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Anatomie eines Politik-Hacks

Das Neue Testament berichtet von zahlreichen Wundern, die Jesus Christus zugeschrieben werden. Eines davon ist die wundersame Brotvermehrung. Hier soll Jesus wenig Brot und Fisch derartig vermehrt haben, dass davon Tausende Menschen satt wurden.
Eine ähnlich wundersame Vermehrung hat es im Zuge der Debatte um die EU Copyright Directive Ende Juni 2018 ebenfalls gegeben. Allerdings wurden weder Brot noch Fisch vermehrt, sondern Protest – oder etwas, das aussehen sollte wie Protest.

Der Reihe nach
Im September 2016 veröffentlichte EU-Kommissar Oettinger einen Vorschlag für eine Richtlinie über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt.
Die Zeit verging und Oettinger war schon nicht mehr für das Ressort zuständig, trotzdem ging alles seinen bürokratischen Gang bis hin zur Abstimmung über die Directive im Rechtsausschuss des EU-Parlaments.
Im Vorwege dieser Abstimmung galt auch hier das Strucksche Prinzip, dass kein Gesetz so aus dem Parlament kommt, wie es hineingegangen ist. Es gab also zahlreiche Änderungen und Ergänzungen die der Berichterstatter Axel Voss (CDU/EVP) verhandeln durfte.

Julia Reda und das Plakative
Schon sehr früh machte die einzige Abgeordnete der Piraten Partei, Julia Reda, Front gegen die Vorschläge. Anatomie eines Politik-Hacks weiterlesen

The anatomy of an assault on politics

The New Testament narrates numerous miracles attributed to Jesus Christ. One of them is the feeding of the multitude: Jesus is described as having multiplied a few loaves and fish so that five thousand people could eat and were satisfied.
The debate over the new EU Copyright Directive towards the end of June 2018 was characterized by a similarly remarkable form of multiplication. But what was being multiplied in this case was not bread or fish, but protest – or rather the appearance of protest.

To begin at the beginning …
In September 2016, EU Commissioner Günther Oettinger put forward proposals for a Directive on Copyright in the Digital Single Market.
Time passed, and Oettinger moved on to a new role within the Commission, but the wheels of bureaucracy continued to churn until the European Parliament’s Committee on Legal Affairs (JURI) was due to vote on the proposed directive.
In the run-up to the vote, observers may have wryly recalled the dictum of German parliamentarian Peter Struck that no bill ever exits parliament in the form it enters it. The directive’s rapporteur Axel Voss (CDU/EPP) had the pleasure of steering a process in which numerous changes and additions to the text were negotiated before it was formally adopted by the JURI Committee and Voss was finally given a mandate to proceed to negotiations with the EU member states.

Julia Reda’s simple slogans
The only member of Germany’s Pirate Party with a seat in the European Parliament, Julia Reda, opposed the proposed legislation from a very early stage. The anatomy of an assault on politics weiterlesen

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Rechenzentrum liegt so nah?

Immer wieder hört man in der Diskussion um die unregulierte Distribution von geschützten Inhalten im Internet ganz erstaunliche Argumente. Eines davon lautet, dass man die parasitären Geschäftsmodelle ja ohnehin nicht verhindern könne, das Ganze wäre viel zu international (Internet halt) und gegen Server in Tonga kann man ohnehin nichts ausrichten.

Domain-Endung und Rechenzentrum – zwei Paar Schuhe

Selbstverständlich stehen in Tonga keine Server, jedenfalls keine, die Inhalte unreguliert über Datenleitungen nach Europa schaufeln. Praktisch jedes Rechenzentrum (oder Datacenter) auf der Welt kann die Daten einer solchen exotischen Domain beherbergen.
Eine .to Domain als Beispiel (Länderkennung für Tonga) bietet mehrere Vorteile. Sie liegt phonetisch dicht an Torrent und sie ist quasi anonym zu registrieren. Domainendung und tatsächliches Rechenzentrum sind also getrennt zu betrachten.
Aus der Analyse unserer Daten wissen wir aber, das Geschäft findet in Europa quasi vor der Haustür statt und das aus vielen Gründen.
Um die tatsächliche Herkunft von Piraterieseiten oder besser deren Content etwas deutlicher zu verstehen haben wir unsere Datenbank von Mitte Mai bis Mitte Juni einmal detaillierter ausgewertet und bei Bedarf weitere Analysen erstellt.

Die überaus beliebte EU
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Google – A Pirate’s Best Friend

Google appears to still be blissfully oblivious to its intentional or unintentional (but readily discernible) support for piracy websites. Google supports pirates in a variety of ways, and I will explore a few of them here.
The Motion Picture Association of America (MPAA) has already been critical of Google’s inaction on piracy for years. The first major problem is the prominent visibility of piracy URLs in Google’s search results. Following the classic logic that the best place to hide a body is surely on the second page of search results, the hope of the filmmakers has been that rank and file consumers, at least, might refrain from using rights-infringing sites when they no longer feature in the first few hits on search.
Pure self-interest could be expected to lead Google to the same conclusion: Google sells movies itself in its Google Play store. With every additional illegal option displayed prominently in search results, Google’s own chances of making a sale to an interested consumer recede. Against this background, let’s now see what happens when we run a search on Google for the movie “Black Panther.”

Further on:
https://thetrichordist.com/2018/07/10/google-a-pirates-best-friend-guest-post-volker-rieck/

German version:
http://webschauder.de/google-pirates-best-friend/

Volker Rieck is managing director of the content protection service provider FDS File Defense Service, which works for numerous rights owners. The company also prepares studies on piracy and supports law enforcement companies with the data it collects.
Volker Rieck blogs regularly on Webschauder and from time to time on the US blog The Trichordist on various aspects of unregulated content distribution. His articles also appear on Tarnkappe.info.

Google: Pirates Best Friend

Auf mehreren Augen blind scheint Google zu sein, wenn es um die wissentliche oder unwissentliche (aber registrierbare) Unterstützung von Piraterieseiten im Netz geht.
Diese Unterstützung durch Google fällt sehr mannigfaltig aus und sie ist das Thema dieser Betrachtung.

Seit Jahren moniert der Filmverband MPAA, dass Google zu wenig gegen die Piraterie unternimmt. In erster Linie geht es dabei um die Sichtbarkeit von illegalen Angeboten bei Suchanfragen an Google. Getreu dem Motto: „Wo versteckt man eine Leiche am sichersten? Auf Seite 2 der Google Suche“, erhofften sich die Filmschaffenden, dass zumindest das Such-Fußvolk von rechteverletzenden Seiten ferngehalten wird, wenn in den Toptreffern keine rechteverletzenden Seiten auftauchen.
Im Grunde sollte Google selber ein Interesse daran haben, weil es in seinem eigenen Playstore ja ebenfalls Filme vertreibt. Je mehr illegale Angebote also in der Suche angezeigt werden, desto geringer die Chancen einem interessierten Konsumenten den Film sogar selber zu verkaufen.
Machen wir daher die Probe auf das Exempel und suchen nach dem Film „Black Panther“.
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Goldschürfen im Internet oder auch Money for nothing

Nein, nicht das aktuelle Thema Schürfen (Mining) von Kryptowährungen ist gemeint, auch wenn das vielleicht naheliegt.

Als Ende des 19. Jahrhunderts die Goldgräber Richtung Alaska zogen, da hatten diese noch an reichlich Ausrüstung zu schleppen. Mit Pfannen mussten sie haufenweise Gestein in den Flüssen gewaschen, welches vorher mühsam mit Schaufel und Hacke zerkleinert wurde damit am Ende einige Nuggets in der Schürfpfanne übrigbleiben.

In Zeiten des Internets hat sich dieses Prinzip erhalten, wenn auch in etwas veränderter Form. Schweres Gepäck ist in diesen Zeiten nicht mehr notwendig, eher Ausdauer und Dreistigkeit.
Die Nuggets sind auch nicht mehr die Goldklumpen, es sind naive Konsumenten, die auf schöne Werbeversprechungen reagieren, die Konsumenten schwimmen sinnbildlich im Fluss des Internetverkehrs.
Sie springen vor allem immer dann auf solche Werbung an, wenn diese ein vermeintliches Schnäppchen ist und jemand eine Ware oder einen Service deutlich unter dem Marktpreis anbietet. Ab einer bestimmten Schwelle schaltet der Verstand offenbar aus und öffnet dann die Tore für die modernen Goldschürfer.
Und wie einst die Glücksucher am Klondike müssen die Anbieter solcher Services sehr viel „waschen“ also viel Werbung schalten und/oder für Traffic sorgen, damit am Ende zahlende Nutzer in der eigenen Pfanne, dem eigenen Bankkonto, übrig bleiben.

Ganz besonders digitale Medien sind lukrativ für solche vermeintliche Schnäppchen.  Welcher Konsument träumt nicht von einem unerschöpflichen Füllhorn an Bücher, Musik, Games, Filmen oder Programmen, alles zu einem konkurrenzlos günstigen Preis, quasi die wahrgewordene Kulturflaterate?

Startpunkt Youtube

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KODI: Welcome to Piracy 3.0

Das hätte sich Microsoft sicherlich auch nicht träumen lassen, dass sein ehemaliges Xbox Media Center (XBMC), einem Programm zum Abspielen verschiedener Dateiformate von Medien auf der Microsoft XBox, einmal zu einer echten Herausforderung für die Kreativwirtschaftsbranchen Film und TV wird.
Microsoft entließ sein XBMC bereits vor Jahren in die freie Open Source Wildbahn und aus dem kleinen Programm ist mittlerweile ein veritabler Player für alles Mögliche geworden, über die unterschiedlichsten Betriebssysteme und Plattformen hinweg.
Seit 2016 unter dem Namen KODI bekannt, kann das Programm als quasi Herzstück einer Settop-Box (KODI-Box) betrachtet werden. Die KODI-Boxen bringen die unterschiedlichsten Inhalte auf den eigenen Fernseher.
Wie immer gilt auch hier das Dual-Use-Prinzip. Die Software kann für ganz legale Zwecke eingesetzt werden – in der Realität dürfte das aber eher der geringere Teil der Nutzung sein.
Ein kürzlich veröffentlichte Studie des kanadischen Unternehmen Sandvine bestätigt genau das. Demnach haben zwar nur knapp 10% der kanadischen Haushalte eine KODI-Box, wer aber eine hat, der benutzt diese zu 87% für Pirateriezwecke.
Menschen sind eben sehr erfinderisch, wenn es um Geschäfte auf Kosten Dritter geht. So auch hier. Mit wenigen Handgriffen lassen sich sogenannte AddOns auf einer KODI-Box installieren mit denen sich sowohl Filme als auch Live TV zu einem Bruchteil der Kosten eines legalen Abos ansehen lassen. Am Ende steht auch hier ein Geschäft, wie eigentlich immer in der Piraterie.
Auch in der KODI-AddOn-Welt herrscht kein Altruismus, denn die AddOns werden mehrheitlich gegen Geld und auf Zeit verkauft. Es ist Paid Piracy.

KODI on the rise
KODI-Boxen sind offenbar auf dem Vormarsch. Eine Studie aus dem Vereinigten Königreich legt nahe, dass es dort eine große Nachfrage nach KODI-Boxen gibt und viele Konsumenten sich überlegen, das eigene (legale) teure Abo für Fußball oder Filme in absehbarer Zeit zu kündigen, um auf die wesentlich günstigeren erweiterten KODI-Boxen zu wechseln. KODI: Welcome to Piracy 3.0 weiterlesen

Denic und Fakeshops – Update

Mittlerweiler hat die Denic die in dem Artikel „Die Denic und Fakeshops: „Sorry, aber da kann man echt nichts machen…“
angesprochene Domain Kulta-ev.de gesperrt.

Ein Hinweis beim Aufruf der Seite besagt, dass die Denic den Domaininhaber bereits informiert hat. Ob das per Brief nach China mit der Postleitzahl der Kölner Altstadt-Nord oder per Telefon mit einem Anschluss in Thale (Sachsen-Anhalt) passierte, kann nur gemutmaßt werden.


Das Problem ist dadurch aber nicht aus der Welt. Weitere Domains wie beispielsweise Joef-Lehmkuhl.de, Jesti-Gerabronn.de, Beutereich.de, Feuerwehr-Pluwig.de oder Kochschule-Emsland.de warten auf ahnungslose Kunden, um denen das Geld abzunehmen. Es gibt Hunderte weiterer Domains.
Die Namen der Domains sind nicht zufällig gewählt, die meisten waren in der Vergangenheit eine seriöse Seite, die aufgegeben wurde. Solche bereits genutzten Namen werden in Suchmaschinen besser dargestellt als ganz neue Seiten.
Vielleicht sollte die Denic einfach einmal prüfen, welcher Domain-Parkdienst genau solche Domains verkauft.

Die Denic und Fakeshops: „Sorry, aber da kann man echt nichts machen…“

Der Verbraucher hat es nicht einfach dieser Tage im Internet. Wer auf der Suche nach besonderen Schnäppchen im World Wide Web ist, der kann leicht in die Fänge von Kriminellen geraten.
Sie bieten insbesondere teure Waren wie Elektro- oder Modeartikel zu erheblich reduzierten Preisen an. Wer sich dabei auf einen vermeintlich deutschsprachigen Shop verlässt, weil die Domain mit .de endet, ist dabei keineswegs auf der sicheren Seite.
Es gibt unendlich viele sogenannte Fakeshops, selbst mit eigentlich vertrauenswürdiger .de Domain Endung, die nur eines im Sinn haben: Den Konsumenten zu betrügen in dem für vermeintlich sehr günstige Waren Vorkasse verlangt wird. Vorkasse ist auch aktuell keine gänzlich ungewöhnliche Bezahlart und so fällt es offenbar vielen Kunden solcher Seiten nicht gleich auf, dass sie betrogen werden. Wie kann so etwas eigentlich passieren?
Die Denic und Fakeshops: „Sorry, aber da kann man echt nichts machen…“ weiterlesen

Internetselbstverwaltung à la RIPE: Ein Himmelreich für Kriminelle

Jedes Jahr im Januar veröffentlicht das US Handelsministerium (USTR) eine Liste der schlimmsten Rechtsverletzer im Internet für das vergangene Jahr. Dabei geht es sowohl um haptische Ware, also Fälschungen, Replikas usw. als auch um Verletzungen von geistigen Eigentum in Form von nichtregulierter Distribution von Filmen, Büchern, Musik, Software, Apps usw.
Es finden sich auf der Liste Namen wie die chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba und Taobao aber auch Webseiten wie Movie4k, Libgen, The Pirate Bay oder Openload.
Die Liste wird unter anderem gespeist von Verbänden wie der Motion Picture Association of America (MPAA), der US Filmwirtschaft oder der Recording Industry Association of America (RIAA), also der US Musikwirtschaft.
Welche Rolle dabei die Internetselbstverwaltung RIPE NCC spielt, soll hier weiter beleuchtet werden. Internetselbstverwaltung à la RIPE: Ein Himmelreich für Kriminelle weiterlesen

State of the art: Über die Formen der Monetarisierung von illegalen Webseiten

Unregulierte Distribution von Inhalten im Internet (Piraterie) ist und war nie ein Akt der Selbstlosigkeit.  Sie war stets beherrscht von Gewinnerzielungsabsichten insofern ähneln sich legale und illegale Geschäftsmodelle im Netz. Während für seriöse Unternehmen wie Netflix, Amazon oder Sky regelmäßige Einnahmen über Abonnenten die Grundlage des Geschäftes sind, haben die illegalen Schattenangebote diese Möglichkeit nicht. Spätestens bei regelmäßigen Zahlungen würde man den Betreibern auf die Spur kommen. Die Monetarisierung von illegalen Seiten geschieht daher in der Regel anders.
Dieser Artikel gibt einen Überblick von der Dynamik wechselnder Finanzierungen und neue Einnahmeformen von strukturell rechteverletzenden Seiten. Die nachfolgenden Erkenntnisse beruhen auf der Arbeit des Content Protection Dienstleisters FDS File Defense Service (FDS). State of the art: Über die Formen der Monetarisierung von illegalen Webseiten weiterlesen

Die Welt ist ein Karussell und dreht sich schnell

Im Jahre 1990 erschein die CD “Och Joh“ des hessischen Komiker Duos Badesalz. Einer der Songs auf der CD lautet: Die Welt ist ein Karussell … und dreht sich schnell.
Im Grunde waren die Autoren des Karussell Liedes (ein ziemlicher Gaga-Song) mit der Titelwahl durchaus visionär, wenn man sich die Entwicklung der letzten Zeit in Sachen Internet und ganz besonders der sogenannten Intermediäre ansieht.

Aber der Reihe nach: Nach den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlestonville in Virginia, USA begannen einige Dienstleister von Internetservices (Intermediäre) plötzlich ihr Gewissen zu entdecken.
Nein, mit Neonazis will man nichts zu tun haben. So kündigte der US Registar GoDaddy der rechtsextremen Seite „Daily Stormer“, die offenbar absichtlich an die Nazizeitung „Der Stürmer“ erinnern soll, die Freundschaft und somit die Geschäftsbeziehungen.
Nach eigenen Angaben ist GoDaddy der größte Registrar im Internet mit 17 Millionen Kunden und mehr als 70 Millionen Domains.
GoDaddy bietet neben dem Registrieren einer Webseite einen weiteren interessanten Service. Die Welt ist ein Karussell und dreht sich schnell weiterlesen