plattformen stattfindet.

https://www.muso.com/magazine/global-piracy-increases-throughout-2017-muso-reveals/

Niederlande: Sperren gegen PirateBay wirken

Analysen von ComScore zeigen, dass die Zahl der Unique Visitors bei thepiratebay.org in den Niederlanden zwischen September 2017 und Dezember 2017 um mehr als 40 % gesunken ist, nachdem die Internetprovider Ziggo und XS4ALL den Zugang zur Domain sperren. Während der Sperrungen zwischen 2012 und 2014 sank der Wert sogar um 80 %.
Auch im Alexa-Ranking sank die Seite Ende 2017 von Platz 40 auf 83. Nach Sperrungen durch weitere ISPS sank sie auf Platz 152 (bzw. 145).
https://stichtingbrein.nl/nieuws.php?id=488

Australien: Sperren wirken

Eine INCOPRO-Studie zeigt, dass in Australien Webseiten, die gesperrt wurden, einen Besucherrückgang von 53,4 % seit dem Beginn der Sperrungen in Dezember 2016 hatten.
Die Gesamtnutzung der 250 wichtigsten unautorisierten Webseiten ist in Australien um 25,4% zurückgegangen.
Während VPNs nicht berücksichtigt wurden, kam die Studie bezüglich den Proxies zu dem Ergebnis, dass diese nur einen kleinen Teil des Traffics ersetzen, der vor den Blockaden zu Piratenseiten ging.

https://www.creativecontentaustralia.org.au/_literature_210629/2018_Research_-_Incopro_Study

https://torrentfreak.com/australian-pirate-site-blocks-actually-block-pirate-sites-180221/

Niederlande: 24 % laden illegal herunter

Im vergangenen Jahr haben 24 % der niederländischen Bevölkerung  illegal Filme, Serien, Musik oder Spiele heruntergeladen, so das Panel Consumer Insights von Telecompaper.
In 2013, vor dem Verbot des Herunterladens im Jahr 2014, waren es noch 41 %. Ende 2016 waren es 27 %.

BREIN erklärt den Rückgang auch mit den Sperren gegen PirateBay. Die Studie betont die legalen Alternativen. Torrentfreak verweist allerdings zu Recht darauf, dass illegales Streaming nicht berücksichtigt wurde.
Insoweit könnte der Rückgang auch zu einem wesentlichen Teil im Wechsel von illegalen Downloads zu illegalem Streaming erklärbar sein.

https://www.telecompaper.com/nieuws/slechts-24-procent-nederlanders-doet-nog-aan-gratis-downloaden–1233037

https://stichtingbrein.nl/nieuws.php?id=487

https://torrentfreak.com/dutch-continue-to-curb-illegal-downloading-but-what-about-streaming-180222/

Tracker und Werbenetzwerke kümmern sich nicht um Selbstregulierung der EU

Eine wissenschaftliche Studie hat untersucht, ob die von der EU-Kommission organisierte Selbstregulierung der Werbewirtschaft eine Auswirkung darauf hat, dass Werbe- und Tracking-Dienste weniger auf Piraterieseiten zu finden sind. Die Ergebnisse sind katastrophal:
Trackingdiensten berücksichtigen Selbstregulierungen gar nicht. Die am häufigsten auf Piraterieseiten genutzten Tracking-Dienste der Studie waren doubleclick.com (Google), adnxs.com (AppNexus) und bluekai.com (Oracle).
Bei Werbenetzwerken sind im Durchschnitt auch keine Auswirkungen festzustellen. Es sind weder weniger aktive Werbenetzwerke im Pirateriemarkt noch weniger Piraterieseiten die mit Werbung versorgt werden. Nur bei größeren Werbenetzwerken ist festzustellen, dass sie die Werbung ein wenig reduziert haben – um gerade einmal 17 %.

Michail Batikas, Jörg Claussen, Christian Peukert: “Follow the Money: Online Piracy and Self-Regulation in the Advertising Industry” https://papers.ssrn.com/sol3/Papers.cfm?abstract_id=2943531

Die Studie hat nicht untersucht, ob sich die Werbeeinnahmen der illegalen Seiten geändert haben oder ob sich seriöse werbetreibende Unternehmen von Piraterieseiten zurückziehen. Beides konnte nicht untersucht werden, da man nur Verlinkungen zu Werbenetzwerken untersucht hat.
Insoweit widerspricht die Studie auch nicht den Erfahrungen in Deutschland und Großbritannien, dass sich seriöse Firmen oft von illegalen Seiten zurückziehen, wenn sie auf ihre Finanzierung illegaler Angebote hingewiesen werden.
Es scheint also so, dass sich die Werbenetzwerke andere Kunden für die illegalen Seiten suchen.

Vgl. dazu auch: Tracker und Werbenetzwerke kümmern sich nicht um Selbstregulierung der EU weiterlesen