Archiv der Kategorie: Gemischtes

Frankreich – La Grande Nation, wenn es um illegales IPTV geht

Wie wichtig der Themenkomplex illegaler Verbreitung von TV Inhalten über das Internet (IPTV) ist, zeigt eine kleine Anfrage der FDP aus dem Oktober 2018.
Ganz offensichtlich nahm die FDP eine Studie des Verbandes Vaunet aus dem August 2018 zum Anlass, die Anfrage zu stellen. In der Studie des Verbandes wurde das Nutzungsverhalten von Konsumenten untersucht und versucht den wirtschaftlichen Schaden zu beziffern. Dieser betrug demnach 700 Millionen Euro, allein für Deutschland.

Die Anbieterseite fehlt allerdings in der Betrachtung. Illegale Angebote stehen aber nicht isoliert da, sie bedürfen zum Funktionieren vieler Intermediäre, die bei der Lösung des Problems aber eine wichtige, wenn nicht gar die entscheidende Rolle spielen. Eine Schlüsselfunktion stellen insbesondere die Rechenzentren dar, von denen aus illegale IPTV Streams in die weite Welt des Internets „gesendet“ werden. Frankreich – La Grande Nation, wenn es um illegales IPTV geht weiterlesen

Podcast: Was steckt hinter der Mail-Kampagne gegen die EU?”

Im Interview mit Christoph Keese beschreibt Volker Rieck, wie Politik durch digitale Kampagnen beeinflusst wird. Mitten in den politischen Willensbildungsprozess zur EU-Urheberrechtsreform platzte eine groß angelegte Mail- und Twitter-Kampagne. Abgeordnete fanden sich massiv unter Druck gesetzt, gegen den Entwurf zu stimmen.
Volker Rieck, Unternehmer und Blogger aus der Nähe von Hamburg, recherchierte die Hintergründe der Kampagne und beschrieb die Vorgänge im August in einem großen Beitrag für die FAZ („Anatomie eines Politik-Hacks“). Er wies nach, dass hinter der Kampagne nur eine Handvoll von Firmen samt ihrer PR-Agenturen steckte. Allen gemeinsam ist große Nähe zu Google.

hy Podcast- Folge 35: Volker Rieck, was steckt hinter der Mail-Kampagne gegen die EU?
bei https://soundcloud.com/hy-podcast/folge-35-volker-rieck

USA: Russen klagen auf Wiederherstellung des Facebook Accounts

Die russische Federal Agency of News (FAN) hat Facebook bei einem kalifornischen Gericht auf Wiederherstellung ihres Facebook-Auftritts verklagt. Die Seite war von Facebook gelöscht worden, weil sie mit Fake-News und der Einflussnahme auf US-Wahlen in Verbindung gebracht wurde.

https://futurezone.at/digital-life/russische-nachrichten-seite-klagt-facebook-wegen-zensur/400330584

YouTubes neue Medienordnung

Die Streamingplattform instrumentalisiert ihre Community für den Kampf ums Urheberrecht in Europa. Dabei schreckt sie auch vor Falschinformationen nicht zurück.

Mit der Veröffentlichung eines offenen Briefes und eines an die YouTube Community adressierten Videos tritt der Kampf um die Reformierung des europäischen Urheberrechts in eine neue Phase der Auseinandersetzung. Am 22.10.2018 schrieb die YouTube Geschäftsführerin Susan Wojcicki in Ihrem Blog einen Aufruf an die sogenannten „Creators“, die Betreiber erfolgreicher YouTube Kanäle, dass die Umsetzung des Artikel 13 die Schließung zahlloser kleinerer Kanäle, sowie die Filterung wichtiger Inhalte zur Folge haben würde. YouTubes neue Medienordnung weiterlesen

OLG München: Schadensersatz wegen manipulierter Bewertung

Das OLG München hat entschieden, dass das Bewertungsportal Yelp drei Fitness-Studios je 800 Euro Schadensersatz zahlen muss.
Da Yelp in die Gesamtbewertung nur „empfohlene“ Bewertungen einbezogen hat, erhielten die Studios einer Kette nur 2 Sterne. Bei Berücksichtigung aller Bewertungen hätte eines der Studios 4,5 Sterne erhalten.
Neben Schadensersatz, Zinsen und Übernahme der Prozesskosten muss Yelp in Zukunft in Deutschland alle Bewertungen in die Gesamtwertung einfließen lassen.
Nach Auffassung des OLG erweckt Yelp den Eindruck, dass bei der Auswertung alle Bewertungen berücksichtigt würden. Dadurch, dass nur die „empfohlenen“ Bewertungen einfließen, wurden aber in diesem Fall bis zu 95 Prozent der Einzelbewertungen gar nicht berücksichtigt.
Die Empfehlungen werden von einer Software nach verschiedenen Kriterien erstellt, bei denen insbesondere die Häufigkeit von abgegebenen Bewertungen der Nutzer eine Rolle spielen. Dies verzerrt das Gesamtbild massiv.
[OLG München, 13.11.2018, 18 U 1280/16 u.a.]

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/olg-muenchen-18u128016-gesamtbewertung-yelp-meinungsfreiheit-bewertungsportal-schadensersatz/

https://www.sueddeutsche.de/digital/fitnessstudio-klage-yelp-unterlassung-online-bewertungen-1.4209966

Antwort auf kleine Anfrage: Europa soll es richten

Inzwischen liegt die Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der FDP-Fraktion zum Umgang mit Fernsehpiraterie vor.

Die Ergebnisse sind keineswegs zufriedenstellend und man muss dem medienpolitischen Sprecher der FDP Fraktion im Deutschen Bundestag, Thomas Hacker, zustimmen, wenn er sagt, dass sich die Bundesregierung hinter einer auf sich warten lassenden Studie der EUIPO versteckt.

https://www.vau.net/pressemitteilungen/content/zurueckhaltendes-abwarten-bundesregierung-fernsehpiraterie

http://dipbt.bundestag.de/extrakt/ba/WP19/2406/240642.html

Nachtrag – Kurzmeldung Heute im Bundestag vom 12.11.2018:

04. Illegale Streaming-Angebote

Recht und Verbraucherschutz/Antwort

Berlin: (hib/mwo) Die Bundesregierung geht vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung von einer steigenden wirtschaftlichen Bedeutung von Streaming- und Download- Angeboten sowie des Vertriebs von diesbezüglicher Hardware aus. Das wichtige Thema illegaler Inhalte derartiger Angebote stehe im Mittelpunkt einer Studie des EU-Amts für geistiges Eigentum (EUIPO) mit dem Arbeitstitel „Infringing Business Models Phase 4“, die im Laufe des Jahres 2019 veröffentlicht werden solle, schreibt die Bundesregierung in der Antwort (19/5473) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/5146). Sie weist gleichzeitig darauf hin, dass auch die Nutzung legaler Streaming-Dienste in den letzten Jahren zugenommen hat. Der Anreiz, illegale Angebote zu nutzen, werde dadurch reduziert. Die Bundesregierung schließe derzeit nicht aus, heißt es weiter, dass auch die Interessen der Allgemeinheit von der Fernsehpiraterie berührt sein können. Ein klares Bild hierzu dürfte die EUIPO-Studie liefern. Die Abgeordneten hatten unter anderem gefragt, wie die Bundesregierung illegale Streaming- und Download-Angebote einschätzt, die die Rechte von Filmstudios, Free- und Pay-TV-Anbietern auf vielfältige Weise verletzten.

https://www.bundestag.de/hib#url=L3ByZXNzZS9oaWIvLS81Nzg0NTI=&mod=mod454590

 

Schweden: Bahnhof läuft Amok

Der schwedische Internetprovider Bahnhof wurde von einem schwedischen Gericht dazu verpflichtet, eine Reihe von Domainnamen zu blockieren, darunter Sci-Hub. Geklagt hatte der Wissenschaftsverlag Elsevier.
Bahnhof ist nun sauer, erfüllt die gerichtlichen Auflagen und „wehrt“ sich u.a. mit eigenen Verstößen gegen die Informations- und Meinungsfreiheit:

  • Die Internetseite des Klägers Elsevier wird für die Kunden von Bahnhof blockiert.
  • Für Nutzer aus dem Netzwerk des Patent- und Marktgerichts ist die Domain bahnhof.se gesperrt.
  • Mit einem Tool ermöglicht man E-Mail-Terror gegen Regierungsstellen (es ist unklar an wen die E-Mails gehen, die anonym versendet werden können).
  • Man erklärt per Pressemeldung, wie man gerichtlich angeordnete Sperren umgehen kann.

http://kampa-for-ett-fritt-internet-utan-upphovsmaffians-blockering.se/

https://torrentfreak.com/swedish-isp-protest-site-blocking-by-blocking-rightsholders-website-and-more-181102/

https://torrentfreak.com/isp-shows-how-easy-it-is-to-unblock-the-pirate-bay-181103/

Deutschlands Werber: Hauptsache gesehen – egal wo

Der Technologieanbieter Integral Ad Science hat die Kategorien Brand Safety, Viewability und Ad Fraud in den Märkten Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Skandinavien, dem Vereinigten Königreich und den USA untersucht.
Danach ist Deutschland auf dem digitalen Werbemarkt in Sachen Brand Safety Schlusslicht – eine von zehn Anzeigen taucht hierzulande in riskanten nicht markensicheren Umfeldern auf. Mit 10,4 Prozent ist das Markenrisiko mehr als doppelt so hoch wie in Frankreich (4,5 Prozent), Spanien (4,8 Prozent) oder UK (4,5 Prozent). Deutschlands Werber: Hauptsache gesehen – egal wo weiterlesen

Nach der Manipulation ist vor der Manipulation

Am 12.09.2018 stimmte das EU Parlament für die Annahmen der EU Copyright Direktive. Der gesamten Sommer 2018 war geprägt von einer massiven Lobbyschlacht bei der die Gegner der Direktive auf das Mittel des asymmetrischen Lobbyings zurückgriffen und die EU Abgeordneten mit Mail-Lawinen und Twitter Stürmen eindeckten und eine Graswurzelbewegung imitierten.
Bereits unmittelbar nach der Abstimmungsniederlage sammelten die Gegner der Direktive ihre Kräfte und beschrieben auch, wie sie den laufenden Trilog, also die Verhandlungen zwischen dem Europarat (den Ländern), der EU Kommission und dem EU Parlaments für sich beeinflussen können.

„Dass das von Google kommt“?
Am 21.09.2018 fand in Berlin die fünfte „Das ist Netzpolitik!“ Konferenz statt. Eine der Rednerinnen war die einzige Abgeordnete der Piraten Partei im EU Parlament, Julia Reda. Sie empfahl auf der Konferenz ihren Anhängern die EU Abgeordneten anzuschreiben:

„Die müssen das Gefühl haben, dass das für ihren Wahlkreis relevant ist. Dann glauben sie auch nicht, dass das von Google kommt.“ Nach der Manipulation ist vor der Manipulation weiterlesen

Da wir uns an die Regeln halten, sind wir keine Kriminellen!!!

Zur Neuauflage der Liste „Notorious Markets” des US Trade Representatives haben diverse Verbände der amerikanischen Regierung Vorschläge unterbreitet, welche illegalen Dienst in die neue Liste aufgenommen werden sollten. Andere Unternehmen, wie Alibaba, haben sich vorab gegen eine mögliche Aufnahme in die Liste verteidigt.
Manche wehren sich erst später. So  Alex Bytes, dem Betreiber von Rapidvideo, in einem Interview bei Tarnkappe:
https://tarnkappe.info/rapidvideo-wehrt-sich-gegen-anschuldigungen-der-mpaa-interview/

Vgl.:
http://webschauder.de/usa-vorschlaege-fuer-die-ustr-liste-notorious-markets/