The Trichordist: Hilfsmittel für den Politik-Hack

David Lowery beschreibt in einem aktuellen Text, welche Hilfsmittel für einen Politik-Hack eingesetzt werden. Die von „Platinum Supporter“ Google (mit)finanzierte Organisation OpenMedia.org aus Vancouver bietet mit newmode.net Tools zur Steuerung von Kampagnen an.
Damit können einzelne Personen, wiederholt Ziele mit Tweets, E-Mails, Robo-Calls, Robo-Faxen und sogar automatisierten Briefen zu spammen. Mit diesen Hilfsmitteln kann man sich als Bürger des Wahlkreises ausgeben und über 20 Personen binnen einer Stunde mit Telefonanrufen belästigen.
Wenn das noch nicht reicht, kann New Mode auch „Clone“-Webseiten erstellen, um den Anschein zu erwecken, als gäbe es eine breite Palette von Gruppen, die dieselbe Aktion unterstützen.

“The Google Funded Astroturf Group that Hacked The EU Copyright Vote (In Pictures)”
https://thetrichordist.com/2018/07/28/the-google-funded-astroturf-group-that-hacked-the-eu-copyright-vote-in-pictures/

Die Kosten für eine solche Aktion sind lächerlich, 50.000 Mails gibt es ab 119 US$: The Trichordist: Hilfsmittel für den Politik-Hack weiterlesen

ISP Sky sucht aktiv nach illegalen Angeboten

Sky, sowohl ISP als auch als Sportsender, zeigt, dass auch ein ISP viel tun kann um illegale Angebote zu vermeiden:
“Using BigQuery and an in-house algorithm – which cost $10,000 (£7,500) to develop – we are now able to continuously study traffic patterns with an always up to date list of suspect pirate sites,“ Hammady said. „Once they have been confirmed as illegal they are shut down.“

https://www.computerworlduk.com/data/sky-turns-machine-learning-shut-down-premier-league-pirate-sites-3681318/

NetzDG: Erste Berichte zu Beschwerden

Facebook, Twitter und YouTube haben erste Zahlen zu Nutzerbeschwerden vorgelegt. Leider sind die Zahlen nur bedingt aussagekräftig, aber zumindest die Angst vor einem Overblocking war unbegründet. Der Großteil der Beschwerden wird abgelehnt.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/netzdg-so-oft-sperren-facebook-youtube-und-twitter-a-1220371.html

Anatomie eines Politik-Hacks

Das Neue Testament berichtet von zahlreichen Wundern, die Jesus Christus zugeschrieben werden. Eines davon ist die wundersame Brotvermehrung. Hier soll Jesus wenig Brot und Fisch derartig vermehrt haben, dass davon Tausende Menschen satt wurden.
Eine ähnlich wundersame Vermehrung hat es im Zuge der Debatte um die EU Copyright Directive Ende Juni 2018 ebenfalls gegeben. Allerdings wurden weder Brot noch Fisch vermehrt, sondern Protest – oder etwas, das aussehen sollte wie Protest.

Der Reihe nach
Im September 2016 veröffentlichte EU-Kommissar Oettinger einen Vorschlag für eine Richtlinie über das Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt.
Die Zeit verging und Oettinger war schon nicht mehr für das Ressort zuständig, trotzdem ging alles seinen bürokratischen Gang bis hin zur Abstimmung über die Directive im Rechtsausschuss des EU-Parlaments.
Im Vorwege dieser Abstimmung galt auch hier das Strucksche Prinzip, dass kein Gesetz so aus dem Parlament kommt, wie es hineingegangen ist. Es gab also zahlreiche Änderungen und Ergänzungen die der Berichterstatter Axel Voss (CDU/EVP) verhandeln durfte.

Julia Reda und das Plakative
Schon sehr früh machte die einzige Abgeordnete der Piraten Partei, Julia Reda, Front gegen die Vorschläge. Anatomie eines Politik-Hacks weiterlesen

The anatomy of an assault on politics

The New Testament narrates numerous miracles attributed to Jesus Christ. One of them is the feeding of the multitude: Jesus is described as having multiplied a few loaves and fish so that five thousand people could eat and were satisfied.
The debate over the new EU Copyright Directive towards the end of June 2018 was characterized by a similarly remarkable form of multiplication. But what was being multiplied in this case was not bread or fish, but protest – or rather the appearance of protest.

To begin at the beginning …
In September 2016, EU Commissioner Günther Oettinger put forward proposals for a Directive on Copyright in the Digital Single Market.
Time passed, and Oettinger moved on to a new role within the Commission, but the wheels of bureaucracy continued to churn until the European Parliament’s Committee on Legal Affairs (JURI) was due to vote on the proposed directive.
In the run-up to the vote, observers may have wryly recalled the dictum of German parliamentarian Peter Struck that no bill ever exits parliament in the form it enters it. The directive’s rapporteur Axel Voss (CDU/EPP) had the pleasure of steering a process in which numerous changes and additions to the text were negotiated before it was formally adopted by the JURI Committee and Voss was finally given a mandate to proceed to negotiations with the EU member states.

Julia Reda’s simple slogans
The only member of Germany’s Pirate Party with a seat in the European Parliament, Julia Reda, opposed the proposed legislation from a very early stage. The anatomy of an assault on politics weiterlesen

BGH zur WLAN-Haftung

Der unter anderem für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass der Betreiber eines Internetzugangs über WLAN und eines Tor-Exit-Nodes nach der seit dem 13. Oktober 2017 geltenden Neufassung des § 8 Abs. 1 Satz 2 des Telemediengesetzes (TMG) zwar nicht als Störer für von Dritten über seinen Internetanschluss im Wege des Filesharings begangene Urheberrechtsverletzungen auf Unterlassung haftet. Jedoch kommt ein Sperranspruch des Rechtsinhabers gemäß § 7 Abs. 4 TMG nF in Betracht.
Diese Vorschrift ist richtlinienkonform dahin fortzubilden, dass der Sperranspruch auch gegenüber den Anbietern drahtgebundener Internetzugänge geltend gemacht werden kann. Der Anspruch auf Sperrmaßnahmen ist nicht auf bestimmte Sperrmaßnahmen beschränkt und kann auch die Pflicht zur Registrierung von Nutzern, zur Verschlüsselung des Zugangs mit einem Passwort oder – im äußersten Fall – zur vollständigen Sperrung des Zugangs umfassen.
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LG Stuttgart hält Deckelung der P2P-Abmahnkosten für europarechtswidrig

Nach Ansicht des LG Stuttgart ist die Deckelung der anwaltlichen Abmahnkosten bei P2P-Urheberrechtsverletzungen (§ 97a Abs. 3 Satz 2 UrhG) nicht mit Art. 14 der Durchsetzungsrichtlinie-Richtlinie vereinbar.
Der Abgemahnte hat die vollen Abmahnkosten zu erstatten.
[LG Stuttgart, 09.05.2018, Az.: 24 O 28/18].

https://www.dr-bahr.com/news/keine-deckelung-der-anwaltlichen-abmahnkosten-bei-p2p-urheberrechtsverletzungen.html

Vgl. auch: https://aw3p.de/archive/tag/lg-stuttgart-urteil-vom-09-05-2018-az-24-o-28-18

Russland: Sperrungen für 3.400 Piraterieseiten

Nach Angaben der russischen Telekommunikationsbehörde Roscomnadzor wurden inzwischen mehr als 3.400 Internetseiten wegen wiederholten Verstößen gegen das Urheberrecht auf die nationale Internet-Blacklist gesetzt.
Das Moskauer Stadtgericht hat 302 Sperrverfügungen erlassen und ein Ministerium weitere 2.286 ergänzende Verfügungen zu Proxies oder abgewandelten Seiten.
Die gesperrten Seiten werden von den ISPs blockiert und von den Suchmaschinen nicht aufgelistet.
https://torrentfreak.com/russia-has-permanently-blocked-3400-pirate-resources-180722/

Matthias Hornschuh: Manipulationsmaschine

Der Komponist Matthias Hornschuh beleuchtet die Hoffnung der Berufsurheber auf eine längst überfällige Reform Urheberrechtsrichtlinie und analysiert Status Quo, Interessenlagen und Strategien der betroffenen Plattformen.

Wovon Musikurheber leben …
Musik funktioniert arbeitsteilig. Die einen komponieren und texten, die andern singen, spielen und nehmen auf. Ein klares Prinzip mit Ausnahmen („Selbstaufführer“), in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Das Prinzip bildet sich auch im Recht ab: Den Autoren gehört das Urheberrecht, den Interpreten ein Leistungsschutzrecht; beide sind sowohl Ausdruck eigentumsrechtlicher wie auch persönlichkeitsrechtlicher Ansprüche.
Für Nutzungen müssen beide Rechte lizenziert und „angemessen“ vergütet werden; das passiert i.d.R. über Verwertungsgesellschaften (VG) wie die GEMA. Da Kompositionsarbeit im Regelfall unvergütet ist, machen die VG-Ausschüttungen als einzige erzielbare Einnahmen bis zu ¾ der Jahreseinnahmen professioneller Musikautoren aus.

… und wovon sie nicht leben können: #ValueGap

Weiter über ….
http://hornschuh-musik.de/manipulationsmaschine

LKA Sachsen: Internationales Vorgehen gegen Warenbetrug

Aufgrund von Ermittlungen des LKA Sachsen wurden 31 Wohnungen und Geschäftsräume in Deutschland, Litauen, Estland, der Schweiz, Zypern, Großbritannien und Nordirland, der Ukraine, Finnland und Lettland durchsucht, um Online-Warenbetrüger festzunehmen.
Den derzeit 15 Beschuldigten wird vorgeworfen, durch Onlinebestellungen mit gestohlenen Kreditkartendaten Waren im Wert von über 18 Millionen Euro erlangt zu haben.

https://www.golem.de/news/warenagent-europaweiter-grosseinsatz-gegen-online-betruegerbanden-1807-135602.html

Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Rechenzentrum liegt so nah?

Immer wieder hört man in der Diskussion um die unregulierte Distribution von geschützten Inhalten im Internet ganz erstaunliche Argumente. Eines davon lautet, dass man die parasitären Geschäftsmodelle ja ohnehin nicht verhindern könne, das Ganze wäre viel zu international (Internet halt) und gegen Server in Tonga kann man ohnehin nichts ausrichten.

Domain-Endung und Rechenzentrum – zwei Paar Schuhe

Selbstverständlich stehen in Tonga keine Server, jedenfalls keine, die Inhalte unreguliert über Datenleitungen nach Europa schaufeln. Praktisch jedes Rechenzentrum (oder Datacenter) auf der Welt kann die Daten einer solchen exotischen Domain beherbergen.
Eine .to Domain als Beispiel (Länderkennung für Tonga) bietet mehrere Vorteile. Sie liegt phonetisch dicht an Torrent und sie ist quasi anonym zu registrieren. Domainendung und tatsächliches Rechenzentrum sind also getrennt zu betrachten.
Aus der Analyse unserer Daten wissen wir aber, das Geschäft findet in Europa quasi vor der Haustür statt und das aus vielen Gründen.
Um die tatsächliche Herkunft von Piraterieseiten oder besser deren Content etwas deutlicher zu verstehen haben wir unsere Datenbank von Mitte Mai bis Mitte Juni einmal detaillierter ausgewertet und bei Bedarf weitere Analysen erstellt.

Die überaus beliebte EU
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Facebook, der Holocaust und das Strafgesetzbuch

Mark Zuckerberg hat öffentlich erläutert, dass Posts von Nutzern, in denen der Holocaust geleugnet wird, nicht von der Plattform entfernt werden.
„Aber am Ende glaube ich nicht, dass unsere Plattform das herunternehmen sollte, weil ich denke, dass es Dinge gibt, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen. Ich denke nicht, dass sie absichtlich falsch liegen“, erklärte er.
Später ergänzt um:
„Ich persönlich finde die Leugnung des Holocaust zutiefst beleidigend, und ich habe absolut nicht vorgehabt, die Absicht von Leuten zu verteidigen, die das tun“, sagte er und fügte hinzu: „Unser Ziel mit gefälschten Nachrichten besteht nicht darin, zu verhindern, dass irgendjemand etwas Falsches sagt – sondern damit, dass gefälschte Nachrichten und Fehlinformationen über unsere Dienste verbreitet werden.“ Sollte ein Beitrag aber für Gewalt oder Hass gegen eine bestimmte Gruppe sorgen, würde er gestrichen werden.
(Zitiert nach einem Artikel des Spiegels.)

Das Strafgesetzbuch sieht bis zu 5 Jahren Haft bei öffentlicher Leugnung des Holocausts vor.
§ 130 Strafgesetzbuch – Volksverhetzung
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

Zur Rechtslage in anderen Ländern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetze_gegen_Holocaustleugnung