Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Rechenzentrum liegt so nah?

Immer wieder hört man in der Diskussion um die unregulierte Distribution von geschützten Inhalten im Internet ganz erstaunliche Argumente. Eines davon lautet, dass man die parasitären Geschäftsmodelle ja ohnehin nicht verhindern könne, das Ganze wäre viel zu international (Internet halt) und gegen Server in Tonga kann man ohnehin nichts ausrichten.

Domain-Endung und Rechenzentrum – zwei Paar Schuhe

Selbstverständlich stehen in Tonga keine Server, jedenfalls keine, die Inhalte unreguliert über Datenleitungen nach Europa schaufeln. Praktisch jedes Rechenzentrum (oder Datacenter) auf der Welt kann die Daten einer solchen exotischen Domain beherbergen.
Eine .to Domain als Beispiel (Länderkennung für Tonga) bietet mehrere Vorteile. Sie liegt phonetisch dicht an Torrent und sie ist quasi anonym zu registrieren. Domainendung und tatsächliches Rechenzentrum sind also getrennt zu betrachten.
Aus der Analyse unserer Daten wissen wir aber, das Geschäft findet in Europa quasi vor der Haustür statt und das aus vielen Gründen.
Um die tatsächliche Herkunft von Piraterieseiten oder besser deren Content etwas deutlicher zu verstehen haben wir unsere Datenbank von Mitte Mai bis Mitte Juni einmal detaillierter ausgewertet und bei Bedarf weitere Analysen erstellt.

Die überaus beliebte EU
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Facebook, der Holocaust und das Strafgesetzbuch

Mark Zuckerberg hat öffentlich erläutert, dass Posts von Nutzern, in denen der Holocaust geleugnet wird, nicht von der Plattform entfernt werden.
„Aber am Ende glaube ich nicht, dass unsere Plattform das herunternehmen sollte, weil ich denke, dass es Dinge gibt, bei denen verschiedene Menschen falsch liegen. Ich denke nicht, dass sie absichtlich falsch liegen“, erklärte er.
Später ergänzt um:
„Ich persönlich finde die Leugnung des Holocaust zutiefst beleidigend, und ich habe absolut nicht vorgehabt, die Absicht von Leuten zu verteidigen, die das tun“, sagte er und fügte hinzu: „Unser Ziel mit gefälschten Nachrichten besteht nicht darin, zu verhindern, dass irgendjemand etwas Falsches sagt – sondern damit, dass gefälschte Nachrichten und Fehlinformationen über unsere Dienste verbreitet werden.“ Sollte ein Beitrag aber für Gewalt oder Hass gegen eine bestimmte Gruppe sorgen, würde er gestrichen werden.
(Zitiert nach einem Artikel des Spiegels.)

Das Strafgesetzbuch sieht bis zu 5 Jahren Haft bei öffentlicher Leugnung des Holocausts vor.
§ 130 Strafgesetzbuch – Volksverhetzung
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

Zur Rechtslage in anderen Ländern:
https://de.wikipedia.org/wiki/Gesetze_gegen_Holocaustleugnung

Großbritannien: Weitere Sperren für illegale Premiere League-Streams

Der britische High Court hat entschieden, dass weiterhin Piraterie-Live-Streams von Fußballspielen der Premiere League in Großbritannien zu blockieren sind. Eine einstweilige Verfügung, die vorsieht nicht autorisierte Streams in Echtzeit zu blockieren, wurde für die Saison 2018 bis 2019 erneuert.
https://torrentfreak.com/premier-league-obtains-piracy-blocking-order-for-2018-19-season-180719/

Facebook: Bloß nicht zu viel löschen

Eine bei Channel 4 ausgestrahlte Sendung zeigt, dass bei Facebook Irland viel zu wenig gelöscht wird. Ein Investigativ-Journalist musste feststellen, dass Gewalt, Rechtsextremismus und Inhalte von Kinder unter 13 nicht selten auf Facebook online bleiben. Manchmal, weil sie die „Gemeinschaftsstandards“ nicht verletzen, manchmal weil es Seiten betrifft, die „besonders viele Follower“ haben.
Facebook gibt die Verstöße zu. Die „Löschungen“ sollten durch CPL Resources erfolgen, dort wollte man nicht zu viel zensieren, da sonst die Menschen das Interesse an der Plattform verlieren würden.

https://www.channel4.com/programmes/inside-facebook-secrets-of-a-social-network

https://futurezone.at/digital-life/doku-enthuellt-wie-gewalt-und-rechtsextremismus-auf-facebook-online-bleibt/400067930

Facebook Österreich: Eine Minderheit prägt die politische Debatte

Der Digitalreport Österreich hat analysiert, wie die politische Debatte in Österreich auf Facebook geführt wird. Daraus wird deutlich, dass Parteichefs deutlich wichtiger als die Parteien selber sind.

Bei der politischen Diskussion unter den Facebook-Nutzern haben zwar im Untersuchungszeitraum 172.000 Nutzer auf Seiten der Parteien oder Parteichefs Kommentare hinterlassen, die Hälfte aber nur einen einzigen. 73 Prozent der Kommentare wurden von lediglich 20 Prozent der Nutzer verfasst. „Eine Minderheit prägt die politische Debatte überproportional. Facebook ist deshalb kein Spiegel unserer Gesellschaft, sondern ein Zerrspiegel. je nachdem wie diese Minderheit agiert, sind manche Ereignisse größer oder kleiner als in der Realität“, sagt die Verfasserin Ingrid Brodnig. Die 200 aktivsten Nutzer hatten zusammen über 73.000 Kommentare veröffentlicht.

https://futurezone.at/digital-life/auf-facebook-schreit-die-minderheit-am-lautesten/400067795

YouTube: Aktive Radikalisierung

Zeynep Tufekci von der Universität Carolina hat analysiert, wie man beim Anschauen von YouTube-Videos immer krassere und immer radikalere „weiterführende“ Clips empfohlen oder direkt im Anschluss gezeigt bekommt:

  • Wer sich Nachrichten-Videos zum Amoklauf an der Marjory Stoneman Douglas High School in Florida ansieht, landete schnell bei anderen Clips, die behaupten, die Tragödie hätte nie stattgefunden und wäre ein Hoax.
  • Videos über Donald Trump Kundgebungen führten zu Holocaust-Leugnungen.
  • Videos über Hillary Clinton und Bernie Sanders führten zu Verschwörungstheorien.
  • Videos über Vegetarismus führten zu Videos über Veganismus.
  • Videos über das Joggen führten zu Videos über das Laufen von Ultramarathons.

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Großbritannien: 5 Jahre Haft für Betreiber eines illegalen Streaming-Dienstes

Ein britisches Ehepaar hat über 8.000 illegale Streaming-Geräte verkauft und einen eigenen Streaming-Service eingerichtet, um illegalen Zugang zum Fußball der Premier League zu ermöglichen. Sie erzielten damit £750,000 Umsatz. Jetzt werden sie für fünf Jahre und drei Monate inhaftiert.
https://www.fact-uk.org.uk/five-year-jail-sentence-for-operator-of-major-illegal-streaming-service/

Studie zu illegalem Streaming während der Fußball-WM

Während der Fußball-WM hat Viaccess-Orca das illegale Streaming untersucht und detaillierte Fakten über die Anzahl der illegalen Streams, Host-Domains und Links herausgefunden. So zeigen die Ergebnisse u.a. die wichtigsten Quellen und Speicherplätze der Streams für 5 ausgewählte Spiele:

TOTAL NUMBER OF LINKS ON THE TOP 5 HOSTER DOMAINS
By hoster domains, we refer to a site that hosts illegal videos, either directly or through or behind a protector used as a proxy.
TOP 5 – LINK HOSTER DOMAINS
1. Facebook 1762 links
2. Emb.aliez.me 699 links
3. 0eb.net 401 links
4. Youtube 364 links
5. Cdn.Livetvcdn.net 168 links Studie zu illegalem Streaming während der Fußball-WM weiterlesen

Umfrage: Werbung von Inhalt nur schwer zu unterscheiden

Eine Umfrage von Bitcom hat ergeben, dass viele Social-Media-Nutzer Schwierigkeiten haben, zwischen Werbung und inhaltlichen Beiträgen zu unterscheiden. So sagt knapp jeder zweite Nutzer (48 Prozent), dass er Werbung von Inhalt nur schwer unterscheiden kann. Unter den jüngeren Nutzern im Alter von 14 bis 29 Jahren sind es sogar 56 Prozent, unter den 50- bis 64-Jährigen und bei der Generation 65 Plus dagegen nur jeweils 40 Prozent.

https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Jeder-zweite-Social-Media-Nutzer-kann-Werbung-von-Inhalt-nur-schwer-unterscheiden.html

EFF – Silicon Valley corporate front group

Der Journalist Yasha Levine zeigt detailliert die Einseitigkeit der Internet-Lobbyorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) auf. Staatliche Überwachungs- und Kontrollmaßnahmen gegen Verbrechen, werden aufs Schärfste bekämpft. Die viel weitergehenden Datensammlungen und Analysen der Techfirmen hingegen werden nie problematisiert.

Nachfolgend einige Auszüge aus dem langen aber überaus lesenswerten Text:

„But the truth is that EFF is a corporate front. It is America’s oldest and most influential internet business lobby—an organization that has played a pivotal role in shaping the commercial internet as we know it and, increasingly, hate it. That shitty internet we all inhabit today? That system dominated by giant monopolies, powered by for-profit surveillance and influence, and lacking any democratic oversight? EFF is directly responsible for bringing it into being.”

“Corporations like Google didn’t spy; they “collected data”—they “personalized.”

“Following the event, EFF and its younger, hipper cousins like Fight for the Future were the toast of Silicon Valley. “They helped mobilize the community of technology companies and public interest groups and ensured our collective focus was on informing the legislative process,’’ Alex Fowler, then head of privacy and public policy for the Mozilla Foundation, told the Boston Globe.”

“As such, the SOPA battle was just one more successful application of EFF’s rhetorical public relations strategy: frame any attempt to regulate Silicon Valley power with totalitarianism, all while conflating the interests of regular internet dwellers with the plutocrats who own the internet.”

„It was like watching antiwar protesters marching hand in hand with Lockheed Martin executives to fight Pentagon missile defense.”

“And that brings me back to former EFF staffer April Glaser. In her appeal to EFF and digital advocacy groups to lead the way in regulating corporate surveillance, she admitted that private spying has never been a big issue for this group. “The longtime focus of privacy advocates on government surveillance, not corporate surveillance, is one explanation. That probably has to do with the founding principles behind a lot of internet advocacy, which has its origins in libertarian and anti-regulation philosophies,” she wrote. “As a result, a lot of complaints from privacy advocates over the years have focused on how government surveillance is harmful to our constitutional rights and less on how they might be harmful to our communities.“”

Yasha Levine,  „All EFF’d Up“ unter https://thebaffler.com/salvos/all-effd-up-levine

YouTube: Neuer Uploadfilter

YouTube bietet den großen Kanalbetreibern nun eine neue Möglichkeit, mit der ihre eigenen Inhalte vor unberechtigten erneuten Uploads geschützt werden können. Das neue Copyright Match Tool erkennt doppelte Uploads automatisch und lässt dem Ersteller die Wahl, was mit den Kopien passiert.

Alle YouTuber mit mehr als 100.000 Abonnenten können sich in den kommenden Wochen mit dem neuen Copyright Match Tool darüber informieren lassen, wenn ihre eigenen Videos auf anderen Kanälen erneut auftauchen. Die Erkennung verläuft vollautomatisch und benötigt keinen direkten Eingriff des Uploaders.

Wird eine Kopie entdeckt, hat der Original-Uploader eine Reihe von Möglichkeiten: YouTube: Neuer Uploadfilter weiterlesen

Auszeichnung für Webseite zum Thema Film und Urheberrecht

Die VISION KINO-Webseite www.wer-hat-urheberrecht.de wurde mit dem Comenius-EduMedia-Siegel 2018 ausgezeichnet. Im kreativ-produktiven Umgang mit Film und Medien vermittelt die Webseite Schülern von der 3. bis zur 13. Klasse (und ihren Lehrkräften) urheberrechtliche Grundlagen sowie Film- und Medienwissen.
Der Comenius-EduMedia-Award, der durch die Gesellschaft für Pädagogik, Information und Medien e.V. „Johann Amos Comenius“ vergeben wird, zeichnet pädagogisch, inhaltlich und gestalterisch hochwertige digitale Bildungsmedien aus.